Die großen Fragen der Liebe: Muss sie auf den Urlaubsfotos lächeln?

Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 5/2016

Die Frage: Volker und Ute sind Eltern einer Teenager-Tochter. Bisher waren gemeinsame Urlaube kein Problem; in diesem Sommer möchte die 15-Jährige zu Hause bleiben. Die Eltern sind dagegen, das Kind fährt mit! Bald bereuen sie den Entschluss. Emma ist geistesabwesend, hat taube Ohren, auch wenn sie keine Kopfhörer trägt. Sie findet den Urlaubsort langweilig, das Strandleben ätzend. Volker überredet sie zu einer Bergwanderung – Emma möchte am liebsten auf halber Höhe sitzen bleiben. Mit gutem Zureden erreichen sie den Gipfel. Volker zückt den Fotoapparat. Ute und Emma sollen lächeln! Lächeln! Emma zieht ihr Halstuch vors Gesicht. "Du nervst", sagt Ute. Volker ist beleidigt. "Ich will doch nur ein schönes Foto machen, es ist vielleicht unser letzter gemeinsamer Urlaub!"

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Eltern sind nicht darauf vorbereitet, dass ihre Kinder flügge werden. Die einst so selbstverständliche Empfänglichkeit für Aufmerksamkeit geht plötzlich gegen null. Emma hat jetzt Probleme, über die sie mit den Eltern nicht sprechen will. Ihr Widerstand gegen den gemeinsamen Urlaub wurde nicht ernst genommen, es ließ sich keine bessere Lösung finden als ein Elternplan von dem, was dem Kind bisher immer gefallen hat. Gerade weil er zeigt, wie es im Familiengetriebe knirscht, ist der Urlaub lehrreich. Wenn Eltern ihr Kind nicht mehr glücklich machen können, sollten sie doch versuchen, etwas aus dieser Situation zu lernen. Volker sollte aufhören, ein Urlaubslächeln zu erzwingen; Ute sollte ihn nicht abkanzeln, sondern trösten.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch "Coaching in der Liebe. Neue Spielregeln für das Leben zu zweit" ist im Kreuz-Verlag erschienen.

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