Die großen Fragen der Liebe: Macht sie es sich zu einfach?

Eine Kolumne von
Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 41/2017

Die Frage: Antonia ist Mitte 20, genießt es, Single zu sein, lernt aber immer wieder Männer kennen. Manchmal denkt sie sich, es wäre doch schön, jemanden zu haben, der sie liebt und bei dem sie sich fallen lassen kann. Wenn es dann ernster wird, kommen wieder Zweifel auf. Antonias Lieblingssatz: "Ich will nichts Festes." Aber sie verhält sich anders, hilft bei Problemen, denkt mit, ist da, wenn sie gebraucht wird, öffnet sich emotional. Dann eskaliert die Situation: Er will mehr, sie fühlt sich eingeengt, will endlich mal wieder mehr für sich machen. Die Konflikte wachsen, die Beziehung scheitert. Antonia fühlt sich befreit, und doch geht es ihr schlecht – sie vermutet, ihm noch schlechter als ihr. Der Zweifel nagt an ihr: Darf sie es sich so einfach machen?

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Antonia verhält sich wie eine Nomadin, die mühsam ein Stück Land urbar macht, dann aber doch weiterzieht. Sie verlässt den Partner, sobald sie fürchtet, den Schmerz nicht zu ertragen, wenn er sie verlassen würde. Allerdings sind erotische Beziehungen kaum je ganz fest. Die meisten Kulturen suchen sie durch unterschiedliche Modelle von Ehe zu festigen. Den Sinn einer stabilen Bindung liefert nicht die Erotik, sondern das Vertrauen, füreinander und für Kinder sorgen zu wollen und zu können. In der halbherzigen Suche Antonias nach einer stabilen Beziehungswelt verbirgt sich vielleicht ein unausgereifter Kinderwunsch. Wenn sie Sexualität und Schwangerschaft auseinanderhalten können, müssen sich Paare mit Entscheidungen plagen, ob ihre Bindung stabil genug ist. Um herauszufinden, ob die Liebe trägt, müssen wir sie aber belasten.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Zuletzt erschien sein Buch "Die Seele des Psychologen. Ein autobiografisches Fragment" (Orell Füssli)

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