Christian Wulff Über den Beziehungsalltag

Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 24/2016

Was können wir von Promis über die Liebe lernen? Das meiste, was von bekannten Paaren an die Öffentlichkeit dringt, hat mit den Höhe- und Tiefpunkten ihrer Paarbeziehung zu tun: X und Y: Erster Liebesurlaub am Strand. Sie schwammen sogar mit den Delfinen! – so fängt es meistens an. Drei Jahre später: Zwillinge für X und Y? X: "Ich war noch nie so glücklich!" Dann, wieder ein paar Jahre später: X und Y: Trennung? Die ehemalige Nanny der Familie berichtet von chaotischen Zuständen!

Was uns die öffentlichen Paare so gut wie nie vorführen, ist das, was passiert, wenn die Delfine nicht mehr mit ihnen sind. Der Beziehungsalltag, der zwar viel zitiert wird, über den aber in der Öffentlichkeit wenig bekannt ist. Die Macken. Die Missverständnisse. Die tiefe Müdigkeit, die einen ereilt, wenn man den anderen zum x-ten Mal dabei beobachtet, wie er vergeblich versucht abzunehmen. Das andauernde Reden, das es braucht, um all das zu überbrücken. Und die Erkenntnis, dass am Ende dieser Reise nicht etwa das Paradies wartet, sondern lediglich ein etwas größeres Verständnis für sich und seinen gestörten Partner. Von diesem Halbglück durchschnittlicher Beziehungen gibt es keine Gala-Berichte, und auch Normalbürger sprechen darüber nur in Andeutungen ("bei uns ist es auch nicht mehr wie am Anfang"). Sodass jeder denkt, er sei der Einzige, dessen Leben in eine Sackgasse geraten ist.

Vielleicht sind die jüngsten Nachrichten von Bettina und Christian Wulff deshalb so wohltuend. Eine Liebe, die nach allen Regeln der Boulevard-Dramaturgie begann (alleinerziehende, schöne Frau verliebt sich in 14 Jahre älteren Landesvater, der kurz darauf Bundespräsident wird) und nach denselben Regeln endete (er offenbart eine Vorliebe für halbseidene Deals, verliert sein Amt; sie verlässt ihn, wie man es von einer Goldgräberin erwartet, Unglück, er nimmt stark ab, sie schreibt ein Enthüllungsbuch, das leider keiner redigiert hat). 2013 zogen sie in getrennte Wohnungen, im März 2015 reichten sie die Scheidung ein. Aber dann nahm ihre Geschichte eine erstaunliche Wendung: Im Mai sagten sie die Scheidung ab, im Oktober heirateten sie kirchlich. Man las von einer Ehetherapie, sie suchte sich einen Job, er legte sich vermutlich nicht nur eine neue Brille zu. Und jetzt bauen die Wulffs noch einmal ein Haus in Großburgwedel miteinander, legen, nicht weit von der tristen Klinkervilla, die inzwischen verkauft wurde, ein neues Fundament. Willkommen im echten Leben: Tatsächlich ... Liebe.

Kommentare

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#1  —  6. Juni 2016, 19:19 Uhr

Zusammen ist man immer stärker als allein. Warum also auseinanderlaufen, nur weil einer die Erwartungen des anderen nicht erfüllt hat ? Sie als wahre Goldgräberin hat bestimmt nach der Trennung andere "Nuggets" abgewogen und für zu leicht befunden. Einmal mehr hat sich bewahrheitet: lieber ein dicker Spatz in der Hand, als eine schillernde Taube auf dem Dach. :-)

Ich erinnere mich, wie die Medien wochenlang über Wulffs Kredite und seine Immobilienfinanzierung erregten. Innerhalb kürzester Zeit wusste man so ziemlich alles über sein Privatleben. Wulff stellte sich als ein Vertreter der Unterschicht heraus, der sich knallhart nach oben durchgekämpft hatte. Er hatte weder geerbt, noch im Lotto gewonnen. Aber obschon von Geburt aus ziemlich arm suchte er die Nähe der Schönen und Reichen. Wie geht das denn? Später wusste man, dass der Hochstapler aus der Unterschicht sich sogar ein Darlehen von einem Privatmann hat geben lassen. Davon soll er sich ein viel zu großes Haus gekauft haben. Zwar am Arsch der Welt. Aber unverschämt groß war das Ding.

Und dann war da noch seine hübsche Ehefrau. Mit einem Tattoo, welches nach Einschätzung zahlreichen Vertreter des geschätzten Berliner Politbetriebs (inklusive CDUler) mit einem ganz bestimmten Milieus in Verbindung gebracht werden konnte. Über die Jauch's Fotos will ich gar nicht reden. Und über "Islam gehört zu Deutschland" erst recht nicht.

In einer Art medialer Blutrausch wurde der Mann dann anschließend öffentlich vernichtet.

Wegen seiner angeblicher Bestechlichkeit. Oder war das seine Ehefrau bzw. das Haus? Man weiß es heute nicht mehr. Jedenfalls nervte er die Medienvertreter ganz gewaltig.

Bis zu einem gewissen Punkt konnte ich es nachvollziehen, dass ein Bundespräsident im Kreuzfeuer der Presse steht, wenn seltsame Kredite ans Tageslicht kommen. Als aber dann aus der Tatsache, dass jemand seinem Kind ein Bobbycar geschenkt hat, eine Staatsaffäre konstruiert wurde, war eigentlich ziemlich klar, dass Christian Wulff eher Opfer als Täter war. Was für eine widerliche braune Brühe, sich an einem Kind aus Profilsucht zu vergreifen. Pfui Teufel, deutsche Presse.
Ich entschuldige mich bei Christian Wulff für eventuelle nicht korrekte Kommentare von meiner Seite.

Das wäre auch eine Wiedergutmachung für die beschämende Hetze und Diffamierungen die noch immer in manchen Kommentaren weiter gärt.
"Neid und Missgunst vergiften nur kleine Charakter" pflegte meine Großmutter zu sagen. Als Kind hatte ich das nicht wirklich verstanden, am Fall Wulf konnte ich auch bei ZON lesen, wie weit diese Gift in den Menschen verbreitet ist und hier Leser und Kommentatoren vereinte.

*Schnief*

Ich hatte zwischenzeitlich den Faden verloren, was das ehedem hohe Paar betrifft. Die gehörten doch irgendwie zu Deutschland. Nun diese schöne Auffrischung an Informationen
.
Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich nur weiterhin für die wahre Liebe dieser zwei Vorbildchen die Daumen drücken soll. Oder ob ich noch mehr will, nämlich Bettina als christlich-orthodoxe (Kirche und Tod und Ex) Kandidatin für die Nachfolge von Gauck der Bundesversammlung vorzuführen mir erwünschen darf.

Ich werfe jetzt einfach hiermit und damit öffentlich meinen Hut für Frau Wulff in den Ring.
Sie wird bestimmt (und zwar in jeder Hinsicht) dabei dann unterhaltsamer sein, als z.B Gerda Hasselfeldt es wäre oder ein Ex-Bundespräsident aus Niedersachsen es war.