Unter Strom: Mirko Borsche testet das "Sonnenglas", damit ihm ein Licht aufgeht

© Stefan Neubig/​Sonnenglas
Aus der Serie: Unter Strom ZEITmagazin Nr. 27/2016

Vor ein paar Wochen habe ich hier eine LED-Lampe getestet, die, an einen Korken angefügt, Weinflaschen von innen zum Leuchten bringen sollte. Falls Sie sich nicht mehr erinnern, macht das gar nichts: Das Ganze war eher ein Reinfall und nicht dazu geeignet, laue Sommernächte hübsch zu beleuchten. Ich war ein wenig enttäuscht.

Einige Leser haben mir daraufhin geschrieben, ich solle die Hoffnung nicht aufgeben, sondern eine andere Glasbeleuchtung ausprobieren, nämlich das sogenannte Sonnenglas. Das Sonnenglas kommt aus Südafrika und funktioniert ganz simpel: Es sieht aus wie ein ganz normales Einmachglas, auf dessen Deckel aber oben Solarzellen angebracht sind. Unter dem Deckel kleben vier LED-Leuchten. Wenn man das Glas nun tagsüber in die Sonne stellt, speichert das Glas die Energie (an einem weniger sonnigen Tag kann man auch den USB-Ladeanschluss nutzen). Wenn es dunkel wird, muss man nur noch den Metallbügel des Glases auf den Deckel klemmen, dann beginnen die LED-Lampen zu leuchten – und zwar viel heller und wärmer als die Flaschenlampe, die ich vorher getestet hatte.

Dazu kann man das Einmachglas befüllen, wie man mag, mit Murmeln, Blüten, Sand aus dem Urlaub, was auch immer. Mir gefällt ja diese klassische Einmachglas-Form an sich schon so gut, dass ich da überhaupt nix reinlegen mag. Ich habe jetzt jedenfalls rechtzeitig zum Sommerbeginn meine Beleuchtung gefunden. Dank eines zweiten Metallbügels lässt es sich auch ganz gemütlich an die Isar tragen. Dass das Glas in Südafrika unter Fair-Trade-Bedingungen hergestellt wird, ist natürlich noch schöner.

Technische Daten

Höhe: 18 cm; Solarmodul: 1 Volt; Farbtemperatur: 4.000 Kelvin; Mikro-USB- Stecker (ohne Kabel); Preis: ca. 30 Euro

Mirko Borsche, Creative Director des ZEITmagazins, schreibt jede Woche die Kolumne "Unter Strom"

Kommentare

21 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Die Idee ist hübsch und fair trade super....

Aber 30 EUR, really? Die Komponenten von dem Glas (das man auch einfach selber bauen könnte) kosten im Großeinkauf keine 5 EUR, wahrscheinlich eher 3 EUR. Für 30 EUR könnte man das auch in Deutschland handfertigen - mit Gewinn!

Ich finde es ja toll, dass man versucht anständige Arbeitsplätze in Afrika zu schaffen. Aber was mich nervt ist, dass mit dem guten Gewissen immer Kasse gemacht wird und das nicht bei den Betroffenen.

Erinnert mich an die Designermöbel, die aus dem Holz alter Fischerboote bestehen, die in Indonesien für Appel & Ei gekauft und von lokalen Schreinern für ein paar Prozent über dem dort(!) üblichen Lohn (man ist ja fair) verarbeitet werden. Anschließend werden sie in Europa für vierstellige Summen verkauft.

Abgesehen davon, wäre vielleicht die Bereitschaft in fairen Handel statt in chinesische Billigstprodukte zu investieren bei der breiten Bevölkerung höher, wenn sich entsprechende Erzeugnisse hier nicht immer schon rein preislich als überteuerte lifestyle Produkte für Latte-Macchiato-Grüne ausweisen würden.

Vielen Dank dem Autor für den Artikel :-)
Mit einem Lötkolben und etwas Leim bekommt man das auch im Selbstbau für unter 5 EUR/St. hin: einfach mal eines der Garten-Solarlampen-Angebote beim Dänischen Bettenhaus abwarten (5 Stk für 10 EUR), diese Solarlampen auseinanderbauen, Gläser kaufen - basteln - fertig. Das erste dürfte für den Laien eine Stunde Arbeit bedeuten, die nächsten gehen schneller.