Die großen Fragen der Liebe: Muss sie sich um seine Uralt-Flamme Sorgen machen?

Jede Woche beantwortet unser Paartherapeut eine große Frage der Liebe. Diesmal: Wie soll sie mit seinem alten Schwarm umgehen? Eine Kolumne von
Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 28/2017

Die Frage: Elsa und Kurt sind seit zwanzig Jahren verheiratet. Obwohl sie weiß, dass sie das nicht tun sollte, schaut Elsa eines Tages die Mails in Kurts Smartphone durch. So entdeckt sie, dass sich Kurt regelmäßig mit Jennifer schreibt, einer Frau, in die Kurt vor seiner Ehe verliebt war. Es sei aber nichts geworden, hatte er Elsa einmal erzählt. Sozusagen eine Uralt-Flamme. Aber, fragt sich Elsa, kann das stimmen, wenn Kurt schreibt, er denke oft an sie und male sich aus, wie sein Leben zusammen mit ihr verlaufen wäre? Elsa ruft ihre Schwester an und schildert ihr Dilemma. "Ignorieren!", sagt die. "Kurt hatte schon immer eine romantische Ader, er schmachtet da herum, aber Jennifer ist verheiratet und hat nie ernst gemacht!" Elsa ist verwirrt. Was soll sie tun?

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Elsa und Kurt sind schon lange zusammen. Sie haben also offensichtlich so viel voneinander, dass sie beide mit krummen Mitteln die Beziehung "schonen" möchten. Beide "Delikte" sind Mücke wie Elefant, je nachdem, was aus ihnen gemacht wird. Vermutlich erzählt Kurt seiner Frau sehr wenig über seine Fantasien und Gefühle. Er verführt Elsa dadurch, in seine Intimsphäre einzudringen. Weil er so verschlossen ist, überschätzt sie auch die Bedeutung seiner Traumbeziehung mit Jennifer. Der Rat der Schwester ist mir allerdings zu pragmatisch. Elsa sollte vielmehr ihre Sünde beichten und ihrem Mann damit die Chance geben, seinerseits zu erkennen, dass die reale Elsa etwas mehr Aufmerksamkeit verdient als die Fantasiebeziehung mit Jennifer.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Zuletzt erschien sein Buch "Die Seele des Psychologen. Ein autobiografisches Fragment" (Orell Füssli)

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