Liebe im Alter "Kommt da noch was?"

Das fragen sich viele Singles über 60. Aber ja! – Wie Ältere die Liebe erleben. Von
ZEITmagazin Nr. 31/2016

Schon die Adjektive, mit denen wir eine neue Liebe beschreiben, machen klar, in welcher Lebensphase wir diese verorten:

Wir nennen solch eine Liebe "frisch" und "zart" und "knospend" oder einfach "jung". Nun sind aber immer weniger Menschen in diesem Land frisch und knospend und jung. Die Hälfte der Deutschen ist über 45.

Und so sollte, wer im 21. Jahrhundert von der Liebe erzählt, nicht nur die Geschichten der ersten Verliebtheit erzählen, sondern auch die der letzten. Was also macht das Alter mit der Liebe? Wie findet man sich mit Mitte 50? Schlägt die Liebe mit über 60 noch immer ein, oder schleicht sie sich vorsichtig an? Wie gelingt es mit fast 70, zwei gelebte Leben zu einem neuen Ganzen zusammenzufügen? Ist es einfacher, wenn zwei Menschen sich im Alter verlieben, weil beide schon wissen, wer sie sind und was sie wollen? Oder komplizierter, weil das Leben Narben hinterlassen hat? Und nicht zuletzt: Was läuft im Bett? Ist die Liebe im Alter erotisch oder eher platonisch? Ergebnisse einer Erkundung.

Verlieben

Is this desire, enough, enough
To lift us higher, to lift above? (PJ Harvey)

Man kann es sich kaum vorstellen: Aber eigentlich war Ruth Schlorke durch mit der Liebe – diese schlanke Frau mit halblangem grauem Haar, die immer noch Tanzklassen unterrichtet. Sie war Mitte 50 und hatte zwei Beziehungen hinter sich – die zweite, weil der Tod ihr den Mann nahm, die erste, ihre Ehe, aus freien Stücken: Ihr Mann und sie hatten drei Kinder gemeinsam großgezogen, die Liebe aber hatten sie auf dem Weg verloren. Es war über Jahre eine platonische Beziehung, sagt Schlorke, "wir haben versucht, den Kontakt auf das Notwendigste im Alltag zu beschränken". Am Tag, als das jüngste Kind 18 wurde, sagte Ruth Schlorke: Ich will gehen. Drei Monate später hatten sie ihre Wohnung aufgelöst und die Ehe auch formal beendet. Ruth Schlorke verliebte sich wenig später in einen älteren Mann, der wie sie in der Jugendarbeit tätig war. Nach fünf gemeinsamen Jahren starb er. "Ich habe mich in die Arbeit gestürzt", sagt sie. "Alle Gefühle wie ein Maulwurf vergraben." Sie wurde älter. Und plötzlich tauchte da eine Frage auf: War es das für dich mit der Liebe? Auf ewig?

Es ist die Schlüsselfrage, die sich auch den drei anderen stellte, die sich bereit erklärten, in langen Gesprächen ohne Scheu, allerdings unter geändertem Namen, zu berichten, wie es ist, sich in der zweiten Hälfte des Lebens zu verlieben:

Paula Krahe, Ärztin in Hamburg, war Mitte 50, als ihr Mann, wie sie sagt, "vom Hof ritt".

Peter Petzold, geschieden, zwei Kinder, war Mitte 60, als er nach einem langen Auslandsaufenthalt in Asien frisch pensioniert nach Deutschland zurückkehrte und allein eine Altbauwohnung in Berlin bezog.

Hilde Herrmann beerdigte ihren Mann nach 46 gemeinsamen Jahren. Sie war 69, als er starb, und auch sie fragte sich: Kommt da noch was?

Dass alle vier diese Frage heute mit Ja beantworten, ist kein Zufall. Es scheint so, als mache sich die sexuelle Befreiung gerade auf die letzten Meter des Weges. Sie ist stiller geworden mit den Jahren, logisch, aber deshalb nicht weniger wirkungsvoll. Glaubt man Statistiken und Soziologen, glaubt man Paarforschern und Ärzten, ändert sich gerade etwas fundamental: Die Alten entdecken die Liebe. Vor allem für die Frauen bedeutet das, dass sie auch jenseits der Wechseljahre eine andere Rolle annehmen können als jene, auf die sie seit je reduziert wurden: die der Oma – eines asexuellen Wesens, dessen Zuneigung sich auf Kinder und Enkel zu beschränken hatte.

Nach Angaben des Zentrums für Altersforschung gibt es bei den über 60-Jährigen so viele Partnerschaften wie nie zuvor. Laut Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2014 100.000 Ehen geschlossen, bei denen ein Partner über 50 war – zwei Drittel mehr als noch im Jahr 2000. Und als die Universität Osnabrück Menschen zwischen 50 und 70 zu ihrem Sexualleben befragte, gaben 60 Prozent der Frauen und 80 Prozent der Männer an, regelmäßig Geschlechtsverkehr zu haben.

