Unter Strom Mirko Borsche testet einen Fernseher, der gut aussehen will

Aus der Serie: Unter Strom ZEITmagazin Nr. 14/2016

Als Grafiker und als Mensch habe ich mit Fernsehern ein Problem: Sie sehen im Raum einfach nie gut aus. Dabei gehöre ich noch nicht mal zu den Hardlinern unter den Grafikern, bei denen nix Überflüssiges rumsteht. Bei mir ist es eher üppiger eingerichtet, und ich habe jede Menge Pflanzen, die ja weder symmetrisch sind noch gerade Kanten haben. Aber ein Fernseher stört mich, sobald er aus ist. Daher ist meiner auch so klein, dass er bei den meisten sogar als Zweitgerät keine Gnade finden würde. Da kam mir der Fernseher von Samsung zum Testen gerade recht. Er wurde von Ronan und Erwan Bouroullec entworfen, die für mich zu den besten Industriedesignern zählen. Idee: den Fernseher als eigenständiges Möbelstück zu behandeln. Mir gefiel seine Form auf den Bildern sofort. Und dann der Name: "Serif", weil er im Profil so aussieht wie das große I in einer Serifenschrift (so wie diese hier, die feine Linien hat, die die Buchstaben abschließen). Wer wäre die Zielgruppe für dieses Gerät, wenn nicht ich? Es hätte also alles ganz wundervoll werden können. Wurde es aber nicht. Ich habe das kleinste Modell mit dem 24-Zoll-Bildschirm getestet, und so klein sieht der Fernseher nicht mehr so gut aus. Das Material wirkte irgendwie billig. Hinten soll eine Abdeckung die Anschlüsse verdecken, und nachdem ich das Netzwerkkabel reingesteckt hatte, habe ich ewig rumgefriemelt, aber die Abdeckung nicht mehr richtig draufbekommen. Das Gerät hat zwar eine passende schöne Fernbedienung, aber für einige Extrafunktionen braucht man zusätzlich eine ganz gewöhnliche von Samsung. Ich war schon enttäuscht, bevor das Ding überhaupt an war. Da konnte mich auch das gute Bild nicht mehr so recht versöhnen.

Technische Daten

Samsung Serif TV; Größe: 24, 32 oder 40 Zoll; integriertes WLAN; Smart-TV; Farben: Rot, Blau oder Weiß; Preis: ab 699 Euro

Mirko Borsche, Creative Director des ZEITmagazins, schreibt jede Woche die Kolumne "Unter Strom"

Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Wer es vorzieht, Fernseher weiter zu verstecken, statt sie zu einem Möbelstück zu machen (hatten wir das nicht zum Beginn des Fernsehzeitalters mit Röhren in Holzkommoden schonmal?), dem erlauben die kompakten Maße moderner Geräte auch, sie mit etwas handwerklichem Geschick in einen etwas dickeren Bilderrahmen einzufassen. Einfach mal "TV Picture Frame" googlen, da gibt es gestalterisch die verschiedensten Möglichkeiten.

Witzige Idee, aber löst das wirklich das Problem derjenigen, denen ein Fernseher im ausgeschalteten Zustand missfällt? Moderne Fernseher sind ja nahezu randlos - was die Leute stört, ist also ein großes dunkles Rechteck. Wenn man da einen Bilderrahmen drumherum befestigt, hat man ein großes dunkles Rechteck in einem Rahmen. Ob das die Wahrnehmung verbessert? Ich glaube, da hilft nur niemals Ausschalten, oder komplett verstecken. Zum Glück stören mich ausgeschaltete Fernseher nicht... :)