Die großen Fragen der Liebe Sollte sie seine Trennungswut dämpfen?

Eine Kolumne von
Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 11/2017

Die Frage: Kurt und seine Lebensgefährtin Elli haben sich nach 30 Jahren unfreundlich getrennt. Streitpunkt ist die Wohnung. Im Vertrag steht nur Elli, Kurt kann nicht beweisen, dass er die Wohnung mitfinanziert hat. Kurt darf noch bis Ende des Jahres in der Wohnung bleiben; Elli ist im Frühjahr erst mal ausgezogen. Kurts Anwalt hat durchgesetzt, dass Elli Kurts Umzug bezahlen und ihm für jeden Monat, den er früher auszieht, noch mal 1.000 Euro geben muss. Nun hat Kurt seit drei Monaten eine andere Wohnung. Er zieht aber nicht aus, um Elli zu ärgern. Angela ist mit Kurt und Elli befreundet. Einerseits kann sie Kurts Ärger verstehen, anderseits – wenn sie erfährt, dass er Ellis Kleider in ihrem Schrank zerschnitten hat – wird ihr der Freund unheimlich. Soll sie etwas unternehmen?

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Es gehört zu den schmerzlichsten Erfahrungen, Zeuge der Verwandlung von Liebe in Hass und Rachsucht zu werden. Die Freunde um ein Paar, das sich in einen Trennungskrieg verstrickt hat, sollten unbedingt auf zivile Umgangsformen drängen. Es war ein langer und mühsamer Weg vom Faustrecht zum Gewaltmonopol der Justiz; keine Liebesenttäuschung rechtfertigt, ihn rückgängig zu machen. Für die rechtlichen Fragen im Streit um Geld und Gut sind Anwälte zuständig; wer selbst mit Eisen oder Feuer ans Werk geht, ist kein großer Rächer, sondern ein gewöhnlicher Vandale. Angela sollte Kurt bitten, alles zu unterlassen, was ihn in ihren Augen erniedrigt. Auch wenn sie persönlich überzeugt ist, dass ihm Unrecht geschehen ist, ist es auch ihre Freundespflicht, ihn vor einer Strafanzeige wegen Sachbeschädigung zu bewahren.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Zuletzt erschien sein Buch "Die Seele des Psychologen. Ein autobiografisches Fragment" (Orell Füssli)

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