Die großen Fragen der Liebe Muss er sie genauso vermissen wie sie ihn?

Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 29/2016

Die Frage: Katrin und Florian haben sich in einem Beratungsprojekt kennengelernt und allmählich ineinander verliebt. Sie sind beide Betriebswirte, erfolgreich im Beruf und auf der Suche nach einer festen Beziehung. Seit die gemeinsame Aufgabe beendet ist und das Team sich aufgelöst hat, arbeiten sie in getrennten Städten, verbringen aber so viel Zeit wie möglich miteinander und planen gemeinsame Urlaube. Während Katrin betont, wie sehr ihr Florian fehle und wie sie sich nach ihm sehne, behauptet Florian, er nehme es einfach, wie es komme. "Das gehört doch zu einer Beziehung", sagt Katrin, "wenn du nicht leidest, wenn ich nicht da bin – dann liebst du mich nicht richtig!" Florian dagegen: "Willst du wirklich, dass ich herumleide, nur damit du mir glauben kannst, dass ich dich liebe?"

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Wie geht ein Paar mit dem Schock um, dass es nicht eine Liebe gibt, die es verbindet, sondern zwei, die in ihrer Unterschiedlichkeit angenommen werden wollen? Katrin und Florian machen es auf jeden Fall nicht besonders geschickt, wenn Katrin Florians Eigenart lieblos findet und Florian Katrins Haltung zickig. Katrin festigt durch ihre sehnsüchtigen Gedanken das Bild des Liebsten auch in seiner Abwesenheit, während Florian kein Problem damit hat, erst dann wieder intensiv an Katrin zu denken, wenn sie sich tatsächlich treffen. Solange Florian ihr treu ist und ihren Geburtstag nicht vergisst, kann die Beziehung von seinem entspannten Umgang genauso profitieren wie von Katrins besorgtem. In der Liebe gibt es grundsätzlich zwei Amtssprachen.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch "Coaching in der Liebe. Neue Spielregeln für das Leben zu zweit" ist im Kreuz-Verlag erschienen.

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