Ganz selbstverständlich stolzieren frisch verliebte Seniorenpärchen über rote Teppiche: egal ob Daimler-Chef Dieter Zetsche, 63, mit gleichaltriger Freundin oder Jane Fonda, 78, mit ihrem fünf Jahre jüngeren Freund. Im vergangenen Oktober konnte man in der Londoner Times folgende Verlobungsanzeige lesen: "Mr. Rupert Murdoch, Vater von Prudence, Elisabeth, Lachlan, James, Grace und Chloe Murdoch, und Miss Jerry Hall, Mutter von Elizabeth, James, Georgia und Gabriel Jagger, sind hocherfreut, ihre Verlobung bekannt zu geben." Gerade haben das Ex-Model (59) und der Multimillionär (84) geheiratet.

Auch Hollywood hat erkannt, dass die klassische Boy-meets-Girl-Geschichte im 21. Jahrhundert mit anderem Personal erzählt werden muss. Schaut man sich die erfolgreichsten romantischen Komödien seit 1998 an, erkennt man einen Trend: Bis zum Jahr 2008 gab es kaum Liebesfilme mit Hauptdarstellerinnen über 40. Ab da aber feierten Romanzen mit älteren Heldinnen Erfolge in Reihe: Sex and the City – Der Film mit Sarah Jessica Parker, Anfang 40; Julianne Moore in Crazy, Stupid, Love, Anfang 50; und – immer wieder – Meryl Streep, gerade 60 in Wenn Liebe so einfach wäre oder, zwei Jahre zuvor, in Mamma Mia!. Da spielt sie die alleinerziehende Hotelbesitzerin Donna, die sich lange nur um Arbeit und Tochter gekümmert hat, bevor sie, alte Abba-Songs singend, die Liebe wieder zulässt.

Aber auch wenn die Gesellschaft die Seniorenliebe akzeptiert, auch wenn Promis sie zelebrieren, Hollywood sie erzählt, trennen Ältere etliche Hürden von einer neuen Liebe. Die banalste erhebt sich gleich zu Beginn: Wo lerne ich überhaupt noch jemanden kennen, in den ich mich verlieben könnte – in einer Lebensphase, in der man nicht mehr ständig neue Menschen trifft?

Drei unterschiedliche Antworten haben die Paare darauf. Die eine könnte man die klassische Variante nennen, die ältere Singles schon immer nutzen: Man verliebt sich in der zweiten Hälfte des Lebens nicht in jemanden, den man neu kennenlernt, sondern in jemanden, der schon immer da war. Man weist einer vertrauten Person also eine neue Rolle im Leben zu. Vielleicht weil man damit auch die Erinnerung an das eigene Jungsein bewahrt.

Paula Krahe ist Ärztin, noch immer berufstätig. Sie lebt in einem herrschaftlichen Altbau in Hamburg. Eine passende Kulisse. Krahe ist 70, wirkt aber jünger: aufrechte Haltung, perfektes Make-up, das graue Haar in gerader Linie kinnlang. Noch heute staunt sie selber darüber, wie das damals mit Rainer lief. Sie kannten sich schon lange, arbeiteten beide ehrenamtlich in einem Verein, der Einsätze von Ärzten in Armutsgebieten organisiert. Sie fanden sich nett, aber mehr war da nicht. Dann aber verließ Krahes erster Mann sie und Rainers erste Frau ihn. "Ich weiß noch, dass ich mit ihm allein im Fahrstuhl fuhr, wie schon viele Male zuvor, und plötzlich, ich weiß bis heute nicht, wie das passieren kann, fand ich ihn attraktiv, toll, eine ganz solide Verliebtheit war da. Wie ein umgelegter Schalter war das." Es ist ein Muster, das man kennt: der alte Wegbegleiter, der auf einmal zur neuen Liebe wird. Manchmal aus der Vernunft geboren, manchmal aus dem Zauber eines Moments.

Zweite Antwort: Wenn man im Bekanntenkreis niemanden fand, gab es natürlich auch früher schon Flirtoptionen für Ältere. Die klischeehaften drei Ks zum Beispiel: Kaffeefahrten, Kegeltouren und Kuraufenthalte. Möglichkeiten zwar, aber doch begrenzt.

Das hat sich geändert: Seit einiger Zeit haben sich diese Möglichkeiten erweitert. Seit Beginn der 2010er Jahre hat das Internet Umfragen zufolge in der Altersgruppe der über 50-jährigen Singles alle anderen Kennenlernschauplätze überholt. Fast 60 Prozent der Älteren suchen online nach einer neuen Liebe. Während das Überangebot potenzieller Partner viele Jüngere eher zu unentschlossenen Dauer-Datern werden lässt (s. Der Nächste bitte, ZEITmagazin 29/16), freuen sich viele Ältere, durch die Liebesportale überhaupt so etwas wie eine Auswahl zu haben.

