Die großen Fragen der Liebe Darf ihn ihr Hund anbellen?

Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 15/2016

Die Frage: Michael arbeitet in einer heilpädagogischen Tagesstätte und kümmert sich um seelisch belastete Kinder. Er sagt, dass er deswegen ein Problem mit Leuten habe, die sich Haustiere halten: Wie könne man dafür nur Zeit und Geld vergeuden, wo es so viele bedürftige Menschen gebe? Jetzt aber hat sich Michael in Lotte verliebt, die ihr Leben seit vier Jahren mit Sascha teilt, einem Dackel, den sie aus dem Tierheim geholt hat. Er kläfft immer noch minutenlang, wenn Michael kommt, findet sich dann aber leise knurrend damit ab, dass er Lotte jetzt mit einem Mann teilen muss. Michael würde den Hund am liebsten zurück ins Tierheim bringen. Neulich schob Lotte Michael eine Packung Hunde-Leckerlis zu: "Wenn du Sascha jedes Mal eines gibst, freut er sich auf dich und du dich auf ihn!"

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Vielleicht sollte Lotte zusätzlich überlegen, welche Form von Leckerli Michael benötigt, um mit gutem Humor von seiner bisherigen Haustierfeindschaft abzurücken. Beide sollten die Kluft nicht unterschätzen, die sich zwischen Personen in dieser Frage auftut. Für die eine Person ist ihr Haustier so wichtig wie für die andere ein nahestehender Mensch; andere können sich eine solche Intensität der Bindung an einen Vierbeiner gar nicht vorstellen. Für die Zukunft der Beziehung wäre es gut, wenn Michael versteht, dass Lottes Bindung an Sascha so stark ist, dass er mit Sascha Frieden schließen muss. Das heißt nicht, dass er zum Hundeliebhaber werden muss; es genügt, wenn er sich für Sascha so wohlwollend interessiert, wie es den Verwandten und Freunden eines Partners gebührt.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch "Coaching in der Liebe. Neue Spielregeln für das Leben zu zweit" ist im Kreuz-Verlag erschienen.

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