Gesellschaftskritik Über Arten des Kennenlernens

© Mark Davis/Getty Images; Larry Busacca/Getty Images
Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 28/2016

Die amerikanische Pop-Sängerin Taylor Swift hat kürzlich bei einem Abendessen den britischen Schauspieler Tom Hiddleston kennengelernt. Okay, es war kein einfaches Abendessen, sondern die wichtigste Benefizveranstaltung der New Yorker Modewelt. Es gab weiß eingedeckte Tische und später einen Tanz, und seitdem gehen Swift und Hiddleston miteinander, heißt es zumindest.

Kennengelernt bei einem Abendessen?, wird sich jetzt vielleicht der eine oder andere jüngere Leser überrascht fragen. Ja, das passierte früher tatsächlich häufig, als es noch kein Online-Dating gab. Man hat sich erst gesehen, dann telefoniert, gemailt oder gesimst. Nicht umgekehrt. Man konnte einander nicht einfach wegwischen wie auf dem Smartphone, und ob ein "Match" vorlag, errechnete nicht der Computer, sondern man selbst. Und alles hatte seine Reihenfolge: Man konnte sich erst anschauen, also in echt. Dann lächeln. Dann sprechen. Dann tanzen. Heute ist diese Reihenfolge des Kennenlernens völlig durcheinander.

Das Wie und Wo des Kennenlernens ist für Promis ja auch Teil des Images und damit genauso wichtig für die Mythenbildung wie die eigentliche Partnerwahl. Nur blöd, dass es auch Mythen beschädigen kann. Wollen wir wirklich wissen, dass Tom Cruise seinerzeit seinen Agenten bat, ihm mal diese kleine Dunkelhaarige vorzustellen, diese Katie Holmes? Dann war mit Holmes Schluss, und als er anschließend wieder auf die Suche ging, soll er, so heißt es, einen Dating-Service von Scientology in Anspruch genommen haben.

Oder Elyas M’Barek, der seine Freundin angeblich auf dem Oktoberfest kennengelernt hat: na ja. Oder David Beckham, in dessen (autorisierter) Biografie steht, dass er sein späteres Spice Girl zuerst im Fernsehen bewunderte, während sie ihn in einem Sammelalbum für Fußballer-Bildchen für sich entdeckt habe.

Man kann es sich eben nicht immer aussuchen. Nicht mal als Promi. Und für das Ende der Beziehung scheint es sowieso keine Rolle zu spielen, wie zwei sich kennengelernt haben. Auch dafür steht Taylor Swift. Mit ihrem Ex wurde sie nämlich ganz klassisch verkuppelt: Wie man der einschlägigen Presse entnehmen kann, lernte sie Calvin Harris, einen schottischen DJ, im vergangenen Jahr durch eine Freundin kennen. Die stellte die beiden einander bei den Brit Awards vor, aus guten Gründen ("Sie sind beide großartig und sehr groß"). Nun, hat auch nicht lange gehalten. Die Trauerzeit betrug zwei Wochen. Dann kam schon Hiddleston. Dieses Matchen ist doch jedes Mal wieder ein verdammtes Wunder.

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Vor ca. 46 Jahren hat meine Frau mich ausgesucht, ich habe dann "erfolgreich um sie geworben", ganz klassisch wie oben beschrieben. Und in Kuerze sind wir seit 44 Jahren sehr gluecklich verheiratet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mit Parship oder aehnlichem so etwas moeglich ist: die Ueberraschung und Aufregung der ersten Begegnung, die Phasen des Verliebtseins und der festen Bindung usw.

Einer der Bereiche, bei denen ich das Internet voellig ueberfluessig finde.