Als der Faden riss, der ihn mit dem normalen Leben verband, war Tobias gerade zum Studium nach Berlin gezogen. Er war viel allein, teilte eine Wohnung mit einem Bekannten, der ihn ignorierte. "Ich habe nichts mehr hinbekommen", sagt er. "Ich konnte nicht mehr aufstehen. Ich habe dagelegen und mir immer und immer wieder ausgemalt, wie ich mich umbringe." Tobias ging zum Arzt, zu einem Psychiater. Der sprach fünf Minuten mit ihm. "Ich habe kurz erzählt, wie es mir geht", erinnert sich Tobias. "Dann hat der Arzt gefragt: Konsumieren Sie Marihuana?" Schließlich raube das Kiffen jungen Leuten oft die Motivation. Er habe verwundert verneint. Und dann, drei Fragen später, habe der Psychiater die Diagnose gestellt: mittelschwere Depression. Natürlich sollte sich ein Arzt für eine solche Einschätzung mehr Zeit nehmen. Tat er in diesem Fall aber nicht.