© Silvio Knezevic

Wochenmarkt: Trost für bange Seelen

Ein Rezept für Karottensuppe mag auf Hobbyköche regressiv wirken. Aber auch Standards wollen neu erfunden werden. Piment, Leinsaat und Honig sorgen für Abwechslung. Von
Aus der Serie: Wochenmarkt ZEITmagazin Nr. 43/2016

Die Momente der Lustlosigkeit, die jeder kennt, der gern kocht, werden in Rezeptkolumnen und Kochbüchern gern verschwiegen. Ich habe das Tabu einmal gebrochen und zugegeben, dass mich manchmal beim Anblick einer Zwiebel, die ich schneiden muss, ein Gefühl bleierner Müdigkeit überkommt. Vor meinem inneren Auge erscheint dann das Bild des Bergs an Zwiebeln, die ich in meinem Leben schon geschnitten habe, und gleich daneben ragt der Berg von Zwiebeln empor, die ich noch werde schneiden müssen. So viel Ehrlichkeit von einer Rezeptkolumnistin wirkt aber, wie ich feststellen musste, verstörend. Es gab einige bittere Kommentare. Offenbar sollte in aufreibenden Zeiten wie den unseren wenigstens die Kochtante wissen, wo es langgeht, und nicht auch noch mit verzagter Selbstreflexion anfangen.

In Ordnung, Botschaft ist angekommen. Hier zur Wiedergutmachung ein leicht regressives Essen, das sich als Erwachsenengericht tarnt, süß, cremig, warm, ein Trost für die bange Seele.

Die Zwiebel grob hacken, in einem großen Topf in Butter unter Rühren fünf Minuten lang andünsten. Geschälte und in drei Zentimeter große Stücke geschnittene Karotten in den Topf geben. Wasser dazugießen. (Man kann natürlich auch Gemüse- oder Hühnerbrühe nehmen, ich verwende Wasser, weil die Suppe dann leichter und gemüsiger schmeckt.) Salzen, pfeffern, Lorbeerblatt und Pimentkörner dazugeben. Flüssigkeit zum Kochen bringen und dann alles ungefähr 20 Minuten lang bei mittlerer Hitze zugedeckt köcheln lassen. (Bis die Karotten weich sind.) Leinsaat dazugeben. Mit dem Pürierstab alles glatt pürieren. Falls die Suppe dann noch zu dick ist, etwas Wasser (oder Brühe) dazugießen. Noch mal mit Salz abschmecken. Schließlich den Honig dazugeben sowie die Crème fraîche.

Karottensuppe mit Leinsaat und Honig (für 2–3 Personen)

Zutaten – 1 Zwiebel, 1 kleines Stück Butter, 800 g Karotten, 1 l Wasser (oder Gemüsebrühe), Salz, Pfeffer, 1 Lorbeerblatt, 4 Pimentkörner, 2 TL Leinsaat, 2 TL Honig, 2 EL Crème fraîche

Kommentare

14 Kommentare Kommentieren

Die Karottensuppe muss nicht neu erfunden werden, die schmeckt klassisch am besten. Ändern, nur um zu ändern.... das ist pubertär.

Aha, und mit dieser »erwachsenen« Ansicht wollen Sie jetzt andere Leute davon abhalten, mal was Neues auszuprobieren? Oder was war der Anlass Ihrer Zeilen? Hauptsache, mal bisschen meckern?