Gesellschaftskritik: Über Matthias-Schweighöfer-gut-Finden

Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 10/2017

Die einen finden ihn ganz schlimm – und die anderen noch viel schlimmer. Matthias Schweighöfer gehört neben Til Schweiger und Veronica Ferres zu jenen Prominenten, die man in etwas intellektuelleren Kreisen, vor allem auch den Redaktionen der Republik, so auch in dieser, ganz ungefiltert scheiße findet. Weil man in den Augen der Kollegen nicht das "Zweiohrküken" sein will oder die "Rubbeldiekatz". Jeder darf da mal unverdrossen sein Bein heben – ein "Das hast du aber schön gemacht" ist einem stets gewiss.

Was ist noch mal genau das Problem mit Matthias Schweighöfer?

Seine Peinlichkeit besteht darin, dass er mit peinlichen Auftritten (in Unterhosen vor dem Brandenburger Tor) für peinliche Filme (verlassener Grundschullehrer sucht seine Männlichkeit) wirbt. Dass er peinliche Bilder (sein nackter Hintern auf Facebook) mit peinlichen Textzeilen garniert ("Florian David Fitz verarscht mich"). Und das Peinlichste von allem: Jetzt singt er auch noch. "Lachen, Weinen, Tanzen" heißt seine erste, soeben erschienene CD. Der Schweighöfer gibt den Grönemeyer. Ist das jetzt "Das wilde Leben" (Film von 2007) eines neuen Matthias S. oder "Der Schlussmacher" (2013) seiner Karriere?

Egal, ich mag den Schweighöfer. Mir ist der Matthias sympathisch. Ich kenne ihn zwar gar nicht, aber mir gefällt er. Ein guter Typ halt. Mögen die anderen ihn peinlich finden, mir macht das nichts aus. Ich steh zu ihm. Seine Karriere mag vor allem dem Zweck dienen, seinen durchtrainierten Körper zur Schau zu stellen, aber das ist mir piepenhagen. Ich finde nämlich, dass er wirklich was kann. In dem "Tatort" von 2010 zum Beispiel, "Weil sie böse sind" – einem absoluten Highlight der Serie –, war er schlichtweg brillant. Aber darum geht es mir gar nicht. Ich würde ihn auch mögen, wenn er da nicht mitgespielt hätte.

Es gibt Leute, die sieht man – im Fernsehen, im Kino, im wahren Leben, manchmal sogar in seiner eigenen Redaktion – und findet sie sofort sympathisch. Bei Matthias und mir war das so, wenn auch bisher nur von meiner Seite aus. Ich kann das gar nicht begründen, will ich auch gar nicht, es ist halt so. Ich mag ihn. Ich mag ja auch Ralf Stegner. Niemand sonst mag Ralf Stegner, den stellvertretenden SPD-Vorsitzenden, sein Spitzname ist "das Krokodil". Vielleicht ist es ja das: Ich mag Menschen, die andere nicht so mögen. Wenn da nur nicht der Schweiger und die Ferres wären.

Kommentare

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chrisbo18
#10  —  6. März 2017, 10:28 Uhr

Wer so oft selbstverliebt seinen nackten Hintern in die Kamera hält, darf sich eben nicht wundern, wenn dieses Bild auf die ganze Person übertragen wird.

Und obendrein spielt hier bestimmt der Neid eine große Rolle.
Er ist witzig und hat Charme, er kann viel und hat in kürzester Zeit viele Erfolge gefeiert.

Das Singen jedoch sollte er vielleicht und besser lassen. Das war mir persönlich zu viel des Guten!