Gesellschaftskritik Über das kommende Haar

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Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 1/2017

Das vergangene Haar war schlimm, und die große Frage ist: Wird das nächste Haar besser? Wir wollen an dieser Stelle nicht noch einmal die Frisur von Sie-wissen-schon erwähnen, Stichwort Hamster, Stichwort orange. Zum Glück ist jenes Haar so verspottet worden, dass sich sein Style sicher nicht durchsetzen wird. Unwahrscheinlich, dass L’Oréal demnächst eine Farbe namens Tremendous Indian Summer oder Sunrise viewed from a Penthouse above Manhattan auf den Markt bringen wird, auch das Shampoo Locker Room (für echte Kerle) sehen wir nicht voraus. Andererseits liegen wir Journalisten ja mit unseren Prognosen oft daneben, also bitte keine Beschwerden, falls Sie demnächst in Ihrem Drogeriemarkt ...

Was bringt das kommende Haar sonst? Der Achtziger-Look hat seinen Höhepunkt immer noch nicht überschritten, die Straßen sind voll von Twentysomethings in Tennissocken und superharten Jeans ohne Stretch, die ihnen bis unter die Achseln reichen. Bisweilen werden auch Dauerwellen gesichtet. Kann mal jemand den jungen Leuten sagen, dass sie nicht aussehen, wie Menschen in den achtziger Jahren ausgesehen haben, sondern dass sie aussehen, wie Deppen in den achtziger Jahren ausgesehen haben? Danke!

Noch eine Frage, die über dem kommenden Haar schwebt: Mit welcher Frisur werden Brad und Angelina der Öffentlichkeit signalisieren, dass sie durch die Hölle gegangen und geläutert daraus hervorgegangen sind? Das Bild von Angie bleibt in unserer Kristallkugel merkwürdig verschwommen, bei Brad sehen wir eine Kahlrasur. Wir tippen darauf, dass die Kahlrasur der nächste große Trend sein wird.

Und noch eine Riesenbitte: Der Bart ist in diesem Jahr zur Werkseinstellung von Männern unter 50 geworden. Leider rasieren viele der Bart-Novizen ihr Gewächs messerscharf am Kinnansatz ab oder versuchen, sich per Bart überhaupt erst so etwas wie einen Kinnansatz zu verleihen. Irgendwas an diesem Look ist auf eine schwer erklärbare Weise total fürchterlich. Fürs kommende Jahr haben wir deshalb nur einen einzigen Wunsch: Bitte rasiert Euren Bart so weit unterhalb des Kinns ab wie nur irgend möglich und auch nicht so, als hättet ihr beim Rasieren ein Lineal angelegt. Wie es nicht geht, sehen wir bei Drake und natürlich bei Harald Glööckler. Ein Bart muss wollig und gemütlich aussehen, nach Holzhacken, Karohemd und Schulter zum Anlehnen. Okay? Sonst droht 2017 auch privat zum annus horriblis zu werden.

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