Gesellschaftskritik Über First Lady Gaga

© Frazer Harrison/Getty Images
Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 45/2017

Lady Gaga nennt ihre Fans "my little monsters". Das ist schön. Die First Lady der Vereinigten Staaten hingegen hat für ihre Fans gar keinen Namen, denn dazu müsste man was sagen, und Worte vermeidet Melania Trump nach Möglichkeit. Ab und zu sieht man sie auf Fotos, unglücklich blickt sie ins Leere, sie lächelt fast nie, vielleicht weil man davon Falten kriegt, und Falten sind schließlich fast so schlimm, wie mit Donald Trump verheiratet zu sein, mehr als eins von beidem erträgt man nicht. Die wahre First Lady ist spätestens seit diesem Foto sowieso Lady Gaga, die sich hier mondän mit allen noch lebenden Ex-US- Präsidenten zeigt, nicht verschüchtert am Rand, nicht verkniffen, sondern glamourös und als Einzige stehend. Dass sie eigentlich ein Popstar und keine Politikerin ist, macht sowieso keinen Unterschied, schließlich sitzt im Weißen Haus auch ein Reality-TV-Star.

Mit diesem Foto scheint es, als werde den US-Bürgern endlich die Art First Lady präsentiert, die sie seit Michelle Obama vermissen. Eine kluge Frau, ein guter Mensch, talentiert, engagiert, weltoffen, beliebt.

Ich meine das nicht böse, aber in den Vereinigten Staaten sind die wenigsten glücklich über Melania Trump als First Lady, am allerwenigsten ganz offensichtlich Melania Trump selbst. Es ist ja auch nicht schön, plötzlich arbeiten zu müssen, nur weil der Mann mit einem Mal Präsident ist. Sich zum Beispiel, weil man als Präsidentengattin einen "cause" braucht, für Mobbingopfer einzusetzen. Ein Thema, für das sich Lady Gaga übrigens seit 2011 mit ihrer Stiftung einsetzt. Es ist schade, wenn eine Frau, deren Wesenszüge man wohl mit dem Wort "hübsch" ausreichend beschrieben hat, plötzlich First Lady wird. Könnte Gaga das nicht einfach übernehmen? Sie erledigt die Arbeit, dafür muss Melania wirklich nie, nie, nie mehr lächeln.

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