Lucky Blue Smith Der Glücksjunge

Lucky Blue Smith ist das erfolgreichste männliche Model der Welt. Und das ist wohl erst der Anfang. Von
ZEITmagazin Nr. 38/2016

My name is Blue, how do you do?

An den wichtigsten Tag seines Lebens kann sich Lucky Blue Smith nicht wirklich erinnern. Das war, als der Designer und Fotograf Hedi Slimane ihn für die japanische Ausgabe der Vogue Homme fotografierte. Es war sein Durchbruch als Männermodel. Das erste Mal, dass ein wirklich wichtiger Kreativer mit ihm gearbeitet hat. Nur leider war es Lucky völlig egal, er interessierte sich für Football und sein Schlagzeug. Nicht aber für Mode. Er war ja erst zwölf.

Heute wird er oft gefragt, wie es denn so gewesen sei, als er für Hedi Slimane, der damals gerade aufgehört hatte, für Dior zu arbeiten, vor der Kamera stand. Dann versucht er, sich zu erinnern, und sagt, Slimane sei wohl nett gewesen.

Das ist symptomatisch für das Leben dieses jungen, großen Mannes mit weißblonden Haaren und wasserblauen Augen. Es geht alles immer viel schneller, als er sich der Dinge bewusst werden kann. Es weiß noch gar nicht, wie ihm eigentlich geschieht, da sind schon wieder hundert Dinge passiert. Neulich war er in seiner alten Schule in seiner Heimatstadt zu Besuch, einfach um ein paar seiner alten Lehrer guten Tag zu sagen, er war eben zufällig in der Gegend. Auf einmal war er umringt von lauter hysterischen Mädchen, die Selfies mit ihm machen wollten. Zwei Jahre zuvor war er dort noch ein mittelmäßiger Schüler gewesen. Nun ist er ein Star. "Ich habe keine Ahnung, warum das gerade mir passiert, ich weiß nicht, was an mir besonders ist", sagt er.

Aber alle anderen wissen es offenbar. Die Plattform models.com hat ihn zum "Model oft the Year 2015" gekürt. Lucky Blue Smith ist mit 18 Jahren das bekannteste männliche Model, jedenfalls wenn man es an der Zahl seiner Follower auf Instagram bemisst. Bei der Social-Media-Plattform, die vor allem für den Austausch von Fotos da ist, hat er 2,5 Millionen Follower. So viele Menschen verfolgen regelmäßig, was Lucky Blue so tut. Ob er nun als Botschafter einer Kosmetikmarke das Filmfestival in Cannes besucht oder im Smoking auf dem Highschool-Abschluss seines besten Freundes erscheint, am Strand spazieren geht oder eine Cola trinkt.

Lucky Blue Smith ist aber nicht nur ein Instagram-Phänomen. Er ist überall. Er zierte die Kampagnen von Levis und Calvin Klein und Tommy Hilfiger. Bei den Männermodeschauen läuft er für Tom Ford, Ralph Lauren und Bottega Veneta über den Laufsteg. Und wenn er später über den Hinterausgang das Gebäude verlässt, empfangen ihn kreischende Teenager. Wenn er über die sozialen Netzwerke bekannt gibt, wo man ihn wann antreffen kann, gibt es einen Menschenauflauf. Das ist für Männerschauen ganz und gar ungewöhnlich. Bislang waren männliche Models keine Stars. Und nun ist da Lucky Blue Smith, um den derselbe Rummel gemacht wird wie um die bekannten weiblichen Models, der sich selbst zu einer Marke gemacht hat.

Lucky Blue Smith ist als virtuelle Gestalt so allgegenwärtig, dass man etwas überrascht ist, wenn man ihm tatsächlich gegenübersteht. Seine dunkelblonden Haare wachsen gerade nach, was ihm den Look eines Surfers verleiht. Sein Gesicht lächelt stets, wenn es sonst nichts zu tun hat. Er trägt eine helle Nylonjacke mit Rennsportaufnähern, ähnlich der, die Ryan Gosling im Film Drive getragen hat.

Es ist acht Uhr morgens, eine Zeit, zu der man als 18-Jähriger normalerweise im Bett liegt oder aber in höchstem Maße schlecht gelaunt und kaum ansprechbar ist. Lucky Blue aber telefoniert, und wenn er nicht telefoniert, schreibt er WhatsApp-Nachrichten. Oder checkt seine Accounts. Dabei wirkt er so, als sei sein iPhone Teil seines Körpers.

Lucky Blue Smith hat ein fein geschnittenes Kinn, einen herzergreifenden Dackelblick und hypnotisierend blaue Augen. Vor zwei Jahren hat er sich die Haare weißblond gefärbt, was ihn auf den Fotos aussehen ließ, als stamme er aus anderen Sphären. Lucky Blue sieht manchmal aus, als würde er auf einem Asteroiden wohnen. Auf manchen Bildern wirkt er, als hätte man für seine Zeugung die Gene von James Dean und Justin Bieber in einer Petrischale vermischt.

Aber Lucky Blue ist eben nicht nur schön. Er verkauft sein Gesicht nicht einfach an den meistbietenden Modehersteller. Er will etwas eigenes sein. Auch wenn er mittlerweile ständig fotografiert wird, die wichtigsten Bilder sind die, die er von sich selbst macht. Während Models auf dem Laufsteg und in Werbeanzeigen möglichst ausdruckslos aussehen sollen, um nicht von der Kleidung abzulenken, postet Lucky Blue Bilder von sich, die seine Fans um den Verstand bringen. Lockend und ein bisschen anzüglich. Er ist eines dieser Models, bei denen die Kleidung, die sie tragen, am wenigsten interessiert.

Alle paar Tage schickt er ein neues Instagram-Foto von sich in die Welt. Mal erscheint er im Smoking mit schiefer Fliege, mal halb nackt in die Bettlaken gewühlt. Die ersten Bilder, die er auf Instagram zeigte, waren noch etwas unbeholfen, mittlerweile beherrscht er alle Codes. "Licht ist wichtig", sagt er. "Und wenn du einen Hund oder gar einen Welpen dabei hast, dann kann nichts mehr schiefgehen." Der Rest ist Bildbearbeitung.

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