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Teamwork: Das duale System

ZEITmagazin Nr. 16/2016
Leidet die Liebe, wenn man zusammen arbeitet? Zwölf Fragen an unseren Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer Von

Woran erkenne ich, dass jeman ein guter Teamplayer ist?

Ein Teamplayer muss zuhören können, sich an Abmachungen verlässlich halten und Humor haben. Humor ist wichtig, weil nie alles klappen kann. Ich erwarte von meinem Partner, dass er so ist wie ich. Wenn ich feststelle, dass er anders ist, muss ich das erst verarbeiten. Humor unterstützt einen darin, die Andersartigkeit in ihrer kränkenden Potenz zu entschärfen.

Was ist wichtig, wenn ein Paar ein Unternehmen starten will?

Wenn man mit dem Partner ein Geschäft gründet, dann müssen die jeweiligen Reviere neu sortiert werden. Viele Paare streiten sich auch ohne gemeinsames Projekt häufig darüber, wer in welchem Bereich mehr zu sagen hat. Die Zuständigkeiten sollten geklärt werden, bevor man gemeinsam ein Unternehmen aufzieht.

Angelina Jolie und Brad Pitt – "Es gibt diese Person, mit der du zusammenlebst, die dich wirklich kennt und über die du so gut Bescheid weißt. Ihr seid nicht nur Liebhaber oder Freund und Freundin, sondern Familie." © Gabriel Bouys/​Getty Images

Warum sind klare Zuständigkeiten wichtig fürs gemeinsame Arbeiten?

Eine gemeinsame Arbeit ist wie die klassische Babykrise. Das Baby muss gestillt, gefüttert und gewickelt werden. Übertriebene Rücksichtnahme eines Partners führt da schnell zu einem Ungleichgewicht. Wenn einer immer aufsteht und sich um das Baby kümmert, wird er irgendwann sauer, dass der andere weiterschläft. Mit dem Ideal von Liebe und Harmonie kommt man dann nicht weiter. Die jeweiligen Aufgaben mit dem Baby oder eben einem gemeinsamen Unternehmen müssen ausgehandelt werden. Wer gut verhandelt, kann auch gut zusammenarbeiten.

Voraussetzung für eine dauerhafte Beziehung sind Freiräume. Gibt es die überhaupt, wenn man zusammen arbeitet?

Freiräume sind die eine Hälfte einer Partnerschaft, und das Zusammensein ist die andere Hälfte. Das Paar muss verhandeln, wie viel Platz jeder für seine individuellen Bedürfnisse bekommt.

Wird Unabhängigkeit überschätzt?

Unabhängigkeit ist einfach eine Folge des Fortschritts. Wirtschaftlich braucht man niemanden mehr. Im 18. Jahrhundert erkannten Sie den Junggesellen an seinem schlechten Geruch und dem hungrigen Aussehen, weil jeder Mann, der gut versorgt sein wollte, eine Frau brauchte, die ihm die Wäsche wusch und für ihn kochte. Und die Frauen waren auf das Geld ihres Mannes angewiesen. Für Singles, männlich oder weiblich, ist es heute überhaupt kein Problem, satt und sauber durch die Gegend zu spazieren. Aber emotional unabhängig ist niemand. Im Gegenteil: Der Anspruch an die Liebe wird immer größer. Sie soll für Bestätigung und Harmonie sorgen.

Wie sollte ein Partner damit umgehen, wenn sich bei der Arbeit herausstellt, dass der Andere kreativer und wirtschaftlich talentierter ist?

Da ist Humor gefragt. Eine Form, das Rivalitätsproblem zu bewältigen, ist, sich den Erfolg des Partners zugutezuhalten: Ich bin der Mann, der es geschafft hat, eine Frau zu bekommen, die begabter ist als ich. Das ist vernünftiger Egoismus. Wenn ich sie schlechtmache, mache ich mich ja auch schlecht. Ich bin schließlich der Idiot, der sich die Partnerin ausgesucht hat.

Maria Callas und Aristoteles Onassis – »Die Liebe ist viel schöner, wenn man nicht verheiratet ist.« © Keystone/​Hulton Archive/​Getty Images

Kann jeder seine Individualität behalten, wenn man zusammen arbeitet?

Für Paare kann die Partnerschaft auch die Verwirklichung ihrer jeweiligen Individualität sein. Freiraum ist ja nichts, das man sich zwanghaft selber verordnet, sondern ein Bedürfnis. Wenn dieses Bedürfnis nicht existiert, ist das vollkommen okay.

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