Die großen Fragen der Liebe Hat sie mit der Schwangerschaft getrickst?

Eine Kolumne von
Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 44/2017

Die Frage: "Selbstverständlich nehme ich die Pille, bis du mit der Ausbildung fertig bist", sagt Lara zu ihrem Freund Markus, der gerade sein Referendariat als Jurist absolviert. Sie haben sich verlobt und wollen später Kinder haben. Dann wird Lara aber doch schwanger – trotz Verhütung, behauptet sie, vielleicht der Durchfall während des Urlaubs? Markus fühlt sich unter Druck. Er ist nicht bereit, Vater zu werden, aber ein Abbruch der Schwangerschaft kommt für beide nicht infrage. Nur eines weiß Markus sicher: Er will nicht zu Laras Eltern ziehen, die eine Hälfte ihres Doppelhauses in einem Vorort anbieten. Lara bleibt hartnäckig, für das Baby sei es gesünder in einem Haus mit Garten. Markus ist sich nicht mehr sicher, ob Lara nicht doch getrickst hat.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Unter den Sprüchen zur Hochzeit gibt es den Satz: Wer einen Einwand hat, möge ihn jetzt aussprechen oder für immer schweigen! In diesem Fall ist es kein Vorbehalt von außen, sondern einer, der wie ein Spaltpilz zwischen den Verlobten wächst. Markus und Lara sollten ihre Differenz so ernst nehmen, dass sie entweder die Verlobung lösen oder sich von diesem Verdacht befreien. Andernfalls lastet ein Schatten auf der Ehe und auf dem Kind. Diese Situation ist eine echte Herausforderung für beide. Es geht hier um die Aufgabe, Ungewissheit zu ertragen und die Gegenwart so zu gestalten, dass Fragen nach der Vergangenheit verstummen dürfen. Vielleicht wird es leichter für Lara wie für Markus, wenn das Kind erst einmal auf der Welt ist. Denn auch aus Männern, die sich genötigt fühlen, können gute Väter werden.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Zuletzt erschien sein Buch "Die Seele des Psychologen. Ein autobiografisches Fragment" (Orell Füssli)

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