Henriette Reker "Vielleicht habe ich den Frauen zu wenig Trost gespendet"

© Wolfgang Rattay/Reuters
In der Kölner Silvesternacht sei einiges schiefgelaufen, sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker dem ZEITmagazin. Auch sie selbst habe Fehler gemacht.
Quelle: ZEIT ONLINE, sk

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker gibt sich ein halbes Jahr nach den Silvesterübergriffen selbstkritisch: Ihr schon damals umstrittener Ratschlag an Frauen, zu Fremden "eine Armlänge Abstand" zu halten, sei "unglücklich" gewesen, sagte Reker dem ZEITmagazin. Er sei vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrung entstanden, sagte Reker, die am 17. Oktober 2015 selbst Opfer einer Messerattacke geworden war. "Wenn man selbst so eine Erfahrung gemacht hat, dann erhält man sich gerne eine Illusion der Wehrhaftigkeit aufrecht."

In Zusammenhang mit den Ausschreitungen und massenhaften sexuellen Übergriffen, die sich in der Silvesternacht rund um den Kölner Hauptbahnhof ereignet hatten, sagte Reker, der Kölner Polizei fehle es "schon seit Jahren" an Personal. "Ich bin überzeugt, dass dies das größte Problem an Silvester war: Es waren schlicht zu wenig Einsatzkräfte vor Ort."

Ihr eigenes öffentliches Auftreten nach Silvester sei nicht frei von Fehlern gewesen: "Vielleicht habe ich den Frauen, den Opfern, zu wenig Trost gespendet", sagte Reker. "Aber meine Aufgabe ist es, dass diese Stadt funktioniert, ich bin nicht die oberste Hirtin. Mir geht es um die Sicherheit in der Stadt."

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) verteidigte im ZEITmagazin die Vorbereitungen der Polizei vor Silvester: Mit dem Wissen, über das man im Vorhinein verfügt habe, "hätte man die Übergriffe nicht verhindern können". In der Nacht selbst seien aber Fehler gemacht worden: "In der Silvesternacht wussten viele etwas, aber keiner alles." Jäger zufolge sei es ein zentraler Fehler gewesen, dass der Einsatz der Polizei von der Kölner Polizeiinspektion Mitte geführt wurde.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Köln gibt es durch die Vorfälle in der Silvesternacht insgesamt 1.276 mutmaßliche Opfer. Mit Stand vom 16. Juni lagen 1.182 Anzeigen zur Silvesternacht in Köln vor, von denen sich 497 auf sexuelle Übergriffe beziehen, die 648 Opfer betreffen. 284 Personen wurden den Anzeigen zufolge zugleich Opfer eines sexuellen Übergriffs und eines Eigentumsdelikts. Es liegen fünf Anzeigen wegen vollendeter Vergewaltigung und 16 wegen versuchter Vergewaltigung vor.

Abschiebungen werden stark verzögert

Von den 183 Beschuldigten gelten 55 als Marokkaner, 53 als Algerier, 22 als Iraker, 14 als Syrer und 14 als Deutsche. 73 Beschuldigte sind Asylsuchende, 36 hielten sich illegal in Deutschland auf, elf hatten eine Aufenthaltserlaubnis; bei den Übrigen ist der Status ungeklärt. Acht Beschuldigte befinden sich derzeit in Untersuchungshaft.

Jäger kritisiert außerdem, dass sich die marokkanische Regierung bei Abschiebungen in das Land wenig hilfreich zeige. Seit Neujahr habe Nordrhein-Westfalen erst elf Marokkaner nach Marokko abschieben können. "Wenn das in dem Tempo weitergeht, dann ziehen sich die anstehenden Abschiebungen noch 25 Jahre hin", sagte Jäger.

Kommentare

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Artikelzitat:
»Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker gibt sich ein halbes Jahr nach den Silvesterübergriffen selbstkritisch: Ihr schon damals umstrittener Ratschlag an Frauen, zu Fremden "eine Armlänge Abstand" zu halten, sei "unglücklich" gewesen, sagte Reker dem ZEITmagazin. «

Weder Medien noch politisches Establishment nehmen war, das sie mit dem phrasenhaften Aufarbeiten von Fehlentwicklungen das Demokratie- und Rechtsstaatsprinzip weiter aushöhlen.

Als Teil der Zivilgesellschaft ist zu sagen. Die Aussage war nicht unglücklich,

sie war ... und verhöhnte Betroffene.

Die Parlamentarische Versammlung des Europarates (Vertreter von
47 nationalen Parlamenten - Initiator der "Europäischen Menschenrechtskonvention"} sagt, FAZ,29.01.2016:

» Die Wahrheit und sonst nichts -
Die Parlamentarische Versammlung des Europarats liest der deutschen Politik und den Medien die Leviten. Ihre Entschließung heißt:

„Der Schutz von Frauen und die ehrliche Darstellung unbequemer Wahrheiten“.

Das lässt aufhorchen. -
....Die Medien seien gehalten, die Fakten objektiv darzustellen und nicht aus etwaiger Rücksichtnahme auf politische Korrektheit die Wahrheit zu verschweigen. Alles andere begünstige Verschwörungstheorien und das Misstrauen in Staat und Medien und schüre Hass. Zugleich dürften Menschen nicht stigmatisiert werden.«
http://goo.gl/fgPv8p

positiv, dass die Politikerin eigene Fehler eingesteht. Verbrechen, die medial gerne euphemistisch als "Uebergriffe" bezeichnet werden, waren bis dato in D unbekannt. Allenfalls auf dem Tahrirplatz in Cairo gabe es nach dem sogen. arab. Fruehling vergleichbares zu beobachten. Opfer dort - einheimische Frauen. Im uebrigen ist es leider keineswegs so, als haetten sich diese schockierende Dinge seit Sylvester nicht wiederholt. Vgl.
http://www.abendblatt.de/...