Die großen Fragen der Liebe Muss er den Laptop zuhause lassen?

Eine Kolumne von
Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 35/2017

Die Frage: Heike und Fabian führen einen kleinen, feinen Weinhandel. Heike bedient im Laden; sie sagt manchmal, sie könnte genauso gut Bücher verkaufen oder Porzellan. Fabian hingegen ist hoch engagiert. Er stellt täglich neue Funde auf seine Website und tauscht sich mit Winzern in Europa und Übersee aus. Sie verbringen ihren Urlaub in einem gemütlichen Hotel in den Pyrenäen. Nur ein Schatten fällt auf die Zweisamkeit: Fabian ist abends immer sehr müde und will früh ins Bett. Kein Wunder, sagt Heike – Fabian steht früh auf, schaltet den Laptop ein und kümmert sich ums Geschäft. "Wenn du dich erholen willst, darfst du die Kiste nicht mehr mitnehmen!", mahnt Heike. Aber sie ahnt, dass sie Fabian nicht überzeugt hat. Was soll sie nur tun, damit er zur Ruhe kommt?

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Arbeit kann Menschen anspannen, deshalb wollen sie im Urlaub möglichst wenig von dem wissen, was sie sonst machen. Andere Menschen geraten in Spannung, wenn ihnen die Arbeitsmöglichkeit geraubt wird. Von Picasso hätte niemand erwartet, dass er im Urlaub das Malen sein lässt. Vielleicht macht Fabians Eifer Heike Schuldgefühle, weil sie selbst erleichtert ist, mal nichts mit dem Geschäft zu tun zu haben. Indem Fabian den Brotberuf zum Hobby macht, fühlt er sich schöpferisch. Er wäre vermutlich mehr im Stress, wenn er zwei Wochen drauf verzichten müsste, sich wenigstens ein paar Stunden auf dem Laufenden zu halten. Heike kann ihm ihre Form von Erholung nicht aufdrängen. Solange es Fabian recht ist, dass Heike nicht so viel Leidenschaft für die gemeinsame Firma entwickelt wie er, darf das auch umgekehrt gelten.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Zuletzt erschien sein Buch "Die Seele des Psychologen. Ein autobiografisches Fragment" (Orell Füssli)

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