Wundertüte Insektenhotel

© Alex Walker
Von
Aus der Serie: Wundertüte ZEITmagazin Nr. 24/2016

Als er eines Morgens seine Nachbarin mit einer elektrischen Fliegenklatsche über die Veranda laufen sah, beschloss Soner Bekar, als Unterschlupf für die kleinen Tiere ein Insektenhotel zu bauen. Dieses Refugium ist als Überwinterungs- oder Nisthilfe für Insekten bekannt. Unter www.bauanleitung.org zeigt der 42-jährige Familienvater aus Bremen, wie er so ein Hotel in Form eines Holzdreiecks baut. Und das geht so:

Im ersten Schritt baut man aus drei gleich langen Brettern den Rahmen, sodass ein gleichseitiges Dreieck entsteht. Die Enden der Bretter sollten vorab mit der Säge leicht abgeschrägt werden, damit sie gut zusammengesetzt werden können. Anschließend die Bretter an den abgeschrägten Seiten mit Leim bestreichen und zu einem Dreieck zusammenkleben. Im nächsten Schritt eine Seite des Rahmens mit Pappe abdecken, damit die Füllung nicht herausfallen kann. Die Pappe sollte mit kleinen Nägeln am Rahmen festgemacht werden, um das Gerüst stabil zu halten. Nun wird das Insektenhotel mit Hohlräumen gefüllt, in denen Wildbienen und -wespen ihre Eier ablegen. Am besten eignen sich dafür Holunder- oder Fliederzweige, deren weiches Mark man mit einem Stück Draht entfernen kann. Aber auch hohle Gräser wie Schilf oder Bambus können verwendet werden. Um Ohrwürmer anzulocken, genügt es, etwas Stroh oder Kiefernzapfen in dem Hotel zu deponieren. Wer Schmetterlingen eine Herberge bieten möchte, kann ungetrocknete, kleine Ästchen mit 5 Millimeter Durchmesser sammeln. Hierauf ruhen sich die Falter besonders gerne aus.

Am Schluss stapelt man das Material so aufeinander, dass ein buntes Muster entsteht und der Raum ausgefüllt ist. Damit nichts herausfällt, mit einem Tacker den Maschendrahtzaun an den Kistenrändern festmachen. Dann das Hotel an einem geschützten und sonnigen Platz aufhängen. Natürlich gäbe es noch viele andere Varianten, das Insektenhotel zu füllen, aber irgendwann sind auch hier alle Zimmer belegt.

Man braucht: 3 Holzbretter gleicher Länge, 1 große Pappe, kleine Nägel, Stroh-, Holunder- oder Fliederzweige, Schilf, Bambus, Kiefernzapfen, biegsamen Maschendrahtzaun, Tacker und Säge

Mitarbeit Corinna Liebreich

Kommentare

12 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren
bonifat
#1  —  19. Juni 2016, 10:25 Uhr

Nichts gegen das Insektenhotel ansich - trotzdem will ich mal einiges richtigstellen.
Es ist eine nette Sache, wenn Menschen sich ein solches "Stück Natur" in ihre Wohnumgebung holen, um sich dran zu erfreuen.
Aber ist es korrekt, hier von Natur-SCHUTZ ("Refugium") zu sprechen?
Ist es für das Überleben der Arten von irgendeinem Belang, wenn in städtischen Umgebungen solche Installationen aufgestellt werden?
Es ist doch eine Hybris, mit solchen Kästen retten zu wollen, was angeblich oder real verloren ist. Es mag ja sein, dass unterstützende Eingriffe solcher Art bei Wirbeltieren möglich und sinnvoll sind.
Aber Insekten??? Über Vorkommen und Nichtvorkommen entscheiden Habitate - was ändern solche Kästen da dran?
Ich muss schmunzeln, wenn ein solcher in einem Naturgarten aufgestellt wird - und dieser an eine verwilderte Fläche mit Brombeergestrüpp, Birken und Obstbaumruinen angrenzt.
Ist das nicht ein Widerspruch in sich?- das Vorhandensein der Wildnis wird ausdrücklich begrüßt - aber wozu brauche ich dann noch einen solchen Kasten? Zumindest, sofern ich ihn mit "Schutz" von irgendwas begründe.

