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Badezimmer: The Good, the Bad and the Ugly

Hollywood und das Badezimmer: Keine lauwarme Beziehung. Von
ZEITmagazin Nr. 42/2016

Wenn es so etwas gibt wie ein fröhliches Badezimmerdasein, dann hat Julia Roberts ihm in Pretty Woman ein Denkmal gesetzt. Da liegt sie, allein in der Wanne, die Kopfhörer auf den Ohren, der Walkman neben ihr auf der Wannenkante. Und sie singt den Prince-Song Kiss. Weil sie im Badezimmer ist. Weil sie weiß, dass sie hier niemand stören wird. Sie singt so laut, dass die Hotelsuite davon erfüllt ist, so laut, dass Richard Gere im Zimmer nebenan kurz sein Telefonat unterbrechen muss. Eine große Szene der heiteren, selbstvergessenen Schaumbad-Einsamkeit.

Natürlich ereignen sich in den Badezimmern und Waschräumen der Filmgeschichte noch ganz andere Dinge: Ewan McGregor zum Beispiel verschwindet in Trainspotting in einem Klo, das so dreckig ist, dass man als Zuschauer gern eine Tetanusspritze bekäme. Daniel Craig verpasst dem notorisch coolen Geheimagenten James Bond unter der Dusche erstmals so etwas wie Emotionen: Selbstzweifel, gebrochene Männlichkeit. In einer ihrer Romantikkomödien kühlt sich Jennifer Aniston die Stirn an den Badezimmerfliesen. Und selten hat jemand den Zuschauer durch seine Einsamkeit so gerührt wie die in ihr Bad zurückgezogene Margot Tenenbaum in The Royal Tenenbaums, dargestellt von Gwyneth Paltrow.

Das Bad ist ein seltsamer Ort des Zusichkommens und Beisichseins. Allerdings, und damit sind wir beim unangenehmen Teil der Sache, ist es in Filmen häufig auch ein Ort, an dem einen keine Lavendelbadeperlen vor dem retten können, was mit Janet Leigh und der Duschszene in Hitchcocks Psycho (Streicherquietschen nicht vergessen!) angefangen hat. Das englische Verb to shower ist ja schon klanglich nah am Schauer. Und das Badezimmer ist im Kino tatsächlich vorwiegend eine Schauergeschichte.

Regisseure wie David Cronenberg, Stanley Kubrick und auch Steven Spielberg haben das Bad nach und nach zur Schreckenskammer umgestaltet, wo der Mensch sich nicht mehr frisch macht, sondern um sein Leben fürchten soll. Man könnte als Kinogänger inzwischen glauben, Satan persönlich hause im Bad und der siebte Kreis der Hölle sei eine geflieste Angstoase mit Keramik von Hieronymus & Bosch. Das harte Gesetz des Badezimmerkinos: Blut läuft aus Duschköpfen, Würmer kriechen aus Abflüssen herauf, Dämonen lauern im Klo. Wann immer jemand duscht, vor dem Waschbecken steht oder ahnungslos den Hahn aufdreht: Das geht nicht gut aus.

In Die Fliege sieht der junge Jeff Goldblum dabei zu, wie sich seine Haut ablöst und ihm die Fingernägel abfallen. In Nightmare on Elm Street taucht Freddy Kruegers Krallenhand im Badewasser irgendeiner schaumgeborenen Schönheit auf. Und eine der traumatischsten Kussszenen der Kinogeschichte ereignet sich vor den pastellgrünen Wänden eines Badezimmers in Shining: Der Duschvorhang wird zur Seite gezogen, eine nackte junge Frau geht auf Jack Nicholson zu, sie küssen sich, dann sieht er im Spiegel, dass die Frau eigentlich ein halb verwester Kadaver ist, der den bereits irre gewordenen Nicholson staksig bis ins Schlafzimmer verfolgt. Im Film sind Badewannen Särge und Duschvorhänge Leichentücher.

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Bitteschön: Allerdings, und damit sind wir beim unangenehmen Teil der Sache, ist es in Filmen häufig auch ein Ort, an dem einen keine Lavendelbadeperlen vor dem retten können, was mit Janet Leigh und der Duschszene in Hitchcocks Psycho (Streicherquietschen nicht vergessen!) angefangen hat. Das englische Verb to shower ist ja schon klanglich nah am Schauer.

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