Unter Strom: Mirko Borsche testet eine App, die Schriftarten identifiziert

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Aus der Serie: Unter Strom ZEITmagazin Nr. 7/2017

In meinem Beruf muss ich mich sehr oft mit Schriften auseinandersetzen. Dabei habe ich gelernt, dass Schriften genauso unterschiedliche Eigenschaften haben wie Menschen: Sie können dekorativ sein, unpraktisch, lieblich, streng, unernst, seriös, aggressiv oder nüchtern. Und genau wie die Handschrift weckt auch die Schriftart Assoziationen, die unpassend sein können: Zum Beispiel waren 2011 bei der WM die Namen der Spielerinnen der deutschen Fußballnationalmannschaft in einer Schrift aufs Trikot gedruckt, die der Comic Sans MS ähnelte, welche man eher für Kindergeburtstags-Einladungen benutzt. Es hagelte Spott, weil die Trikots nicht aussahen, als würden Topspielerinnen sie tragen, sondern wie die einer F-Jugend.

Schriften können einem vertraut werden. Bei der Schrift, die Sie jetzt lesen, wissen Sie zum Beispiel sofort, dass Sie sich im ZEIT-Kosmos aufhalten . Schriften können auch gestalterisch wirken: Im neuen Layout des ZEITmagazins versuchen wir, mit Typografie als eigenständigem Element zu spielen.

Vielleicht haben Sie neulich eine Visitenkarte in die Hand gedrückt bekommen, deren Schrift Sie schön fanden. Oder in einer Modezeitschrift aus den Siebzigern eine Schrift entdeckt, die Sie für Ihre Website verwenden möchten. Oder Sie wollen eine Hochzeitszeitung machen, die aussieht wie Ihre Lieblingszeitung? Dann hilft Ihnen die App WhatTheFont: Dort können Sie ein Foto der Schrift hochladen, und die App sagt Ihnen dann, um welche es sich handelt, oder zeigt Ihnen ähnliche Schriften. Eine gute Idee, finde ich – denn eine Welt, in der immer nur mit Times New Roman oder Arial geschrieben würde, wäre doch langweilig.

Technische Daten

Größe: 468 KB; Kompatibilität: ab iOS 3.0; Website: myfonts.com; Preis: kostenfrei

Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Ich will gerne glauben, dass es ein umschriebenes Spezialpublikum gibt, für die eine solche Anwendung von Nutzen ist. Den meisten wird es wohl ähnlich wie mir gehen, man nimmt Unterschiede in der Lesbarkeit wahr und hat vielleicht auch ästhetische Vorlieben, aber dass es mich ernsthaft beschäftigt – sicher nicht. Den Sturm der Empörung, der einen möglichen Einsatzzweck suggerieren soll, habe ich nicht einmal mitbekommen. Gut, das mag kein Maßstab sein, aber wenn ich das google, kommt maximal ein Sturm im Wasserglas raus.