Ich habe einen Traum Wolke Hegenbarth

Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 42/2017

Als ich drei Jahre alt war, sollte ich auf einmal nicht mehr Wolke heißen dürfen. Ein Albtraum! Als ich geboren wurde, hatte mein Vater auf dem Standesamt meinen Vornamen eintragen lassen, ohne Probleme. Meine Eltern waren zu der Zeit nicht verheiratet, damit galt meine Mutter nach damaligem Recht als alleinerziehend. Als sie drei Jahre später heiraten wollten, bekamen sie einen Amtsvormund an die Seite gestellt, der helfen sollte, die Hochzeit zu regeln. Der hat dann von meinen Eltern verlangt, mir einen anderen Namen zu geben – Wolke sei nicht akzeptabel. Da war ich aber schon seit drei Jahren Wolke! Für meine Eltern kam eine Änderung nicht infrage. 1983 hat dann das Amtsgericht Düsseldorf zu unseren Gunsten entschieden. Es war ein Präzedenzfall: Alle Mütter und Väter, die ihre Tochter Wolke nennen wollen, können das seither tun – dank meiner Eltern.

Zumindest eine dieser kleinen Wolken ist nach mir benannt. Als die Serie Mein Leben & Ich schon ungefähr ein Jahr gelaufen war, bekam ich einen Brief mitsamt der Kopie einer Geburtsurkunde. Eine junge Mutter schrieb mir, dass sie ein Fan der Serie sei und deshalb ihre Tochter nach mir benannt habe. Es war traumhaft, den Brief habe ich heute noch.

Als Kind war mein Vorname ganz normal für mich, erst als Erwachsene habe ich gemerkt, dass er etwas Besonderes ist – und dass er extrem gut zu mir und meinem Leben passt. Mein Name ist Programm: Ich bin eine begeisterte Tänzerin, ich mag die Bewegung, das Schwebende. Im Alltag die Füße hochzulegen liegt mir gar nicht. Ich bin eine Vagabundin, ich liebe es, zu reisen. Wenn ich auf Reisen bin, werde ich ganz ruhig und entspannt. Im Zug oder auch am Flughafen bin ich glücklich.

Ich kann natürlich nicht sagen, ob mein Name meinen Charakter geprägt hat oder ob ich auch ohne ihn derselbe Mensch geworden wäre. Freunde von mir behaupten, ich sei als Kind in einen Kessel Zaubertrank gefallen, da ich so voller Energie bin und fast immer gute Laune habe.

In meinem Leben geschieht immer wieder Traumhaftes ohne dass ich je davon geträumt hätte. In meinen Träumen ist meine Zukunft schwarz. Aber das meine ich nicht negativ, im Gegenteil. Da ist einfach nichts zu sehen, nicht morgen, nicht nächstes Jahr. Andere Menschen visualisieren ihre Ziele und streben ihnen nach. Ich laufe einfach los, ohne Plan, bin dabei, mache mit. Die Träume fliegen mir dann in der Realität einfach so zu. Mit meinem frühen Erfolg als Schauspielerin war es zum Beispiel so. Fast zehn Jahre lang hatte ich die Schauspielerei als Hobby betrachtet. Ich dachte, ich mache mein Abitur, dann gehe ich studieren und werde was Anständiges. Erst als ich 2004 mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet wurde, dämmerte mir, dass ich vielleicht schon einen Beruf habe. Da war ich 24 und seit neun Jahren Schauspielerin. So ist das immer bei mir: Ich erträume mir nichts, es passiert einfach. Das Schöne daran ist, dass ich sehr selten enttäuscht bin. Meistens bin ich vom Leben angenehm überrascht.

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