Ich habe einen Traum Lisa und Lena

Sie wollten nur eine App ausprobieren. Ihre Eltern erlaubten, dass sie das Video von sich ins Netz stellen. Nun schauen ihre Videos Millionen.
Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 38/2016

Wir haben nie davon zu träumen gewagt, ein Internetphänomen zu werden. Wie auch? So etwas kann man sich in seinen Träumen gar nicht ausmalen. Wir hatten im Netz die Clips von ein paar Amerikanern gesehen, die eine App benutzten, die hier in Deutschland noch nicht so bekannt war. Die fanden wir spannend und wollten sie auch einmal ausprobieren. Wir luden also diese App runter, suchten uns einen Song aus, tanzten dazu und machten synchrone Lippenbewegungen. Das Ergebnis gefiel uns. Wir zeigten es unseren Eltern und fragten, ob wir den Clip im Internet hochladen dürfen. Sie waren einverstanden, und so stellten wir ihn dann ins Netz.

Was danach folgte, war wie ein Traum, den wir uns bis heute nicht recht erklären können. Unser Clip wurde auf einmal auf anderen Seiten gepostet und bekam eine ungeahnte Aufmerksamkeit. Wir fingen uns an zu wundern. Was ist los? Was passiert hier? Es war echt verrückt, und wir fanden das sehr lustig. Wir bemerkten, dass wir gut ankamen. Das hat uns motiviert weiterzumachen.

Für uns steht der Spaß an der Sache an erster Stelle. Wir träumen davon, den Menschen mit unseren Clips ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Druck wollen wir uns deswegen nicht machen. Manchmal posten wir ein Video pro Woche, manchmal öfter. Das entscheiden wir spontan. Wir hören ein Lied und lassen uns vom Text oder von der Melodie zu einer Choreografie inspirieren.

Wir ergänzen uns da gegenseitig. Mal kommt die eine von uns mit einer Idee, mal die andere, und am Ende entsteht etwas Gemeinsames. In unserem Umfeld waren die Reaktionen auf unsere wachsende Bekanntheit sehr unterschiedlich. Der Großteil unserer Freunde steht hinter uns und findet gut, was wir machen. Es gibt aber auch ein paar, die damit nicht so gut klarkommen. Es ging ja auch sehr schnell, das kann schon für Verwunderung sorgen.

Manchmal werden wir gefragt, ob wir davon träumen, selbst Popstars zu werden. Aber in diese Richtung hat es uns nie gezogen. Wir träumen von der Schauspielerei. Schon als kleine Kinder haben wir bei Theateraufführungen mitgemacht, später waren wir dann in der Theatergruppe unserer Schule. Die Stücke waren selbst geschrieben, in die verschiedenen Rollen zu schlüpfen war für uns sehr spannend. Deshalb träumen wir davon, eines Tages mal in einem Film oder vielleicht sogar in einer Serie mitzuspielen.

Momentan konzentrieren wir uns auf die Schule. Noch zwei Jahre, dann schauen wir, wo es uns hinzieht. Wir lassen die Dinge auf uns zukommen. Es ist schon so viel passiert, und wer weiß, was sich künftig alles ergibt. Natürlich gibt es immer wieder Angebote, die einen in Versuchungen führen, den schnellen Ruhm auszukosten. Aber wir wollen lieber erst mal die Schule beenden, das haben wir uns fest vorgenommen. Danach nehmen wir unseren großen Traum von der Schauspielerei in Angriff. Vorher erfüllen wir uns aber noch unseren ganz kleinen, persönlichen Traum und fahren mit unserer Familie ins Disneyland nach Paris.

Die Zwillinge Lisa und Lena bewegen ihre Lippen synchron zu Musik. Ihre Videos haben im Netz Millionen Fans. Die beiden sind erst 14 und haben große Träume.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

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"Habe mir mal was angeschaut." Bild und Zeit Video von David Spaeth sind professionell in Szene gesetzte Werbeproduktionen bei denen sich Minderjährige angeleitet von Profis für die Aufmerksamkeit einer Kamera prostituieren, schlimm sind die Videos die man bei Instagram und Facebook findet von den Mädchen. Ja, wenn so etwas in der Internet-Zeit reicht um ein Star zu werden, dann ist das vor allem ein Zeichen für das niedrige Niveau der Internet-Ära.