"Absolute Giganten" "Mehr geht nicht, Basta!"

Der Film "Absolute Giganten" ist in Hamburg ein Mythos. Warum unerwartete Erfolge die schönsten sind. Interview:
ZEITmagazin Nr. 40/2016

ZEITmagazin Hamburg: Neulich zeigten alle Hamburger Programmkinos an einem Tag den fast zwanzig Jahre alten Film Absolute Giganten. Alle Vorstellungen waren ausverkauft. Überraschte Sie die Begeisterung?

Sebastian Schipper: Über die Jahre hat man schon mitbekommen, dass der Film gemocht wird, aber dass jetzt so viele kamen, war schon der Hammer. Nach einer der Vorstellungen kam ein Typ zu mir und meinte: "Hey, wegen dir und diesem Film bin ich zwölf Jahre zur See gefahren."

ZEITmagazin Hamburg: So wie Floyd, der am Ende der Geschichte Hamburg verlässt, um zur See zu fahren?

Schipper: Genau, aber daran, dass jemand nach einem Film zur See fährt, bin ich garantiert nicht schuld. Das führt zu weit.

Florian Lukas: Stimmt. Mit dem habe ich sogar noch ein Foto gemacht, der ist grad wieder zurück an Land. Mich hat das jedenfalls alles nicht überrascht. Ich werde noch permanent auf den Film angesprochen. Die Leute sind mit Absolute Giganten älter geworden und erzählen einem schon mal Geschichten aus ihrer Jugend und ihrem Leben. So wie: "Wegen dieses Films bin ich nach Hamburg gezogen" oder "Mein Freund hat mich immer gezwungen, deinen Rap aus dem Film zu rezitieren, während wir Sex hatten". Als ich neulich in Berlin im Rathaus drehte, folgte mir ein Sachbearbeiter auf die Toilette und sagte: Absolute Giganten war meine Jugend! Ich liebe diesen Film, das wollte ich Ihnen nur kurz sagen."

Antoine Monot Jr.: Mir hat damals einer in mein Homepage-Gästebuch geschrieben: "Du hast mein Leben gespielt". Ich glaube, wir alle haben über die Jahre von Menschen Rückmeldungen zu Absolute Giganten bekommen, die unglaubliche Komplimente sind.

Julia Hummer: Mindestens einmal die Woche werde ich auch auf den Film angesprochen oder per Facebook angeschrieben. Die Leute lieben den Film. In persönlichen Begegnungen sind auch schon mal blöde Seitenhiebe dabei: "Na, Absolute Giganten ist auch schon etwas länger her, oder?". Aber ich denke nie darüber nach, wie lange das her ist. Klar war ich da jünger. Kunst ist zeitlos.

Lukas: In der ersten Woche, in der wir drehten, wurde meine erste Tochter geboren. Und jetzt hat sie ihren 18. Geburtstag gefeiert. Daran merke ich schon, wie viel Zeit vergangen ist.

Schipper: Und Julia war 18, als wir den Film gedreht haben.

Monot Jr.: Dass Absolute Giganten zu einem Kultfilm geworden ist, wusste ich, aber dass an einem Tag in Hamburg 2016 bei "Eine Stadt sieht einen Film" rund zweieinhalbtausend Tickets verkauft wurden, hat mich umgehauen, richtig umgehauen. Und unglaublich gefreut.

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