An dem Abend, als Ruth Schlorke sich für diese Option entschied, war sie mit ihrer Schwester im Kino gewesen, in: Mamma Mia! mit Meryl Streep. "Wir sind tränenüberströmt da rausgegangen", sagt Schlorke. Gegen Mitternacht waren sie wieder zu Hause. Die Schwester hatte eine Flasche Champagner mitgebracht und sagte: "Liebe Ruth, so geht es nicht weiter! Du bist zu jung. Du solltest es noch einmal versuchen." In dieser Nacht erstellten die beiden ein Profil bei einer Online-Partnerbörse. Die Schwester zahlte die Jahresgebühr von gut 300 Euro. "Für mich öffnete sich damit eine Tür", sagt Ruth Schlorke. Im echten Leben noch mal jemanden kennenzulernen traute sich die damals 55-Jährige nicht zu. Das Internet schien ihr die letzte Chance zu sein. "Was folgte, war erst mal Ernüchterung", sagt Schlorke.

Kaum war sie angemeldet, schrieb sie zwei Männer an, die wie sie in Leipzig lebten. Sie traf den ersten, "überraschend klein" war er, sagt sie, aber fit und aktiv. Sie wanderten, redeten, begannen zaghaft, sich kennenzulernen. Sie traf den zweiten zum Abendessen, zurückhaltend war er, sprach stockend über die Kinder, was immerhin ein gemeinsames Thema war. Beide Male hatte Ruth Schlorke das Gefühl, sie fingen gerade an, sich näherzukommen. "Aber dann obsiegte schon bei beiden die Männlichkeit." Was heißt das? "Sie wurden zudringlich, wollten ihre Bedürfnisse befriedigt sehen", sagt sie. "Es ging ihnen um Sex. Das wollte ich so nicht, und da habe ich gedacht: Tolle Idee, die Online-Suche, aber es läuft ja doch nur auf das eine hinaus." Als sie gerade dabei war, ihr Profil auf Eis zu legen, schrieb ihr Dieter Bringmann aus Hof, geschieden, ein Kind, sportlich, schlank. Sie blaffte ihn an: Er sei wohl noch so einer, der nur ihr Profil scanne. Er schrieb: Wie kommst du denn darauf? Ich will dich kennenlernen. "Ich sah das Bild und dachte: Das kann doch nicht wahr sein", sagt Ruth Schlorke. "So ein attraktiver Mann!" Sie schrieben sich hin und her, erst online, dann per SMS, teilweise im Minutentakt. "Ich finde es so schön, wie wir uns unterhalten", stand in einer SMS. "Ich auch", antwortete sie. So ging es über Tage. "Ich konnte kaum fassen, was da in mir abging", sagt Schlorke. "Es war nicht, wie als junges Mädchen verliebt zu sein, es war anders – schlimmer, aufregender, schöner." Als er nach einem Bild von ihr fragte, zögerte sie lange, wählte dann ihr Lieblingsfoto. Er reagierte nicht sofort. Sie litt Qualen. Gefalle ich ihm nicht? Dann die Erleichterung: "Doch, sehr", schrieb er.

"Unser Erstkontakt war am 27. Februar, so steht es auch in dem Armband, das ich ihm geschenkt habe", sagt sie. "Drei Wochen später hielten wir es beide nicht mehr aus." Dieter Bringmann und Ruth Schlorke, er Vater einer erwachsenen Tochter, sie längst Oma, verabredeten sich zu einem ersten Date.

