Die großen Fragen der Liebe: Hat ihre Liebschaft die Ehe gerettet?

Eine Kolumne von
Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 40/2017

Die Frage: Lena und Peter sind seit Langem ein Paar. Ihr Problem war erst, dass Peter viel öfter Lust auf Sex hatte als Lena, die sich ihm oft verweigerte – bis die Erotik zwischen den beiden schließlich ganz verschwand. Kurz vor dem Abitur ihrer gemeinsamen Tochter beginnt Lena eine Affäre mit einem anderen Mann, und Peter tobt. Lena will mit ihm zusammenbleiben, die Affäre aber nicht aufgeben. Peter macht ihr Vorwürfe, die jedoch nicht zur Trennung führen. Die Lage entspannt sich, als Peter eine andere Frau kennenlernt. Peter erlebt endlich eine erotische Beziehung, wie er sie sich immer gewünscht hat. Doch weder Lena noch Peter wollen sich an ihre Affären binden. "Ohne meine Liebschaft wärst du nie dort, wo du jetzt bist", sagt Lena.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Lena hat Peter aufgenötigt, was ein weniger treuer Mann von sich aus getan hätte: angesichts einer Partnerin, die kein erotisches Interesse an ihm hat, nach anderen Frauen Ausschau zu halten. Aber Lena hat nichts Gutes für Peter im Sinn gehabt, sondern eine Grenze überschritten, die bisher beide in ihrem Frust gefangen gehalten hat. Es war ein sehr riskantes Experiment, das Lena inszeniert hat, während es Peter die ganze Zeit lieber gewesen wäre, eine Lena zurückzuhaben, die ihn genauso begehrt wie er sie. Wenn es ihnen gelungen ist, der Sackgasse zu entkommen, Freunde zu bleiben und sich nach wie vor gemeinsam um die Kinder zu kümmern, ist das ein gemeinsames Werk. Beide sollten einander dankbar sein, dass sie so viel Gutes in ihrer Beziehung bewahren konnten, als die Erotik aus ihr verschwunden war.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Zuletzt erschien sein Buch "Die Seele des Psychologen. Ein autobiografisches Fragment" (Orell Füssli)

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