Gesellschaftskritik Über Stars, die Groupies heiraten

Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 16/2016

Peter Maffay, 66-jähriger Softrockstar aus Siebenbürgen, ist frisch verliebt, die Klatschspalten sind entsprechend gut gefüllt: Hatte er nicht gerade erst seine vierte Frau nach soundso vielen Jahren kirchlich geheiratet? Ja, aber jetzt ist da Hendrikje Balsmeyer. Und Hendrikje Balsmeyer ist 28. Eine Lehrerin aus Halle. Star und Fan haben sich, so ist zu lesen, auf einem Konzert in Magdeburg im vergangenen Jahr kennengelernt, als Maffay die blonde Frau auf die Bühne holte, so wie Hunderte vor ihr. Man kann sich das auf YouTube anschauen. Ein zarter, fast intimer Moment. Er sang gerade das Lied Weil es dich gibt:

Was früher war, das hat nicht gezählt.

Weil ich jetzt erst weiß, du hast mir gefehlt.

Aber nein, keine heiße Affäre folgte, keine Alkohol- und Leidenschaftsexzesse zwischen Star und Groupie, kein tränenreicher Absturz der alten Ehefrau (sie ist bereits 40). Kein Rock und auch kein Roll. Früher speiste sich ein großer Teil der Coolness von Schauspielern und Musikern aus dem Umstand, dass sie wilde und viele Affären hatten, immer eine andere Schönheit neben sich auf dem roten Teppich, dass sie Herzen brachen und weiterzogen. Oder um es mit einem Filmtitel zu sagen: Groupies bleiben nicht zum Frühstück. Beziehungen mit Fans hatte die Kulturgeschichte und Lebensführung des Stars nicht vorgesehen. Doch irgendwann setzte anscheinend eine Veränderung ein, ganz schleichend. Mittlerweile heiraten Stars ihre Fans, anstatt einfach nur wilden Sex zu haben, Peter Maffay ist da kein Einzelfall. Zu nennen wäre außerdem Scooter. Konstantin Wecker. Helmut Kohl, wenngleich der bei der Heirat mit Langzeitfan Maike Richter schon 78 war.

Die Gesellschaftskritik findet: Einen Fan zu heiraten, das ist der eigentliche Rock ’n’ Roll. Nein, das ist schon Punk. Eine Fusion zwischen der Welt der Normalos und der des Glamours. Nach Betäubungsmitteln süchtig werden oder die Nanny verführen kann jeder. Aber Erwartungen einfach unerfüllt lassen? Konstantin Wecker, der seine Frau kennenlernte, als er noch an der Crackpfeife hing (er war 48, sie 20, mittlerweile sind sie getrennt), beschrieb das einmal so: "Zu heiraten, Kinder zu kriegen war für mich fast ein revolutionärer Akt."

Vielleicht ist es revolutionär, vielleicht auch einfach so rustikal, wie Maffay es darstellt: "Ich bin ein Mann. Sie ist ein hübsches Mädchen."

Weil es dich gibt, fange ich neu an.

Du zeigtest mir, dass ein Mann wie ich zärtlich lieben kann.

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