So ähnlich war es auch bei Hilde Herrmann. Sie empfängt in einer kleinen Wohnung in einem Betonhochhaus in Frankfurt am Main. Seit vier Jahrzehnten lebt sie hier. Dort, wo heute das Arbeitszimmer ist, hat sie ihren Mann gepflegt, der lange krank war und vor vier Jahren starb. Hilde Herrmann hat für das heutige Gespräch ein paar Mohnteilchen gekauft, den Tisch mit sorgfältig gefalteten Servietten gedeckt. Sie ist eine aufmerksame Gastgeberin. Und sie hat sich zurechtgemacht. Sie trägt ein schwarzes seidiges Kleid, hochhackige Leopardenschuhe, das halblange Haar blondiert. "So sehe ich zumindest aus der Ferne noch attraktiv aus", sagt sie kokett. Als sie mit 69 Witwe wurde, sei sie noch eine ganz andere Frau gewesen, sagt sie. Verunsichert und unerfahren, ihr Ehemann sei bis dahin ihr einziger Mann gewesen. "Es war meine Tochter, die mich dann sehr gedrängt hat, noch mal nach einem Partner zu suchen: Mama, du musst noch mal auf die Piste gehen!" Hilde Herrmann zögerte. Da war die Scheu, die Sorge, wie das sein würde mit den Männern. Da war aber auch eine ganz große Lust, Neues zu erleben. Auch im Bett. "Ich bin in einem katholischen Internat groß geworden", sagt sie. "Das hat mich geprägt, und weder mein Mann noch ich haben diese Hemmung abstreifen können. Das habe ich bedauert. Ich war also richtig neugierig auf Sex, weil ich in der Ehe zu wenig erlebt hatte." Das Internet half ihr gleich doppelt, sagt sie. Zum einen, an dieser Stelle lacht sie sehr, hat sie sich online "Sexfilmchen" angeschaut, um sich schlau zu machen, wie es heute so zugeht zwischen Mann und Frau. Zum anderen hat sie sich bei Online-Partnerbörsen angemeldet. Bei einer, spezialisiert auf Senioren, konnte man nicht nur chatten, sondern auch Ausflüge buchen zum Tanzen, aufs Land. "Dort waren aber hauptsächlich Frauen", sagt sie. Also stellte sie bei einer anderen Börse ihr Profil online. Zwei der Männer traf sie, "man kam sich kurz näher". Aber sie war noch zu unsicher, um sich ganz auf einen der Herren einzulassen. Und dann, gut zwei Jahre war ihr Mann tot, meldete sich Werner, wie sie Anfang 70, Ingenieur aus dem Westerwald, ein stiller Mann, der aber "fantastisch schreiben kann. Wie Nora Roberts, diese Schriftstellerin", sagt Hilde Herrmann. "Unglaublich eigentlich." Werner schrieb ihr: "Ich habe Dich lieb." Hilde verstand das nicht. So schnell?, dachte sie. Kann das sein? Sie sagte trotzdem zu, als er sie in ein Frankfurter Restaurant einlud. "Und da hat er mich beeindruckt", erinnert sie sich. Wie denn? Sein Auto parkte direkt vor dem Restaurant auf einem Stellplatz, für den horrende Parkgebühren anfielen. Aber statt das Essen mit ihr abzukürzen, sei Werner alle 20 Minuten zu der Parkuhr gelaufen, um Geld nachzuwerfen. Das empfand Hilde Herrmann als großes Zeichen seiner Zuneigung. "Ich glaube, es ist im Alter nicht so einfach, sich richtig zu verlieben", sagt sie. "Mit ›Wow!‹ und Herzklopfen. Bei mir war da kein ›Wow!‹. Meine Liebe zu ihm wächst langsam, dadurch, wie er sich verhält." Seit gut einem Jahr sind Werner und Hilde jetzt ein Paar. Während des Interviews piepst ständig ihr Handy. Täglich schicken sie sich Dutzende WhatsApp-Nachrichten hin und her. Garniert mit Reihen von Emojis: Smileys, Herzchen, Kussmündern. Der ganz normale Love-Chat zweier 73-Jähriger.

Umwidmen einer alten Bekanntschaft oder sich durch das Online-Angebot stöbern – das sind zwei Pfade zur Liebe im Alter. Der dritte ist vor allem für Männer am einfachsten. Peter Petzold ist vor vier Jahren in diese Straße in guter Westberliner Lage gezogen. Auf dem Weg zu ihm fällt auf: Hier gibt es sehr viele alte Damen. Eine huscht durchs Treppenhaus, hat ihn gerade noch besucht. Peter Petzold ist 69, graues Haar, groß, ein wenig gebückt, adrett in Hemd und Stoffhose, seine Wohnung penibel sauber, im Flur eine imposante Sammlung von DVDs mit Opernaufnahmen. "Es ist für mich keine Schwierigkeit, Frauen kennenzulernen", sagt er. Egal, ob er nach Freundschaften sucht, nach Liebschaften oder nach Lebensbegleiterinnen: Seine Auswahl, gibt er zu verstehen, sei groß. Er sagt das nicht, weil er protzen will, er beschreibt eine schlichte Tatsache: Ein Mann wie Peter Petzold, fast 70, immer noch attraktiv, abgesichert, kulturell interessiert, gehört zu den Gewinnern auf dem Dating-Markt der Älteren. Zum einen sind Männer seiner Generation knapp. Sie sterben früher als Frauen. Zum Zweiten gilt noch immer ein Prinzip, das Soziologen double standard of aging nennen. Die Geschlechter erleben das Altern ganz unterschiedlich.

In dem Film Was das Herz begehrt spielt Jack Nicholson den Anfang 60-jährigen Harry, beruflich erfolgreicher Dauerjunggeselle, der gerade die nächste in einer langen Reihe von 30-Jährigen datet. Deren Mutter Erica, gespielt von Diane Keaton, ist genauso alt wie er, als Theaterautorin beruflich genauso erfolgreich – aber allein. Bei einem gemeinsamen Dinner wütet Ericas Schwester, feministische Professorin an der Columbia University: Weil Männer wie Harry noch immer auf der Jagd nach 30-Jährigen seien, hätten Frauen wie Erica ein Problem. "Die ganze Dating-Szene der über 50-Jährigen blendet ältere Frauen aus." Die stürzten sich in die Arbeit, würden erfolgreicher und interessanter. Das aber, so die Feministin, mache sie für Männer in ihrem Alter noch weniger begehrenswert. Denn die, das sei ja bekannt, fühlten sich von erfolgreichen Frauen bedroht. Ihr frustriertes Fazit: "Alleinstehende ältere Frauen haben demografisch die Arschkarte gezogen."

