Debbie Harry und Chris Stein Blondie

Sie waren ein Paar und gründeten eine der wichtigsten Bands der Popgeschichte: Debbie Harry und Chris Stein hatten Hits wie "Denis", "Heart of Glass" und "The Tide is High". Die beiden erzählen von ihren Anfängen, Trennungen und darüber, was Bienen und Blumen heute mit Blondie zu tun haben. Interview:
ZEITmagazin Nr. 10/2017

ZEITmagazin: Mrs. Harry, Mr. Stein, Sie kennen sich seit fast einem halben Jahrhundert, waren lange ein Paar und sind nun gut miteinander befreundet. Erinnern Sie sich an Ihr erstes Treffen?

Debbie Harry: Oh ja.

Chris Stein: Na klar.

Harry: Ich habe zwar einige Male versucht, das zu verdrängen, hat aber leider nicht geklappt.

Stein: 1973 war das. Debbie sang in der Band The Stilettos. Ein Freund nahm mich mit zu einem Auftritt. Ich war sofort von ihr begeistert.

Harry: Nach der Show trafen wir uns dann hinter der Bühne. Daran erinnere ich mich genau.

Stein: Ich kannte Elda, die die Band gegründet hatte, und die bot mir an dem Abend an, bei ihnen einzusteigen.

Harry: Die Männer bei uns kamen alle nie über den Praktikantenstatus hinaus. Bis Chris auftauchte.

ZEITmagazin: Wer von Ihnen sprach den anderen zuerst an?

Harry: Hab ich vergessen. Aber ich erinnere mich sehr genau daran, dass er mir bereits im Publikum aufgefallen war und ich viele der Songs, die ich sang, an ihn richtete. Sein Gesicht konnte ich nicht genau erkennen, aber seine Silhouette hatte es mir angetan. Er wurde von hinten angestrahlt, sodass sein Gesicht nicht zu erkennen war. Was interessant aussah.

Stein: Wollen Sie wissen, wie Debbie damals aussah? Ich habe sie an diesem Abend, an dem wir uns kennenlernten, tatsächlich fotografiert. (Chris Stein fummelt an seinem Smartphone herum, bis er das Bild gefunden hat) Schauen Sie mal: Debbie steht da ganz links. (zeigt auf ein Bild mit drei jungen Frauen: Debbie Harry schaut schüchtern in die Kamera und hat kurzes, schwarzes Haar) Blond wurde sie erst ein halbes Jahr später.

Harry: Stimmt, ich arbeitete damals in einem Beauty-Salon in New Jersey. Haben Sie schon mal in einem Beauty-Salon gearbeitet?

ZEITmagazin: Nein, bisher noch nicht.

Harry: Dann verrate ich Ihnen mal, wie das in so einem Salon abläuft: An manchen Tagen ist so viel zu tun, dass man kaum zum Atmen kommt. An anderen Tagen herrscht Leerlauf. Wenn man an einem der ruhigen Tage im Salon beisammensitzt, beginnt man irgendwann, die Kolleginnen zu verschönern. So kam ich eines Tages ganz unverhofft zu meinen blonden Haaren.

Stein: Damals waren wir bereits ein Paar, und ich erinnere mich, wie verblüfft ich war, dass ihr Haar auf einmal blond war.

ZEITmagazin: Aber wer hat denn nun wen zum ersten Date gebeten?

Harry: Das war kein großes Ding. Man ging eben mal miteinander aus.

Stein: Ich war auch zweimal mit Debbies Bandkollegin Elda aus, die an mir interessiert war, aber daraus wurde nichts.

Harry: Roseanne war auch scharf auf dich und hat dich mir dann sehr empfohlen.

Stein: Roseanne? (verzieht ungläubig das Gesicht)

Harry: Das wusstest du nicht?

Stein: Nein.

Harry: Ich bin mir nicht sicher, ob ich jetzt weiter ins Detail gehen sollte. Ach, was soll schon sein – ist ja lange her. Sie hat jedenfalls von einem deiner Körperteile sehr geschwärmt. Es war ein Kompliment und muss dir nicht peinlich sein.

Stein: Können wir bitte das Thema wechseln?

Kommentare

20 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Sind gerade die "wir sind alt" -Tage ? Seit gestern lese ich hier ständig Artikel mit diesem Tenor ? Oder habe ich ein Selbstakzeptanzproblem ?

Zwei Anmerkungen: Man kann darüber streiten, "the Tide is high" ein guter Blondie Song ist, mMn übrigens nicht. Nicht streiten kann man darüber, dass er ein Cover ist.

Man kann darüber streiten, ob es ein guter Grund ist, eine Band zu reuniten, weil das Geld knapp ist, bei Blondie bin ich einigermassen sicher, war es das nicht.
Die grossen Blondie Hits, um das nochmal zu sagen, finde ich auch heute noch super (Atomic, Denise, Heart of Glass)