Gesellschaftskritik: Über Prinzen

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Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 22/2017

Im Märchen eine der besten Rollen, im echten Leben irgendwie Banane: Die Rede ist von der Rolle des Prinzen. Erzogen im Bewusstsein seiner großen Bedeutung, hat ein Prinz meist keinerlei Macht, auf der anderen Seite aber auch nicht die Möglichkeit, ein stinknormales Leben zu führen. Und König werden ohnehin nur die wenigsten. Wohin diese Schizophrenie führt, kann man beobachten: am operettenhaften Sonderling Prinz Philip, am Unsympathen Prinz Albert, am Rowdy Prinz Ernst August von Hannover oder am ewigen Saubermann Prinz William. Schlimmstes Beispiel einer verunglückten Prinzenrolle ist der thailändische Prinz Maha Vajiralongkorn, gerne auch "Prinz Protz" oder "Prinz bauchfrei" genannt, der es zwar geschafft hat, tatsächlich König zu werden – aber seinetwegen soll Facebook zig Seiten sperren, damit seine Untertanen in Thailand bloß nicht mitbekommen, wie peinlich er sich in seiner Wahlheimat Bayern aufführt.

Es scheint schwer zu sein für Prinzen, einen Weg zwischen Peinlichkeit und langweiliger Makellosigkeit zu finden. Eine sympathische Ausnahme: Prinz Sverre Magnus von Norwegen. Sein Großvater, König Harald, hatte kürzlich Geburtstag, und aus allen Landen waren Könige und Königinnen, Prinzen und Prinzessinnen angereist, um mit den Norwegern zu feiern. Damit das Volk auch was davon hatte, stellten sich alle Majestäten eine Weile auf die Balkone des Schlosses und sahen verdammt royal aus. Nur Prinz Sverre Magnus schnitt Grimassen, machte Peace-Zeichen, alberte herum. Und dann, sozusagen als Krönung, "dabte" er. Hunderttausende schauten seinen "Dab" in den sozialen Medien an, obwohl es sich um eine recht simple Geste handelt: Beide Arme schwingen zu einer Seite, der eine ausgestreckt, der andere angewinkelt, in der Ellenbeuge wird das Gesicht versteckt. Die Geste soll aus dem Hip-Hop kommen, ist auch bei Sportlern zu sehen, wenn sie gewonnen haben. Deutung: alles cool hier, läuft, ich bin im Flow. Dass den Prinzen das Gewicht seiner Rolle nicht drückt, zeigte er ein paar Tage später gleich noch mal: Am norwegischen Nationalfeiertag fiel er durch ausgiebiges Gähnen auf (Bild widmete ihm daraufhin die letzte Seite: "NorweGÄHN"). Seine Mutter Mette-Marit fasste den Prinzen sanft mahnend am Arm, aber ihr Grinsen zeigte, dass ihr die Etikette weniger wichtig ist als die Freiheit ihres Sohnes, zu zeigen, wie er sich fühlt. Das norwegische Königshaus scheint einiges richtig zu machen.

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