Am Ende des Films verliebt sich Harry natürlich trotzdem in Erica. Für ein Happy End vergisst Hollywood jede Wahrscheinlichkeit. Aber treffen diese Mann-Frau-Schemata im 21. Jahrhundert überhaupt noch zu? Es werden schließlich seit einigen Jahren viele gegenteilige Geschichten von älteren, erfolgreichen Frauen erzählt, die sich junge Männer nehmen. Egal ob Demi Moore oder Madonna, egal ob in Deutschland Elke Heidenreich, Nena oder Ina Müller: Sie alle waren oder sind mit wesentlich jüngeren Männern zusammen. Aber das ist kein Massenphänomen. Laut aktueller Hochzeitsstatistik der Standesämter heirateten 2014 120.000 Männer eine Frau, die mindestens fünf Jahre jünger war. Aber nur 20.000 Frauen waren mindestens fünf Jahre älter als ihr Bräutigam. Blickt man nur auf die Gruppe der 55-jährigen Männer, sind die Zahlen noch deutlicher: 4.500 heirateten eine wesentlich Jüngere, nur 200 eine Ältere. Aber genug der Statistik. Zeit für große Gefühle.

Lieben

"O glücklich, wer ein Herz gefunden,
Das nur in Liebe denkt und sinnt

U nd mit der Liebe treu verbunden
Sein schönres Leben erst beginnt!"
(Hoffmann von Fallersleben)

Die Liebe mag im Alter schwerer zu finden sein. Sie mag manchmal langsamer wachsen. Wenn sie aber da ist, so erzählen alle Paare, wird sie gehegt und gepflegt wie in kaum einer Lebensphase zuvor.

Ruth Schlorke, die Leipzigerin, deren letzter Versuch ein Treffer war, saß nach dreiwöchigem Online-Flirt auf dem Fenstersims und wartete auf das Auto, in dem Dieter endlich vorfahren sollte. Als sie es sah, sprang sie auf und rannte die Treppen hinab. "Wir standen uns eine Tausendstelsekunde gegenüber. Dann lagen wir uns in den Armen, und alles hat gestimmt. In dem Moment waren wir ganz für uns allein." Sie schaut ihn an. So oft haben sie sich das schon erzählt. Trotzdem haben sie beide wieder feuchte Augen. Was folgte, war pures Glück: Sie redeten ungezählte Stunden. Sie gingen aus, Sushi, Prosecco, Sauna, Museum. Sie besuchten sich abwechselnd, versuchten jedes Wochenende wie ein Fest zu planen. "Man hat aus den Erfahrungen, die man im Leben gemacht hat, gelernt", sagt Ruth Schlorke. "Man nimmt bewusster wahr, dass einem da etwas Großes, etwas Schönes passiert, und man ist bereit, sich ganz und gar darauf einzulassen. Man hält eine Liebe ganz anders fest, wenn man älter ist."

Quelle: "Sexuality in older adults: behaviours and preferences" von T. B. Ginsberg et al.

"Wir haben viel mehr Zeit füreinander", sagt die Hamburger Ärztin Paula Krahe. Ihre erste Ehe habe es wesentlich schwerer gehabt, unter enormem Druck gestanden: der Job mit langen Arbeitszeiten, die Kinder, das ständige Bestreben, noch mehr ins ohnehin schon volle Leben zu packen. "Da war ich immer am Anschlag", sagt sie. Heute sei sie netter, entspannter und auch dankbarer. "Mit meiner ersten Ehe bin ich viel unbedachter umgegangen", sagt Krahe. Mit Mitte 20 denkt man schließlich, man habe einen Anspruch auf die Liebe. Die zweite Liebe dagegen ist nicht selbstverständlich, eher ein Zusatzgeschenk. "Anders als bei meinem ersten Mann habe ich jetzt das Bewusstsein, dass die Zeit mit ihm begrenzt ist", sagt Krahe. Ihnen blieben vielleicht noch fünf gute Jahre. "Wenn wir etwas Falsches sagen, reißen wir uns schlagartig zusammen, weil wir die Zeit bewahren wollen. Ich möchte ihn nicht verletzen, ich bin aufmerksamer mit dieser Liebe."

"Manchmal denke ich, die Liebe im Alter gleicht der von zwei Teenagern", sagt Peter Petzold, der Single in bester Berliner Lage. Unschuldiger, reiner, vielleicht auch ehrlicher. Wenn er sich heute verliebt, checkt er die Frau nicht mehr ab wie als junger Erwachsener: Verspricht sie Status? Bringt sie mich nach vorne? Wird sie die sein, mit der ich eine Familie gründe? Das alles interessiere ihn nicht mehr. "Heute lerne ich jemanden kennen, mit dem es wunderbar ist, Zeit zu verbringen. Ich freue mich, gemocht zu werden und das zurückgeben zu können. Ich bin viel zärtlicher in kleinen Gesten. Ich gehe mehr auf die Frau ein. Ich bin konzentrierter, nicht abgelenkt. Ich habe keine Termine mehr, muss nicht dringend irgendwohin." Er wisse nicht, ob diese Jahre die besten seines Lebens seien, sagt er, aber mit Sicherheit die sorglosesten.

