Buchtitel Machen wir’s kurz

Juchhu, ein Buchtitel, der irgendwie immer passt!
ZEITmagazin Nr. 15/2016

Es gab schon vor Stephen Hawkings Weltbestseller Eine kurze Geschichte der Zeit Bücher, deren Titel so anfingen. Eine kurze Geschichte der Baptisten (1906) , ... der Augsburgischen Konfession (1930), ... der Pfarrkirche zum heiligen Oswald in Altmannsdorf (um 1932), ... des Buddhismus (1984). Viel mehr Bücher mit einem solchen Titel lassen sich nicht finden aus der Vor-Hawking-Zeit. Nachdem Hawkings Buch 1988 erschienen war, wagten die Verlage zunächst nicht, den Titel zu verwenden, vielleicht aus Respekt vor dem Werk, vielleicht aus Sorge, als Nachahmer zu gelten. Nach fünf Jahren aber sagte sich offenbar der erste Verlag: "Hey, komm, fünf Jahre sind eine lange Zeit, das wird den Hawking schon nicht mehr ärgern." Seither sind alle möglichen kurzen Geschichten herausgekommen, und es werden von Jahr zu Jahr eher mehr als weniger. Rund hundert solcher Bücher haben wir allein in Deutschland gezählt, mindestens drei erscheinen dieses Frühjahr. Der Titel wird, wie man sieht, für Romane als ebenso passend empfunden wie für Sachbücher und wissenschaftliche Veröffentlichungen. Der Trick dieses Titels ist es, bescheiden zu wirken, um in Wahrheit ziemlich anzugeben. Eigentlich will der Titel sagen: "Ein Meisterwerk über die nun nicht mehr umzuschreibende Geschichte der oder des ..." Er kann aber auch übersetzt werden in: "Es geht hier um ein Riesenthema, eingrenzen können wir das grad nicht, aber es ist auf jeden Fall ziemlich lang."

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