Sophia Webster "Ich glaube an den Wert des Scheiterns"

ZEITmagazin Nr. 37/2016
Viele Frauen sind verrückt nach Sophia Websters Prinzessinnenschuhen. Die Designerin erklärt, was ihre Kreationen mit dem weiblichen Selbstbewusstsein machen. Interview:

ZEITmagazin: Frau Webster, Sie entwerfen Pumps in Bonbonfarben und Sandaletten mit Schmetterlingsflügeln. Während andere Designer Frauen für den Alltag ausstatten, scheinen Ihre Entwürfe eher für Fluchten aus der Wirklichkeit in Fantasiewelten gemacht zu sein.

Sophia Webster: Ich bin jetzt in meiner neunten Saison und entwerfe längst nicht mehr nur verrückte Schuhe: Wir haben Ballerinas und Sneaker im Angebot und machen High Heels in schlichteren Farben. Die Erweiterung des Angebots hatte auch mit meinem Privatleben zu tun: Als ich vor zwei Jahren schwanger wurde, brauchte ich praktische Schuhe – also fing ich an, Sneaker zu entwerfen. Mein Label ist immer eine Reflexion meiner persönlichen Realität. Kommerz war nie meine Priorität, die Kreativität stand immer im Vordergrund. Auf jeden Fall nehmen wir uns hier nicht so ernst, sondern haben vor allem Spaß.

ZEITmagazin: Ihre Entwürfe sind schon etwas schrill. Hatten Sie damit von Anfang an Erfolg, oder mussten Sie sich den Platz auf dem Markt hart erkämpfen?

Webster: Wir hatten von Anfang an eine treue Fangemeinde und sprachen immer mehr Frauen an, je mehr unterschiedliche Entwürfe wir ins Sortiment aufnahmen. Es wäre ja auch langweilig, nur eine Sorte von Schuh für eine Sorte von Frau anzubieten.

ZEITmagazin: Es heißt, Sie hätten in der Schule jeden Tag High Heels getragen. Stimmt das?

Webster: Ja, das haben in meinem Jahrgang alle Mädchen gemacht. Meine Schuhe waren aber höher als die der anderen.

ZEITmagazin: Welche Rolle spielte Mode in Ihrer Jugend?

Webster: Als ich jünger war, liebte ich die Spice Girls, später war Gwen Stefani mein Stilvorbild. Ich färbte mir die Haare wasserstoffblond, trug Springerstiefel von Dr. Martens und Baggy-Jeans. Ich sah ganz sicher nicht so cool aus, wie ich dachte.

ZEITmagazin: Können Sie sich an das erste Paar Schuhe erinnern, das Sie sich selbst gekauft haben?

Webster: Ja, das waren die Buffalo Boots, die auch die Spice Girls trugen. Ich habe sie immer noch, sie liegen bei meiner Mutter in der Garage. Gelegentlich fragt sie mich, ob ich nicht mal vorbeikommen möchte, um sie wegzuwerfen.

ZEITmagazin: Nach dem Schulabschluss haben Sie zunächst bildende Kunst studiert. Wann wurde Ihnen klar, dass Sie doch in die Mode wollten?

Webster: Eigentlich wollte ich Künstlerin werden. Deshalb schrieb ich mich zunächst für ein Grundstudium am Camberwell College of Arts ein. Am liebsten mochte ich Plastik und Bildhauerei – vielleicht war das schon ein Hinweis auf meine spätere Profession. Als ich einmal an einem Modeillustrationskurs teilnahm, zeichnete ich nur die Schuhe des Models, nichts anderes. Die Schuhe fand ich am interessantesten. Danach schrieb ich mich am London College of Fashion im Fach Schuhdesign ein.

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