"Wir leben da in einer wundervollen Zeit", sagt Ruth Schlorke, dankbar für ihren Dieter, den sie im Internet fand. "Auch in den Familien hat sich viel verändert, viel mehr Offenheit, viel mehr Toleranz."

Eine Freundin, Ende 30, erzählt, dass ihre Oma ihren langjährigen Liebhaber der Familie noch verschämt als "Klempner" vorgestellt habe. Und auch heute erzählen manche verliebte Ältere ihren Kindern nicht vom neuen Glück, auch heute reagieren manche Jüngere noch empört: "Mami, in deinem Alter!" Aber der Normalfall ist das längst nicht mehr. Die Generationen sind so offen und vertraut miteinander wie nie zuvor. Als Ruth Schlorke ihren drei Kindern sagte, dass sie verliebt sei, freuten die sich. Dieters Tochter war die ganze Zeit auf dem Laufenden, was Papas Online-Flirts anging. Und Werner, der Ingenieur, scherzte beim vergangenen Weihnachtsfest mit Hilde Herrmanns Tochter: "Na, muss ich jetzt um die Hand deiner Mutter anhalten?"

Und noch etwas scheint sich verändert zu haben: So vielfältig wie die Beziehungen der Jungen sind inzwischen auch die der Älteren. Peter Petzold sucht Gefährtinnen, Liebschaften, keine neue Ehefrau. Er genießt es, allein zu leben, Herr über seinen Tagesablauf zu sein. "Ich suche niemanden für eine gemeinsame Lebensplanung", sagt er. Die einzige Frau, die vielleicht eines Tages noch mal bei ihm einziehen werde, sei eine Pflegekraft. "Einen Möbelwagen werde ich einer Geliebten zuliebe nie mehr beladen."

Ruth Schlorke und Dieter sind nach einem Jahr zusammengezogen. Er hat seine Wohnung in Hof aufgegeben, sie die ihre. Gemeinsam haben sie sich in den Plattenbauten von Leipzig-Grünau, die schon der Schauplatz von Schlorkes Ehe waren, ein neues Zuhause gemietet. Viele ihrer alten Möbel haben sie verkauft, um sich gemeinsam Neues anschaffen zu können. "Wir waren da ein bisschen so, wie die Jugend heute ist", sagt Schlorke, "spontan und unkompliziert. Wir saßen in der leeren Wohnung auf dem Boden mit nicht mehr als der Kaffeemaschine und haben unseren Kaffee getrunken und das Leben genossen."

Hilde Herrmann, die Frankfurter Witwe, die so vieles noch erleben will, und ihr Werner werden nicht improvisieren. Auf dem Wohnzimmertisch breitet sie die Pläne des Hauses aus, das Werner für sie beide gekauft hat. Er hat schon alles eingezeichnet: Hildes Zimmer mit Klappbett, den Platz für die Sofagarnitur, die heute noch in der kleinen Frankfurter Wohnung steht, die Maße der Luxusküche, die er ihr bestellt hat. Hilde Herrmann freut sich darauf, mit ihrem Freund zusammenzuziehen, aber gleichzeitig hat sie auch Sorge. Wie werden sie den Alltag leben? "Ich bin es von früher gewohnt, dass sich die Frau dem Mann unterordnet", sagt sie. "Das möchte ich aber nicht noch mal." Erwartet er, dass sie den Haushalt führt? Putzt und kocht? Es falle ihr schwer, diese Fragen so offen anzusprechen, wie es Jüngere tun, sagt sie. "Aber dann bin ich mir wieder sicher, dass es klappt, weil wir beide sehr liebevoll miteinander umgehen, uns sehr um den anderen bemühen, und ich finde, das ist doch die wichtigste Voraussetzung."

Und Paula Krahe, die stilbewusste Ärztin, hat vor drei Jahren, da war sie 67, Rainer geheiratet. 39 Jahre nach dem ersten Mal bezeugte sie auch ihre zweite große Liebe vor einem Standesbeamten. Sie wählte dasselbe Datum wie für ihre erste Hochzeit, "da komme ich nicht durcheinander", sagt sie. Es war eine Vernunftehe im Angesicht der Endlichkeit des eigenen Lebens, das "Prinzip aufgeräumter Schreibtisch", wie sie es beschreibt. Krahe, die schwer an Krebs erkrankt war, wollte Rainer im Falle ihres Todes abgesichert wissen, wollte, dass seine rechtliche Stellung in ihrem Leben mit der faktischen übereinstimmt. Diesmal soll es eine Ehe auf ewig sein. Paula Krahe schaut Rainer an, der sich im Laufe des Gesprächs mit an den Tisch gesetzt hat, ein schlanker Mann, acht Jahre jünger als sie. "Wenn du nicht gehst, halte ich durch bis zum Ende", sagt sie.