In der Verwirrung der Begriffe sehe ich die Gefahr:
Stadtnatur ist eine ästhetische, kulturelle Kategorie. Artenschutz wird woanders gemacht.
Selbst eine zugewucherte Fabrikruine kann ein wunderbares "Biotop" sein.
Ich hab was gegen Machbarkeitswahn, auch in diesem Fall grünen.

Nichts gegen Ihre Meinung, aber "richtiggestellt" haben Sie mit all den Mutmaßungen und Fragezeichen nichts. Was genau ist denn nun nachweislich falsch an diesem Vorhaben?

Eines funktioniert jedenfalls hervorragend: (Stadt-) Kinder können sich durch direkte Beobachtung der (Flug-) Insektenwelt nähern, ohne durch Brombeersträucher oder über Fabrikruinen zu klettern… (-;

Das Allerbeste ist, den Garten eher etwas verwildern zu lassen, Gräser und sogenanntes Unkraut blühen zu lassen, altes Holz und Äste irgendwo liegen zu lassen, abgestorbene Bäume wenigstens zum Teil stehen zu lassen.
Das scheitert aber schon an dieser vermaledeiten "Ordnungsliebe", die zwar ordentliche, aber letztlich tote Gärten hinterlässt.
Ich durfte mir neulich auch die pikierte Frage eine Nachbarin aus dem Nebenhaus anhören, ob denn hier niemand den Rasen mähe.
Mein Hinweis, dass Insekten und Schmetterlinge/Raupen (welche man kaum noch sieht) sogenannte Unkräuter brauchen, konterte sie mit dem Hinweis auf Schmetterlingsbüsche. Ich sagte wiederholt, die Vorstufe der Schmetterlinge seien aber eben Raupen.
Aber letztlich wurde klar, dass sie die eher als zu bekämpfendes Ungeziefer ansieht.

Die Baumärkte sind voll mit diesen sog. Insektenhotels und jetzt gibt es auch hier noch Tipps zum Selberbau. Leider haben diese Dinger nicht mehr viel mit dem zu tun, für das sie ursprünglich erdacht wurden. Wo sich hier Schmetterlinge einfinden sollen, muss mir erst mal jemand zeigen. Und Ohrwürmer krabbeln auch nicht erst 2 m den Baum hoch um in zügigen Kiefernzapfen ein Quartier zu finden. Die fühlen sich in umgekehrten Blumentöpfen mit Stroh und Blättern wesentlich wohler. Außerdem haben Ohrenkneifer nichts in einem Wildbienenhaus zu suchen. Und um die geht es eigentlich - Wildbienen! Die meisten Arten nisten unter der Erde in Hängen und Lösswänden. Einige Arten bevorzugen diese Quartiere. Sinnvoll sind solche Bienenhäuser deshalb, um selbst mal einen Sinn für diese kleinen Bienen zu bekommen, die man zuvor doch gar nicht wahrgenommen hat und gerade für Kinder ist das eine tolle Sache. Aber leider wird bei der Materialauswahl soviel falsch gemacht: Die Löcher brauchen bestimmte Durchmesser für die einzelnen Bienenarten, die Lochränder und Gänge sollten Splitterfrei sein, damit sich die kleinen Tiere nicht die Flügel beschädigen und der Draht davor sollte mit Abstand angebracht werden, damit die kleinen Bienen auch landen können und sich im Winter nicht die Vögel die einzelnen Hölzchen mit leckerem Inhalt herauspicken. Es gäbe noch einiges zu beachten. Ich empfehle jedem, der sich für ein Wildbienenhaus interessiert, die Seite http://www.wildbienen.info/