Die großen Fragen der Liebe Darf er ihren Zauberkreis ignorieren?

Jede Woche beantwortet unser Paartherapeut eine große Frage der Liebe. Diesmal: Übergangsobjekte
Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 17/2016

Die Frage: Nika und Joseph waren zehn Jahre lang unzertrennlich, sie arbeiteten zusammen und verbrachten die Wochenenden in einem alten Haus mit Garten, das Joseph geerbt hat. Joseph hätte gerne Kinder gehabt, Nika war dagegen. Sie kommt aus einer Scheidungsfamilie und will keinem Kind zumuten, was sie erlebt hat. Jetzt hat sich Joseph in Martina verliebt. Sie ist schwanger. Nika und Joseph wollen Freunde bleiben. Aber Nika will sich darauf nur einlassen, wenn Martina niemals den Garten betritt, den sie angelegt hat. Joseph findet diesen Wunsch unsinnig. Er wäre die meiste Zeit alleine in seinem Landhaus. Nika fährt jeden Freitag zu ihrer Mutter. Joseph würde Martina gerne einladen. Es ist doch sein Haus, aber er will Nika auch nicht vor den Kopf stoßen.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Verbote, wie sie Nika ausspricht, entspringen dem magischen Denken, in dem die Logik der Gefühle gilt. Wenn die böse Macht niemals den Zauberkreis überschreitet, gibt es sie nicht. Solche emotional bestimmten Vorstellungen sollten unsere Orientierung nicht beherrschen. Das heißt aber nicht, dass wir sie ignorieren dürfen, denn ihre Magie entfaltet beträchtliche Kraft. Sie ist es, die beispielsweise Übergangsobjekte belebt, wie den Teddy, ohne den das Kind nicht schlafen kann. Nika braucht noch für eine Weile die Vorstellung, dass ihr verlorenes Paradies nach wie vor allein ihr gehört. Wenn ihr Joseph Zeit lässt, wird sie nicht mehr so besorgt sein und hinnehmen, dass es sie nichts angeht, was in einem Garten geschieht, der nicht mehr ihrer ist.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch "Coaching in der Liebe. Neue Spielregeln für das Leben zu zweit" ist im Kreuz-Verlag erschienen.

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de.

Kommentare

0 Kommentare Kommentieren