Unter Strom Mirko Borsche entdeckt eine Suchmaschine – ohne nach ihr zu suchen

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Aus der Serie: Unter Strom ZEITmagazin Nr. 35/2017

Es gibt ja nur wenige Marken, die es geschafft haben, mit ihrem Namen zu einem Synonym für eine ganze Branche zu werden. Tempo statt Taschentücher fällt mir ein und, etwas neuer, das Verb googeln für suchen. Wir googeln alle, dauernd, und mittlerweile google ich sogar Webseiten, deren genaue Adresse ich eigentlich kenne, um dann ganz bequem auf den Link zu klicken, den Google mir präsentiert. Faulheit kennt wirklich keine Grenzen.

Seit einiger Zeit habe ich aber bei mir im Büro bemerkt, dass meine jungen Mitarbeiter und Praktikanten nicht nur fast alle kein Fleisch essen, sondern auch kein Google benutzen. Dauernd erschien irgendeine Seite bei ihnen auf dem Schirm, die ich nicht kannte. Ich fragte also mal möglichst unauffällig und beiläufig, was denn das für eine Seite sei. Leider nicht beiläufig genug, denn als Reaktion erhielt ich den entgeisterten Ausruf: "Waaas, Mirko – du kennst Ecosia nicht?" Nein, kannte ich nicht. Aber ich lern ja gern was Neues kennen und schaute mir die Seite genauer an. Ecosia ist eine Webseite, mit der man wie bei Google suchen kann. Sie bezieht ihre Ergebnisse von Bing, einer anderen Suchmaschine. Warum also nicht gleich Bing runterladen? Weil Ecosia, ein Start-up aus Berlin, 80 Prozent seines Einnahmeüberschusses spendet, für den Naturschutz, vor allem für die Aufforstung des Regenwalds. Im Durchschnitt pflanzt Ecosia alle zehn Sekunden einen Baum, bis 2020 sollen es eine Milliarde insgesamt sein. Ein kleines Baumsymbol zeigt einem nach der Suche an, an wie vielen Bäumen man schon beteiligt war – ich war nach ein paar Tagen schon bei 25 Bäumen. So macht mir das Suchen im Internet viel mehr Spaß. Und meine Faulheit hat endlich mal etwas Gutes.

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