Deutschlandkarte: Mohren-Apotheken

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Aus der Serie: Deutschlandkarte ZEITmagazin Nr. 21/2016

Auf dieses Thema brachte uns eine Leserin: Die Bremerin Irene Janoschek stieß in Regensburg auf eine Mohren-Apotheke, recherchierte – und fand viele weitere Apotheken mit dem Mohren im Namen. Schließlich schickte sie ihr Ergebnis an uns mit der Anregung, "es als historisches Dokument festzuhalten". Die Mohren-Apotheken verschwinden nämlich langsam, viele nach Jahrhunderten. Einige machen aus wirtschaftlichen Gründen dicht – wie jene Regensburger Apotheke, die Ende 2015 kurz vor ihrem 500. Geburtstag schloss. Andere werden der politischen Korrektheit wegen umgetauft. Denn heute gilt Mohr als kolonialer, rassistisch diskriminierender Begriff. Warum sich Apotheken so nannten, ist nicht eindeutig geklärt, vermutlich, um auf ihr besonderes Angebot hinzuweisen: Arzneien aus fernen Ländern, der Heimat der Menschen, die man einst als Mohren bezeichnete. Es wird gegen die Verwendung des Wortes protestiert, unter anderem mit folgender Idee: Man schreibt über das o in Mohren einfach zwei Punkte.

Recherche: Irene Janoschek und Anton Dorow

Kommentare

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Während Kopftücher verboten werden sollen weil Sie ein "Symbol" sind (ausser das der Nonnen), halten wir an Wörtern fest hinter deren Geschichte brutale und blutige Genozide bis zur brutale Polizeigewalt zu finden sind. Warum verbinden wir unsere scheinbare Überlegenheit mit Farben der Haut, der Haare und erfundenen Begriffen?

http://bit.ly/1Xfg40z

Männekieken

#4.1  —  1. Juni 2016, 14:51 Uhr

Hach ja, die böse Kolonialisierung und ihre Genozide. Dass sie außerdem dafür verantwortlich war, dass schätzungsweise hunderten Millionen Menschen wirtschaftliches Wachstum und erstmals Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung ermöglicht wurde, wird in der Schuldkultur gern vergessen. Jede Münze hat zwei Seiten.