Unter Strom Mirko Borsche fragt ständig nach dem Wetter – kann eine App seine Neugier stillen?

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Aus der Serie: Unter Strom ZEITmagazin Nr. 42/2017

Früher habe ich mich gewundert, warum Eltern am Telefon immer fragen: "Und, wie ist das Wetter?" Mittlerweile ertappe ich mich selbst dabei, meinen Freunden, die woanders leben, genau diese Frage zu stellen. Deshalb weiß ich, obwohl ich kein einziges Mal dort war, dass die Londoner diesen Sommer durchwachsenes Wetter erlebt haben, dass es in Hamburg richtig mies war – und dass der Münchner Sommer den in Berlin eindeutig geschlagen hat, während es im vergangenen Jahr andersrum war. Eigentlich komisch, dass ich mich dafür interessiere. Ich habe einen Bürojob. Die Frage, ob es regnet, bewölkt ist oder die Sonne scheint, betrifft mich nur an höchstens zwei Stunden pro Tag.

Die App Windy zeigt die Windströme auf der Welt und kann sie auch voraussagen. Ideal für Menschen, die segelfliegen wollen, aber für einen Büromenschen wie mich? Muss ich wissen, wie am Samstag um 11.14 Uhr am Chiemsee der Wind weht? Eigentlich nicht.

Das Erstaunliche ist: Die App übt dennoch einen Reiz auf mich aus. Ich kann sehen, wie stürmisch es zum Beispiel in Pakistan ist. Im Sommer habe ich die Hurrikans über dem Atlantik mitverfolgt, einen nach dem anderen. Je heftiger die Windgeschwindigkeiten, desto mehr verfärbte sich die Karte rot. Schwacher Wind wird grün dargestellt. Die Grafik ist ständig in Bewegung. Das sieht schon toll aus.

Trotzdem schaue ich in letzter Zeit seltener auf die App. Nicht weil mein Interesse an Wind und Wetter nachgelassen hätte – ich frage in den Telefonkonferenzen mit dem ZEITmagazin zwischen München und Berlin zum Beispiel noch immer als Erstes, wie das Wetter in der Hauptstadt ist. Ich weiß nicht genau, warum, aber mir ist es einfach lieber, Freunde zu fragen, als auf mein Handy zu schauen.

Technische Daten:

Größe: 75 MB

kompatibel mit Apple- und Android-Geräten

Preis: gratis

Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Heute morgen:
Kopf aus der Tür gesteckt, sah ganz gut aus, aber Wolkig. Also gefrühstückt und noch mal schnell aufs schön bunte Wetterradar geschaut. In Aachen hat sich das aus den Niederlanden bewährt:
https://www.buienradar.nl...

Es sah alles auch gut aus, kein Regen weit und breit. Also Rad und passende Klamotten genommen und vor der Tür war dann sehr nasser Sprühregen.

Mir ist da die Verbesserung der Daten eigentlich wichtiger als deren Buntheit.