Stilkolumne: Die Kraft der Farbe

Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 42/2016

Der letzte Typ, dem Pink fraglos stand, war Paulchen Panther. Schon bei John Travolta in dem Film Grease war das pinkfarbene Hemd zum schwarzen Anzug dann schon schwer zu ertragen – was vielleicht auch daran lag, dass seine Socken dieselbe Farbe hatten. In den neunziger Jahren wurden blassrosa Hemden dann erstaunlicherweise noch Mode unter Londoner Bankern, was als Vorbote der internationalen Bankenkrise gesehen werden kann.

Wenn Männer von ihrem eigenen Ego überwältigt werden, glauben sie zuweilen bis heute, Pink sei mit männlichem Auftreten vereinbar, und sie verkennen damit in den allermeisten Fällen die Realität. Denn Pink ist nur bei Männern angebracht, die auch Kanariengelb oder große Blumenmuster tragen können, ohne lächerlich zu wirken. Männer also, bei denen es eigentlich auf gar nichts mehr ankommt, weil sich der meist weibliche Betrachter ohnehin die Kleider wegdenkt. P. Diddy und Kanye West beispielsweise.

Trotzdem wird in der Mode immer wieder gern mit Bonbonfarben experimentiert. Sogar im Fußball. Der Hamburger Sport-Verein ließ seine Spieler erstmals 1967 in rosafarbenen Trikots auf den Platz, um damit mehr Frauen in die Stadien zu locken. Der Plan ging auf, und die Mannschaft gewann in den Trikots sogar den Europapokal. Jahrzehnte später fiel Tim Wiese als Werder-Bremen-Keeper im pinkfarbenen Trikot auf. Heute mutet es kurios an, dass bis ins 20. Jahrhundert hinein Rosa nicht als Farbe für Mädchen galt, sondern für Jungen. Rosa, "das kleine Rot", fand man besonders vital und kraftvoll. Das zartere Blau symbolisierte Zurückhaltung und war für Mädchen gedacht. Erst Marine-Uniformen haben schließlich Blau als ultimative Männerfarbe etabliert.

Nun kehrt das Rosa zu den Männern zurück. Bei Kenzo trägt der Mann einen pink-rot gestreiften Pullover zur roten Hose. Bei Moschino werden Rosatöne zu Grau kombiniert. Bei Gucci trägt man eine rote Schluppenbluse zur pinkfarbenen Strickjacke. Vielleicht gilt ja wieder, was Stefano Gabbana 2005 sagte, als Dolce & Gabbana zum ersten Mal ein kräftiges Rosa in die Herrenkollektion mischte: "Rosa ist eine Farbe der Romantik, und dies ist eine Saison der Romantik." Der HSV hat Pink übrigens auch neu entdeckt. Man spielt nun in knallrosa Trikots, zumindest auswärts. Wenn es dem Verein gelingen sollte, damit wieder den Europapokal zu gewinnen, seien an dieser Stelle alle Geschmacksurteile über Männer in Pink zurückgenommen.

Foto: Peter Langer / Pullover von Kenzo, 475 Euro

Kommentare

16 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren