Model Bilder einer Frau

© Torbjorn Rodland
Was entsteht, wenn man ein Model zehn Jahre begleitet? Eine Bilderserie und eine Freundschaft Von
ZEITmagazin Nr. 48/2017

ZEITmagazin: Herr Rødland, wie kam es zu der Serie "The Model"?

Torbjørn Rødland: Ich habe Małgosia Bela 2007 in Koreatown in Los Angeles kennengelernt. Wir haben uns sofort verstanden, deshalb war unsere Verbindung von Anfang an freundschaftlich. Es war kein Job, für den ich sie gecastet habe. Die ersten Fotos entstanden für mein Projekt Go to the VIP Room, für das ich mit Mehrfachbelichtung gearbeitet und ihr Gesicht und verschieden ausgeleuchtete Orte in Los Angeles fotografiert habe. Das war eher eine Arbeit über die Stadt. Sie bildete aber zugleich den Startpunkt des Buchprojekts The Model.

ZEITmagazin: Małgosia Bela ist vor allem in der Modewelt ein sehr bekanntes Gesicht. Was hat Sie an ihr gereizt?

Rødland: Anfangs wollte ich sie gar nicht fotografieren. Sie schien mir zu oft fotografiert worden zu sein. Genau das machte sie aber schließlich interessant. Die Bilder in dieser Serie zeigen Małgosia, wie sie mit Bildern interagiert, Bilder anschaut, selbst zu Bildern wird. Ich fand es interessant zu sehen, welche unterschiedlichen Qualitäten ein so bekanntes und erfahrenes Model wie sie in die Fotos hineinbringen würde.

ZEITmagazin: Sie haben Małgosia Bela über einen Zeitraum von zehn Jahren fotografiert. Was für eine Beziehung haben Sie eigentlich zueinander?

Rødland: Als ich 2010 endgültig nach Los Angeles zog, ging Małgosia gerade nach Paris. Wir haben nie in derselben Stadt gelebt. Die Bilder für The Model entstanden in Los Angeles, Paris, London, auf den Lofoten, in Oslo und Warschau. Fast die Hälfte haben wir allerdings im letzten Sommer gemacht. Die Idee der Serie war weniger die einer Langzeitbeobachtung. Mir ging es eher um eine spezielle Ästhetik der Fotografie, um die Zufälligkeit der Bilder.

ZEITmagazin: Ihre Arbeiten sind normalerweise stark inszeniert. "The Model" wirkt eher wie eine Serie spontaner Schnappschüsse.

Rødland: Ich wollte mit dieser Arbeit die Grenzen verschiedener fotografischer Genres ausloten. Wie beeinflussen die in kommerzieller Fotografie dargestellten Träume die Wahrnehmung unserer Umwelt? Wo endet Reportage-Fotografie, wo beginnt inszenierte Fotografie? Die Fotos sind Abbildungen der Realität, aber gefiltert durch Mythen und Ideale.

ZEITmagazin: Die Bilder wirken sehr intim. Gleichzeitig erfährt man nichts über Małgosia Bela. Es bleibt ein Geheimnis, wer der Mensch hinter dem Model ist.

Rødland: Ich glaube nicht, dass ein Foto abbilden kann, wer die gezeigte Person wirklich ist. Danach strebe ich auch überhaupt nicht. Mich interessieren Bilder, die mysteriös sind und die ganz unterschiedlich betrachtet und interpretiert werden können.

ZEITmagazin: Viele Leute kritisieren, dass Models oft zum Objekt gemacht werden. Wie begegnen Sie diesem Vorwurf?

Rødland: Erst einmal ist das Modeln ein Beruf, den die meisten freiwillig ergreifen. Ich finde zudem die jüngste Entwicklung interessant, dass Frauen gerade die Kontrolle über ihre öffentliche Darstellung zurückgewinnen, indem sie sich selbst zum Objekt machen. In den sozialen Medien zeigen sie Bilder von sich – und tendieren dabei wieder zu exakt jener Ästhetik, die als Objektivierung verschrien ist.

ZEITmagazin: War es auch das, was Sie an Paris Hilton fasziniert hat, die Sie vor drei Jahren für das Magazin Purple fotografiert haben?

Rødland: Ja. Viele Leute fragen abschätzig: Was ist Paris Hiltons Talent? Wofür ist sie berühmt? Diesen Leuten entgeht der entscheidende Punkt: Paris Hilton hat es geschafft, ein Bild von sich zu schaffen, von dem sie leben kann. Damit hat sie vielen der heutigen Instagram-Berühmtheiten den Weg bereitet. Sie selbst ist ein Bild, ein Image, das nicht mit einem Beruf oder einer anderen Form des gesellschaftlichen Lebens verbunden ist. Die Welt hat sich verändert. Früher lernten die Leute ein Handwerk wie Goldschmied. Heute kann man auch auf andere Art Talent haben.

ZEITmagazin: Und das finden Sie gut?

Rødland: Ich halte es für ein interessantes Phänomen, deshalb beschäftige ich mich damit in meiner Kunst. Aus seinem Aussehen eine Marke zu machen kann auch etwas sehr Mächtiges und Aktives an sich haben.

ZEITmagazin: Viele kritisieren, dass Frauen auf Bildern oft auf ihr Äußeres reduziert werden – als gäbe es nichts anderes Interessantes an ihnen.

Rødland: Die Fotografie hat Grenzen. Es ist kein Medium, das dazu geeignet wäre, den Intellekt oder die Ideen einer Person sichtbar zu machen, sondern eher ihren Körper abzubilden. Wenn Sie mehr über eine Person wissen wollen, sollten Sie sich mit ihr unterhalten.

Kommentare

2 Kommentare Kommentieren

Die 10 gezeigten "Werke" des Fotografen sind doch das allerbeste Beispiel, dass es bei vielen Dingen rein gar nicht auf die "Qualitaet" des Werkes an sich ankommt!
Derlei Fotos kann nahezu "jeder" erstellen, nicht erst seit "Digicam" und "Photoshop"!
Von daher frage ich mich - nicht ohne Ausnahme aber dennoch bei vielen beruehmten Fotografen, was oder wodurch sie zu ebendiesem Ruhm kommen konnten. Allein an den Fotos kann es nicht liegen!
Aehnlich wie bei "moderner Kunst", die teilweise auch rein gar nichts mit irgendwelchen, sei es ausgebildeten oder "talentmaessigen" Faheigkeiten, zu tun hat, kommt es vielmehr auf "zur rechten Zeit, am rechten Ort unter den richtigen Fittichen" an.
Viele Bands machen wunderbare Musik, allein, solange kein Radiosender sie spielt, kein "Kritiker" sie erwaehnt, werden sie weiter durch die Provinz ziehen, hier und da bei der einen oder anderen Feier fuer vielleicht ein paar 100 eur spielen...