Marokko: So komme ich da hin!

Die vielen Touristen sollten sich in Marokko wenigstens besser verteilen. Nach Fès und vor allem nach Meknès verschlägt es nur wenige. Von und
ZEITmagazin Nr. 48/2017

1. Flug

Billigflieger haben den Tourismus in vielen Ländern nachhaltig verändert, Marokko ist da keine Ausnahme. Zum internationalen Flughafen Fès-Saïss kommt man von Frankfurt-Hahn, Weeze oder Bremen mit Ryanair, ein wenig Glück und Frühbucherbonus schon für 19,99 Euro. Royal Air Maroc fliegt von Frankfurt am Main, München und Berlin-Tegel mehrfach die Woche über Casablanca nach Fès. Wenn es an Bord Fisch gibt: Nehmen Sie den Fisch! Weil die marokkanische Staatsairline ihr Drehkreuz in Casablanca für Passagiere mit Ziel Westafrika ausgebaut hat, fühlt man sich im Transitbereich wie in einem kleinen globalen Dorf. Vom renovierten Flughafen in Fès bringen Sie Taxen zum Festpreis von 140 Dirham, rund 14 Euro, in die Stadt.

2. Hotel

Das Geld, das Sie bei der Flugbuchung gespart haben, können Sie jetzt im Riad Fes wieder ausgeben. Der von maurischer Architektur inspirierte Palast wird Sie grundlegend am Konzept minimalistischer Einrichtung zweifeln lassen. Sakrale Stille erfüllt die Säulengänge, prunkvolle Wandfliesen zieren die Wände, Wasser plätschert in Marmorbecken. Im Innenhof schimmert ein Swimmingpool. Die Zimmer sind mit geschnitzten Möbel und opulent gemusterten Tapeten eingerichtet, morgens fällt das Licht in farbigen Sprenkeln durch die Buntglasfenster. Von der Dachterrasse schaut man auf die Medina von Fès und das Atlasgebirge.

3. Erster Tag

In Marokko ist fast immer gutes Wetter, am angenehmsten ist es aber im Frühjahr: milder Sonnenschein und Temperaturen um die 25 Grad. Perfekt also, um die Altstadt zu Fuß zu erkunden. Wie auch sonst? In den engen Gassen fahren keine Autos. Legen Sie beim ersten Rundgang bitte den Stadtplan und die Karten-App beiseite und lassen Sie sich einfach treiben. Folgen Sie zum Beispiel einer der vielen Straßenkatzen. Das prachtvolle Tor "Bab Bou Jeloud" dient als Haupteingang zur Altstadt und zugleich als Orientierungspunkt: Wenn Sie lange genug herumirren, kommen Sie hier garantiert wieder vorbei.

In einer der ältesten Gerbereien der Welt wird bis heute im Herzen der Medina – und nicht nur als Folklore – Lamm- und Kuhleder für die Schuh- und Kleidungsproduktion gefärbt und weiterverarbeitet. Von den Flachdächern der jahrhundertealten Häuser kann man beobachten, wie dürre Männer Sonnengelb, Blutrot oder Meeresblau anmischen und das Leder in den natürlichen Farben einlegen. Der beißende Geruch ist gewöhnungsbedürftig und nichts für schwache Nasen.

Generell ist in Fès alles sehr alt: Die zweitälteste Universität der Welt, Al-Karaouine, wurde hier im Jahr 859 gegründet, nur Tunis beherbergt eine ältere Bildungseinrichtung. Fatima Fihriyya, eine alleinstehende reiche Frau, spendete die Universität der Allgemeinheit. Hier studierte später Ibn Chaldun, einer der einflussreichsten Philosophen Nordafrikas. Man kann das uralte Wissen sogar grüßen, wenn man im gekachelten Hof der Moschee an der theologischen Fakultät steht und den Gelehrten beim Studium der antiken Schriften zuschaut.

4. Einkaufen

Es gibt sie, die Orte, an denen noch nicht jeder Ryanair-Passagier war und die Preise deswegen human sind. Mit dem Zug können Sie vom Hauptbahnhof Fès in 40 Minuten nach Meknès fahren. Steigen Sie dort im "Bahnhof des Emirs" aus. Das Schienennetz ist in Marokko gut ausgebaut – die französischen Besatzer wollten die Rohstoffe schnell von A nach B transportieren (Online-Reiseauskunft auf www.oncf.ma). In Meknès können Sie sich in aller Ruhe in der Altstadt umsehen. Meknès ist das kleinere, billigere und ruhigere Fès. Sie können hier echte marokkanische Lederpantoffeln (Belgha) für umgerechnet rund zehn Euro erwerben, die kosten in Fès schon mal das Doppelte. Handeln Sie den Preis freundlich zehn Dirham runter – trauen Sie sich, das macht Spaß! Aber bitte nicht übertreiben, Sie wollen den Händler ja nicht über den Tisch ziehen. Handgemachtes Tongeschirr bekommt man für wenige Euro auf dem zentralen Hedim-Platz. Gewürze oder Goldschmuck gibt es hier auch – mit beiden Kostbarkeiten kann man zu Hause gut angeben.

5. Essen und Trinken

Tajine schmeckt nur bei Mama. Aber die kann ja nicht für alle kochen. Die besten Köchinnen des Landes kommen tatsächlich aus Fès und Meknès. Als Facharbeiterinnen kochen sie in den Luxusrestaurants im ganzen Land, in Paris oder Brüssel. In Fès ist das "Haus der Tajine" (Derb Elghorba 71) zu empfehlen, in Meknès das Restaurant Zitouna (Jamaa Zitouna 44). Zu Lammfleisch mit karamellisierten Pflaumen oder Huhn in Safransauce passt ein Rotwein. In den fruchtbaren Tälern am Fuße des Atlasgebirges wird seit Jahrhunderten Wein angebaut. In die Weinproduktion wird leider nur noch wenig investiert, aber einen kräftigen Syrah aus Meknès muss man probiert haben. Im familiären Restaurant Konouz al-Madina (Sidi Abdallah Elkasri 11, Meknès) gibt es zwar keinen Alkohol, und man sollte unbedingt vorbestellen, aber das Essen bei Mama Amina schmeckt eben wie bei Mama. Gestärkt kann man sich ins Mietauto setzen und besser auf den verrückten Verkehr achten.

6. Am Ziel

Die archäologische Stätte Volubilis liegt eine Autostunde von Meknès entfernt. Sie beherbergt die am besten erhaltenen Monumente aus der römischen Antike in Nordafrika – obwohl Sultan Mulai Ismail im 17. Jahrhundert einen Teil des Marmors in seiner damaligen Hauptstadt Meknès verbauen ließ. Vielleicht fühlt man sich deswegen beim Sonnenuntergang hinter dem Caracalla-Triumphbogen und der epochalen Basilika wie ein kleiner Sultan – oder Kaiser.

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