Stilkolumne Die volle Krönung

Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 16/2016

Heutige Monarchen mögen sich eigentlich nicht gerne als solche zu erkennen geben. Man nehme etwa Kate Middleton und Prince William: Beide kleiden und benehmen sich so bürgerlich, als sei Aristokrat ein Job, für den sie bezahlt würden. Und so werden sie auch behandelt. Neulich beschwerte sich die britische Presse, dass Kate Middleton zu wenig arbeite. Sie absolviere nicht genügend öffentliche Auftritte, hieß es. Zuletzt fehlte sie am St. Patrick’s Day, wo es ihre Aufgabe gewesen wäre, kleine Kleeblattsträuße an die Bevölkerung zu verteilen. Der Missmut ist umso größer, da man Monarchen nicht abwählen kann, wenn sie ihren Job nicht gut machen. Man muss sie radikal entmachten. Interessanterweise hat die Angst vor Entmachtung die Monarchen erst so bürgerlich werden lassen. So hat die preußische Königin Luise ihrem Mann sogar einst den Zopf abgeschnitten, stattdessen sollte er eine bürgerliche Kurzhaarfrisur tragen. Das preußische Königreich wurde dadurch allerdings nicht gerettet.

Ganz besonders vermeidet man das Zeigen der Krone: Die Insignien der Macht sind für moderne Monarchen tabu. Mit der Krone wurde auch das Diadem unmodern. Die Einzigen, die mit diesem schmuckbesetzten Haarreif noch regelmäßig auftreten, sind Schönheitsköniginnen. Das hat den Ruf dieses traditionellen Kopfschmuckes ruiniert: Wer mit einem Diadem angetroffen wird, hat eher etwas mit einer Baumarkteröffnung zu tun als mit der Thronfolge. Aber immer wenn etwas seiner traditionellen Bedeutung enthoben ist, bietet das auch wieder neue Möglichkeiten. Und so ist das Krönchen dieses Jahr immer wieder in den Kollektionen zu sehen. Etwa als Plastik-Diadem bei Miu Miu oder als klassischer Prinzessinnenschmuck mit Strass bei Saint Laurent Paris. Bei Louis Vuitton gibt es ein Diadem, das aussieht, als sei es von einer japanischen Mangafigur geliehen. Oftmals wird die Tiara, wie die edle Stirnbinde auch genannt wird, zu rockigen Looks kombiniert. Das Einzige, was man dazu gerade nicht tragen darf, ist ein Abendkleid. Dann würde man vermutlich den Eindruck machen, man halte sich wirklich für eine Prinzessin. Zu ganz seltenen Gelegenheiten hat Kate Middleton übrigens schon ein Diadem getragen, das einst für die Queen Mum hergestellt wurde. Es war auch schon in Besitz von Prinzessin Diana. Sie soll geklagt haben, es sei so schwer, dass sie davon starke Kopfschmerzen bekomme. Das könnte natürlich auch ein Grund sein, warum das Diadem in Prinzessinnenkreisen aus der Mode gekommen ist.

Foto: Tiara von Miu Miu für 290 Euro

Kommentare

4 Kommentare Kommentieren

Ein Diadem spielt auch in der ersten Staffel von Breaking Bad eine wichtige Rolle. Skyler bekommt von ihrer Schwester ein völlig überteuertes Geschenk, eben ein Diadem. Als sie es umtauschen will, stellt sich heraus, dass es gestohlen ist. Skylers Schwester ist Kleptomanin - und ihr Mann bald ein erfolgreicher Drogenhersteller und -großhändler. Natürlich lehnt Skyler es ab, das Diadem auch nur aufzusetzen.

Soweit ich weiss, nennt Sir Elton John eine der weltgroessten Tiara-Sammlungen sein eigen. Leider weiss ich nicht, ob und wo es davon einen bebilderten Katalog gibt. Dekadent ? Klar ! Schoen & historisch wertvoll ? Immer ! Erschwinglich ? Nicht wirklich, aber fuer's 'gemeine Volk' gibt es ja auch billigere Versionen - unsere Tochter besitzt eine von Svarovski. Zwar Strass, aber sieht kernig aus (das Diadem - die Tocher dann auch ;-).