Stilkolumne: Die neuen Pantoffel-Helden

Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 34/2016

Ob jemand Hausschuhe trägt oder nicht, ist eine Frage von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Wer die Wohnung eines anderen betritt, der dringt in sein Privates ein, dort muss er sich dessen Regeln anpassen. Häufig genug möchte der andere nicht, dass drinnen Straßenschuhe getragen werden. Dieser Wunsch wird ohne Worte deutlich genug, wenn der Gastgeber den Gast in Pantoffeln empfängt. Damit ist klar, dass er keine Straßenschuhe in der Wohnung wünscht. Manchmal bietet er den Gästen sogar eigens bereit gestellte Pantoffeln an.

Nun ist es keine Kleinigkeit, die Schuhe auszuziehen. Zum einen gehören Schuhe zur äußeren Erscheinung eines Menschen: Wer in schwarzen Lederschuhen oder auch in High Heels unterwegs ist, will damit etwas über sich aussagen. Und Schuhe verleihen Haltung und Würde. Wer plötzlich in Strümpfen gehen muss, wird es verdammt schwer finden, würdevoll zu erscheinen. Manchmal treten sogar kuriose Details zutage: Man erinnere sich, wie Paul Wolfowitz, damals Chef der Weltbank, einmal bei einem Türkeibesuch die Schuhe ausziehen musste und das Foto eines löchrigen Strumpfs um die Welt ging.

Die Sitte, Hausschuhe zu tragen, kommt aus Zeiten, als die Straßen noch voll von Schmodder und Schmutz waren. Heute sind die Straßen sauber, und die größte Schmutzquelle in Innenräumen ist der Mensch selber. Mit seinen Haaren, Hautschuppen und Kleidungsfasern, die er ständig verteilt. Der hygienische Unterschied zwischen Innen und Außen ist also längst nicht mehr so groß. Da ist es nur folgerichtig, dass Hausschuhe mittlerweile immer häufiger auf der Straße getragen werden.

Schon vor einigen Jahren hat Phoebe Philo für Céline einen Schuh entworfen, der einem Hauspantoffel sehr ähnlich sah – mit einem Fußbett aus buntem Kaninchenfell. Der Berliner Mode-Designer William Fan hat nun einen Schuh vorgestellt, der eine Straßenvariante des Plüschpantoffels ist. Man bewegt sich also in der Öffentlichkeit mit Schuhwerk, das aussieht, als wäre man auf dem Weg zum Kleiderschrank falsch abgebogen. So wird aus Homewear die Steigerung der Streetwear. Früher drückte man durch sportliche Kleidung aus, dass man sich nicht um Etikette schert. Nun zeigt man durch das Tragen von Schuhen, die wie Puschen aussehen, dass es einem egal ist, wie man in der Öffentlichkeit rüberkommt. Das wirkt natürlich noch viel lässiger. Demnächst werden die Ersten auf Strümpfen durch die Straßen gehen.

Foto: Peter Langer / Pantoffeln für draußen von William Fan

Kommentare

15 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

ich habe für den schlappgang draussen sandalen, seit jahren, die wären out, seit jahren, mir egal seit jahren. mich würde bei soviel presseaufmerksamkeit für willi wentilator auch interesseren, wie er denn genau in china produzieren lässt, und ob es ausser qualität und hohe preise, von denen sichs gut leben lässt, auch standarts für die chinesischen arbeiter gibt. leute wie er könnten standarts setzen, werden aber lieber nicht nach gefragt, ...käffchen, sektchen?