Innenarchitektur Bloß keine auffälligen Fliesen!

ZEITmagazin Nr. 42/2016
Der Innenarchitekt Roger Mandl erklärt, worauf es beim Planen und Einrichten eines Bads ankommt. Interview:

ZEITmagazin: Herr Mandl, welche typischen Fehler machen Leute, die ein Bad planen?

Roger Mandl: Das Wichtigste ist, sich zuerst selbst zu befragen. Worauf kommt es mir an, was brauche ich wirklich? Dann fällt einem auch auf, worauf man vielleicht verzichten kann. Man baut oft wie selbstverständlich eine Badewanne ein – aber viele Menschen nehmen nur ein paar Mal im Jahr ein Bad, würden aber vielleicht öfter in die Sauna gehen. Mittlerweile gibt es Einbau-Saunen, die kaum mehr Platz als eine Wanne wegnehmen. Meist verschätzt man sich bei der Planung des Bades mit dem Stauraum. Im Bad müssen viele Pflegemittel, Toilettenpapier, Handtücher und Ähnliches untergebracht werden. Anstatt später alles in Badschränke zu stopfen, sollte man rechtzeitig darauf achten, wie man vielleicht eine Nische in der Wand oder zumindest den Platz unter dem Waschbecken nutzen kann.

ZEITmagazin: Woran sollte ich auf keinen Fall sparen?

Mandl: Es lohnt sich nicht, an den Armaturen zu knausern. Die werden jeden Tag betätigt, und wenn sie sich nicht gut anfassen lassen oder nicht richtig funktionieren, ist das ein ständiges Ärgernis. Auch bei den Materialien sollte man keine Kompromisse machen. Das Bad ist ein Raum, der sehr haptisch ist, man ist meist barfuß, also sollte man in einen angenehmen Bodenbelag investieren. Dazu ist das Bad auch ein sehr anspruchsvoller Raum. Er wird geheizt und kühlt ab, er wird feucht und trocknet. Die Materialien arbeiten also ständig.

ZEITmagazin: Worauf kann ich verzichten?

Mandl: Praktisch jeden technischen Schnickschnack können Sie weglassen. Ein Wanne mit Whirlpool ist zwar eine tolle Vorstellung. Aber im Alltag nutzt man sie kaum. Die meisten Menschen nutzen das Bad jeden Tag in einer sehr ähnlichen, fast rituellen Weise. Auch Geräte und Armaturen, die viele verschiedene Einstellungen ermöglichen, wird man wahrscheinlich immer nur auf dieselbe Art nutzen.

ZEITmagazin: Welcher Aufwand zur Pflege des Bads ist angemessen?

Mandl: Die Deutschen sind im Bad ja eher Pflegemuffel. In arabischen Ländern etwa werden die Fliesen nach jeder Benutzung abgewischt. Die Deutschen sparen sich das und ärgern sich später über die Flecken. Wer sich zum Beispiel gläserne Duschtüren oder Trennwände einbaut, muss sie nach jedem Duschgang mit einer Flitsche abziehen – sonst bleiben Kalkrückstände. Wer nicht so oft putzen will, sollte dunkle Oberflächen meiden, dort ist Kalk besonders gut zu sehen. Am besten wischt man sein Bad aber einfach mit einer positiven Grundhaltung – man kann das ja als eine Art Zen-Übung sehen.

ZEITmagazin: Wie schaffe ich das richtige Licht im Bad?

Mandl: Man sollte nie vergessen, dass das Bad auch eine Art Werkstatt ist. Wenn nicht genügend funktionales Licht da ist, kann man nicht arbeiten. Am Spiegel braucht man Licht links und rechts und oberhalb des Gesichts, damit es gut ausgeleuchtet ist. Dann ein helles Deckenlicht und vielleicht ein wärmeres Licht über der Badewanne. Energiesparlampen oder Leuchtstoffröhren gehören nicht ins Bad. Sie haben nur ein begrenztes Lichtspektrum, und das Licht sieht immer tot aus. Das Mittel der Wahl sollten LEDs sein. Die sind mittlerweile auch dimmbar und so flach, dass man sie sogar auf den Spiegel kleben kann. Außerdem halten sie sehr lange. Man hat nicht mehr das Problem, dass man durchgebrannte Halogenstrahler auswechseln muss. Das macht man ohnehin nie.

ZEITmagazin: Wie sollte die Dusche aussehen?

Mandl: Investieren Sie am besten in mehrere Brausen. Gut ist, wenn eine Brause hoch über dem Kopf angebracht ist, damit das Wasser sich richtig verteilt. Zusätzlich sollte man eine Handbrause haben, um sich abzuduschen. Dann fällt auch die hässliche Stange weg, an der der Duschkopf meist angebracht ist. Das schafft auch mehr Platz – und der ist in der Dusche besonders wichtig. Schon ein paar Zentimeter bringen ein besseres Körpergefühl. Es sollte etwas mehr sein als die typischen 80 mal 80 Zentimeter, in der Duschwannen angeboten werden. Sehr modern ist heute die ebenerdige italienische Dusche. Die ist auch praktisch, wenn man irgendwann einmal mit dem Rollstuhl in die Dusche muss. Ansonsten sollte man sich vergewissern, dass der Abfluss genügend Gefälle hat.

ZEITmagazin: Was ist mit der Wanne?

Mandl: Im Alltag wird sie nur noch wenig benutzt. Aber die Gewohnheiten ändern sich. Und wenn man Probleme mit dem Rücken hat, wird man ein Bad als sehr wohltuend empfinden. Nur in der Wanne kann man entspannen. Es steht ja niemand gerne eine Stunde unter der Dusche.

Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

An Armaturen sparen lohnt sich fast niemals. O-Ton Architektenfreundin, die oft genug damit zu tun hat. Und ich kann das auch voll unterschreiben - in unserer Wohnung wurden billige Armaturen verbaut. Da platzt die Silberlackierung ab (ja, bei Billigarmaturen werden auch überzogene Kunststoffteile verwendet). Und vor einigen Monaten ist uns irreparabel (Ersatzteile können Sie bei Chinaware nämlich auch oft vergesen) der Nubsel herausgeflogen, der den Wasserfluss zwischen Duschkopf und Rohrauslauf wechselt.
Unser Hausmeister hat nur den Kopf geschüttelt ob solch einer Fehlinvestition. Er zählt schon gar nicht mehr, wie oft er die Billigarmaturen in unserer Wohnanlage ausgetauscht hat.