© Silvio Knezevic

Wochenmarkt: Ein einfacher Klassiker

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Aus der Serie: Wochenmarkt ZEITmagazin Nr. 27/2016

Hiermit soll die lose Reihe "verhunzte Klassiker" fortgesetzt werden, die zu Unrecht in Verruf geratene Gerichte rehabilitieren will. Diesmal: das Hühnerfrikassee. Zu viele Kantinen, zu viele Tütenessenhersteller haben sich an diesem Gericht vergangen, jetzt denkt man an schlimme Soße und weiche Karotten. Ich hatte mir vorgenommen, es nach der superklassischen Methode von Paul Bocuse zuzubereiten, aber schon beim Lesen des sehr langen Rezepttextes bin ich gedanklich immer wieder abgeschweift, genauso wie wenn man jemanden nach dem Weg fragt und die Beschreibung so kompliziert ist, dass man gar nicht erst zuhört. Dieses Frikassee-Rezept ist also stark vereinfacht, schmeckt aber trotzdem so besonders, dass es auch unseren Fotografen, wie das Bild vermuten lässt, in festliche Stimmung versetzt hat. Was die Zutaten betrifft, orientiert sich das Rezept an dem von Bocuse. Ich koche zwar nicht die Füße des Huhns mit, verwende aber Sahne, eine tolle, aus der Mode gekommene Kochzutat, dafür keine Erbsen, keine Karotten, sondern viele Pilze – sie bilden einen ähnlich großen Anteil wie das Fleisch.

Pilze putzen und in 2 Zentimeter große Stücke schneiden (am besten nimmt man nicht nur Champignons, sondern auch andere Sorten). Im Topf in Öl andünsten, die fein gehackte Schalotte dazugeben. Salzen und pfeffern, unter Rühren weiterdünsten, bis beides gar ist. Beiseitestellen. Hühnerfleisch in ungefähr einen halben Zentimeter dicke Scheiben schneiden. In demselben Topf in Öl anbraten. Salzen, pfeffern, mit Wein ablöschen. Einkochen lassen, bis das Fleisch gar ist (falls es anzusetzen droht, etwas Wasser hineingießen). Sahne hinzugießen, kurz unter Rühren einkochen lassen. Zum Schluss die Pilze wieder in den Topf, Estragon dazugeben. Mit Salz und Pfeffer würzen. Dazu passt mit Parmesan abgeschmeckte Polenta.

Hühnerfrikassee mit Pilzen (für 4 Personen)

Zutaten – 300 g frische Pilze (Pfifferlinge, Steinpilze, Kräutersaitlinge und/oder Champignons), Pflanzenöl, 1 Schalotte, Salz, schwarzer Pfeffer, 2 Hühnerfilets, 150 ml Weißwein, 150 ml Sahne, 1 Handvoll Estragonblätter (fein geschnitten)

Kommentare

16 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Warum in die Ferne schweifen. Das Kantinen und Fertiggerichte es verhunzen ist klar, wie Jägerschnitzel etc.
Aber gerade beim Hühnerfrikassee haben wir wunderbare Rezepte schon aus Omaszeiten , wo neben einer excellenten Hühnersuppe quasi nebenbei noch das Hühnerfrikassee abfällt. ( Es beginnt Alles mit einem ganzen Huhn, grosser Topf, viel Wasser und Wurzelgemüse)
Das vorgestellte Rezept ist eher ein fastfoodgedöns, kann ich nix mitanfangen. Und Bocuse braucht man mit Sicherheit auch nicht dazu.

"Ich hatte mir vorgenommen, es nach der superklassischen Methode von Paul Bocuse zuzubereiten, aber schon beim Lesen des sehr langen Rezepttextes bin ich gedanklich immer wieder abgeschweift, genauso wie wenn man jemanden nach dem Weg fragt und die Beschreibung so kompliziert ist, dass man gar nicht erst zuhört."

Genau das ist das Problem hier! Das hier hat nichts mehr mit irgendeinem Fricassée von Bocuse oder irgendeinem anderen guten Koch zu tun. Wer das vergleichsweise einfache Rezept von Bocuse für zu schwierig hält, sollte vielleicht besser doch keine Kochkolumne schreiben oder endlich richtig kochen lernen. Alle Schritte, die hier der Einfachheit halber weggelassen wurden, machen das Gericht erst zu dem, weshalb es zurecht ein Klassiker ist.

Ich würde mir wünschen, hier endlich mal wieder Artikel zu lesen, die dazu auffordern, MEHR Mühe auf die Zubereitung eines leckeren Gerichtes aufzuwenden. Schlechtes Fast Food gibt es ja bereits genug.

Ich nehme mal zwei Worte aus dem ersten Satz des Rezeptes: "verhunzte Klassiker". In der Tat wurde das Rezept von Ihnen total verhunzt, wie Vorposter schon anmerkten, es fehlt die Grundzutat, die Hühnerbrühe. Das konnte meine Oma vor über 50 Jahren schon besser, bei Ihr war das wirklich noch ein Klassiker.....und megalecker. Ganz nebenbei würde ich zu Pilzen mit Hühnerfleisch und Sahne Bandnudeln empfehlen. Das war nichts Frau Raether.