Mit diesen Worten könnte der Text enden. Vermutlich hatten Senioren nie bessere Chancen auf Liebesglück im Alter. Nie lebten die Menschen so lange bei so guter Gesundheit. Nie waren die Älteren so reich an Zeit und oft auch so reich an Geld wie heute. Nie konnten sie sich so frei von Konventionen neu verlieben. So scheint das Alter tatsächlich die Zeit zu sein, in der die Liebe perfekt gedeihen kann. Na ja, fast perfekt. Herz und Verstand mögen die Liebe im Seniorenalter besonders genießen. Der Körper aber hat seinen sexuellen Zenit längst überschritten.

Begehren

"Well the birds in your garden
they all started singing this song:
Take her now.
Don’t be scared, it’s alright.
Oh, come on, touch her inside.
It’s a crime against nature –
she’s been waiting all night."
(Pulp)

"Sprechen wir es offen an", sagt Peter Petzold: "Was geht denn mit 70 noch im Bett?" Den Frauen merke er oft an, dass sie mit ihrem Körper nicht sehr einverstanden seien. Bei den Männern lasse die Potenz nach. "Erotische und sexuelle Reize zu generieren ist mit diesen Einschränkungen nicht einfach."

Hilde Herrmann sagt: "Als ich jung war, war ich gehemmter. Jetzt möchte ich einiges nachholen. Aber es ist schwieriger geworden. Man muss schon sehr bereit sein. Man braucht einfach länger."

"Mit Dieter hat es von Anfang an im Bett gepasst", sagt Ruth Schlorke. "Jetzt bin ich aber im Klimakterium, was heftig abläuft. Niemand hat mir erklärt, was da mit dem Körper passiert."

Es ist ungewohnt, mit Menschen zwischen 60 und 70 am fein gedeckten Kaffeetisch über Sex zu reden. Die Fragen stocken, selbst wenn das Gegenüber offen und unverkrampft antwortet. Warum eigentlich? Ist es nicht seltsam, dass in einer Gesellschaft, die sich aufgeklärt gibt, in der über sexuelle Praktiken bis zum Exzess gesprochen wird, eine Banalität wie der Sex zweier Senioren als Tabu gilt? Dass ein Film wie Andreas Dresens Wolke 9, der zwei alte Paare beim ganz normalen Geschlechtsakt zeigt, so viel Aufsehen erregen konnte? Und welche Folgen hat das, wenn wir verschämt verschweigen, was mit dem Körper im Alter passiert?

"Ich habe immer wieder Patientinnen, die über die eigene Menopause völlig überrascht sind", sagt die Gynäkologin und Sexualberaterin Stefanie Baedeker. "Die nicht wissen, dass die Durchblutung der Scheide häufig nachlässt, was zu Trockenheit führt, die, wenn man nichts tut, den Sex sehr schmerzhaft macht."

Er habe immer wieder Patienten, die vor ihm säßen und fragten: Was, jetzt schon Erektionsstörungen?, sagt der Arzt Jan Henkel, der in einer der größten urologischen Praxen Kölns arbeitet und jeden Tag ältere Patienten betreut. "Aber ab Mitte 40, Anfang 50 kann das nun mal losgehen", vor allem wenn Männer geraucht hätten, unsportlich seien oder sexuell untrainiert. "Mit Mitte 60 hat etwa die Hälfte der Männer deutliche Erektionsstörungen, und über 70 wird die Luft sehr, sehr dünn. Da gibt es nur noch wenige Männer, die ohne Hilfsmittel Verkehr haben."

Baedeker, Henkel und seine Frau, die Frauenärztin Ruth Schön, haben zu Wein und Pizza in eine Kölner Wohnküche geladen. Zwei Stunden lang bieten sie eine Art Schnellaufklärung für die zweite Lebenshälfte. Weil sie in ihren Praxen erfahren, dass das bitter nötig ist.

Befragungen zufolge haben weniger als ein Viertel der 50- bis 70-Jährigen schon mal mit ihrem Frauenarzt über Sex gesprochen. Stefanie Baedeker hat viele ältere Patientinnen, die beim Geschlechtsverkehr still vor sich hin leiden oder ihrem Mann zu verstehen geben: Bei mir geht gar nichts mehr. "Dabei können wir älteren Frauen so einfach helfen", sagt Baedeker. "Die sprechen einmal in der Beziehung dieses Öl an und sagen: Das ist jetzt Sex im Alter, und dann läuft es wieder. Da habe ich einige schon sehr glücklich damit gemacht."

