Bundeskunsthalle Bonn Teller auf Teller

Die Bundeskunsthalle in Bonn würdigt Juergen Tellers Bilder – er serviert sie uns auf Tellern. Von
ZEITmagazin Nr. 25/2016

Die Bundeskunsthalle in Bonn ist ein Ort mit einer besonderen Aufgabe. Sie soll "den geistigen und kulturellen Reichtum der Bundesrepublik Deutschland angemessen darstellen und Gelegenheiten zum kulturellen Austausch mit dem Ausland schaffen". Das klingt ziemlich staatstragend und passt doch inhaltlich perfekt zu Arbeit und Biografie des Fotografen Juergen Teller. Geboren 1964 in Erlangen, seit dreißig Jahren in London lebend, einer, der gleichermaßen deutsche und internationale Künstler porträtiert hat, der sich mit seinem Heimatland wieder und wieder auseinandergesetzt hat, mit dem Blick des Deutschen, der seit Langem im Ausland lebt.

Die Bundeskunsthalle würdigt Juergen Teller jetzt mit einer großen Ausstellung, die in dieser Woche eröffnet wird und bis 25. September zu sehen ist. Tellers Reaktion auf den hochoffiziellen Anspruch des Ausstellungsorts passt ebenso zu seiner Arbeit und Biografie, zu seinem Humor und zu seiner Haltung: Er hat der Schau den entspannten und doch ernst gemeinten Titel Enjoy Your Life! gegeben.

Der Künstler fühlt sich also gleichermaßen geehrt und nimmt sich dennoch nicht zu ernst: No jokes with names? Von wegen: Teller hat besondere Bilder seines Lebens zusammengestellt, in neue Kontexte gerückt und drucken lassen – auf Teller. Einige von ihnen hat er für dieses ZEITmagazin ausgewählt.

Tellers Zusammenarbeit mit unserem Magazin begann in den neunziger Jahren, wurde mit seiner wöchentlichen Kolumne in den Jahren 2009 und 2010 fortgesetzt und ist seitdem nicht mehr abgerissen. Sie ist in der Bonner Ausstellung ebenfalls dokumentiert, etwa mit dem Porträt eines weiblichen chinesischen Fans des Fußballspielers Thomas Müller, fotografiert während einer Reise mit Tellers Lieblingsverein Bayern München im vergangenen Jahr.

Was macht Tellers Arbeit so besonders? Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle, beschreibt es so: "Seine Bilder sind nie idealisierend und zeugen nicht einmal von dem Versuch, einer gängigen Vorstellung zu Ästhetik und Schönheit zu entsprechen." Und: "Seine Aufnahmen zeugen von Empathie, die alles zeigt, aber nie bloßstellt."

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