"Wenn noch bis Mitte der Neunziger die Männer zu mir kamen und sagten: ›Meine Frau möchte jetzt wieder, aber ich kann nicht mehr‹, konnte ich denen kaum etwas anbieten", sagt Urologe Jan Henkel. "In meinem Job gibt es eine Prä- und eine Post-Viagra-Ära." Bevor es Potenzmittel gab, sei Sex im Alter in seiner Praxis selten Thema gewesen. Das sei nun anders.

Gerade zum Beispiel sei ein Paar über 70 bei ihm gewesen. Erst der Mann, der über Erektionsstörungen klagte: "Ich habe ihm gesagt: Das kriegen wir hin. Aber was ist mit Ihrer Frau? Freut die sich darüber?" Der Mann habe geantwortet: Das muss ich abklären. Mit der ist es auch nicht ganz einfach . Kurz darauf sei die Frau gekommen: gerötete, trockene Scheide. Er habe sie zur Frauenärztin geschickt, sagt Henkel, wo sie seit 15 Jahren nicht mehr gewesen sei. "Das ist ein ganz süßes Paar, die wollen, haben aber beide ihre Alterseinschränkungen. Und beiden kann man helfen. Und dann kommen die auch wieder zusammen."

Eine schwedische Langzeitstudie befragt seit den siebziger Jahren 70-jährige Männer und Frauen zu ihrem Sexleben. Das Ergebnis: Ein großer Teil der heutigen Senioren habe häufiger Sex und sei zufriedener mit seinem Liebesleben als alte Menschen früherer Jahrzehnte.

Aber die schwedischen Wissenschaftler berichten – genau wie andere Forscher auch –, dass im Alter von 70 Jahren je nach Geschlecht und Beziehungsform zwischen einem Drittel und gut der Hälfte der Senioren gar keinen Sex mehr hat.

Die Kölner Ärzte umschreiben es so: Wer will, kann heute häufig auch. Der Markt der Möglichkeiten hat sich erweitert. Aber viele Ältere wollen nicht mehr.

Er habe etliche Patienten Anfang 70, die dankbar auf das zurückblicken, was war, sagt Henkel. Und ihm signalisieren: Herr Doktor, ich weiß, jetzt ist es eben vorbei. Wenn er denen vorschlage: Es gibt da heute aber Medikamente, antworteten die oft: Ach nee, lieber nicht. "Und ein Grund dafür", sagt Jan Henkel, "ist, dass die wissen, die Ehefrau zu Hause hat auch schon gesagt: Ernst, lass gut sein."

Der Kaffee ist getrunken. Peter Petzold zieht Bilanz. "Man guckt im Alter sehr genau hin", sagt er. "Wollen wir uns das antun? Können wir das? Oder sparen wir das Bett lieber aus und gehen ins Museum?"

Und, sparen Sie den Sex aus?

Er schüttelt den Kopf. Sehr viel seltener sei der Sex geworden, aber schlechter? Beileibe nicht. "Sex wird – wenn er stattfindet – im hohen Alter sehr viel spielerischer und zugewandter. Sehr viel weniger egoistisch." Es sei ein Rumprobieren, sagt er: Was geht bei dir? Was funktioniert noch bei mir? Wenn man auf das Standardprogramm nicht mehr zurückgreifen könne, bleibe ein zärtliches, vertrauensvolles gemeinsames Erkunden.

Frage: Wünschen Sie sich in diesen Momenten nicht doch, noch mal 30 zu sein?

Er lacht. "Wofür? Es ist doch spannend, mit dem zurechtzukommen, was heute da ist." Und überhaupt, sagt er, empfehle er Menschen in seinem Alter Dankbarkeit und Zufriedenheit, denn sie seien in Sachen Liebe und vor allem in Sachen Sex doch die privilegierteste Generation überhaupt: "Als wir in die Pubertät kamen, wurde die Darstellung von Pornografie gelockert. Danach kam die Antibabypille auf den Markt, just als es bei uns losging. Und jetzt, da wir alt sind, hat man auch noch Viagra für uns erfunden."

Kommentare

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Menschen über 50 haben Sex. Vor allem die Verblüfftheit über diese weder neue, noch originelle Erkenntnis im Artikel finde ich erstaunlich. Eine simple Befragung von Pflegekräften in einem x-beliebigen Altersheim nach der Bedürftigkeit von alten Menschen liefert Erkenntnisse bis ins schockierende hinein. Natürlich kann auch ich mich erinnern, dass mir als 18jährigem die Vorstellung, meine Eltern hätten Sex eher unappetitlich vorkam, aber das hier atemlos die Erkenntnis: auch Omas haben Gefühle ausgebreitet wird ist ein wenig beschämend. Erfreulicherweise kriegt der Artikel noch die Kurve. Der Spagat zwischen der weiterhin vorhandenen Libido, dem Wollen und den nachlassenden körperlichen Möglichkeiten, dem Können ist gut dargestellt, der Eiertanz zwischen persönlichem Marktwert, dem Markt an sich und den neuen technischen Möglichkeiten finde ich auch gelungen.