Gesellschaftskritik Über neu ergraute Haare

Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 49/2017

Wir hätten nie gedacht, dass Birgit Schrowange und Robert Lewandowski sich mal eine Gesellschaftskritik teilen würden, aber jetzt ist es so weit. Denn beide sind gleichzeitig ergraut, Lewandowski, 29, sieht aus wie mehlbestäubt, Schrowange, 59, wiederum outete sich gerade mit grauem Kurzhaarschnitt. Schrowanges Begründung ist total nachvollziehbar: Haare lange gefärbt und zuletzt sogar Perücke getragen, dann frisch verknallt und dem Mann unter Bauchschmerzen vor dem dritten Date die Wahrheit gesagt. Klar, einer neuen Liebe von einer Perücke zu berichten, ehe diese daran ziehen kann, macht Sinn (und ganz nebenbei steckt im Gestehen der eigenen Alterserscheinungen ein kleiner Liebestest, der auch nicht schaden kann).

Sometimes you need to change something 🙅🏻‍♂🔥

Ein Beitrag geteilt von Robert Lewandowski (@_rl9) am

Was Robert Lewandowski geritten haben mag, ist schwerer nachzuvollziehen. Immerhin ist er Profifußballer im gerade-schon-nicht-mehr-besten Fußballeralter, und jeder weiß, was mit Bastian Schweinsteiger passiert ist, als seine Schläfen weiß wurden und seine Sprints plötzlich aussahen, als leide er an Arthrose. Im Grunde ist Lewandowskis Entscheidung nur durch einen jener Friseurmomente zu erklären, in die wohl jeder im Laufe seines Lebens mal gerät.

Amerikanischer Starfriseur: "Also, gehen wir blond, Lewy?"

Lewandowski: "Ja, das machen wir!"

Friseur: "Ich finde, du hast so suppaschöne graublaue Augen, wir können auch gehen grau."

Lewandowski: "Grau?!"

Friseur: "Ist jetzt Fashion unter junge Leute. Die Tochters von meine clients jetzt alle gehen grau."

Lewandowski (schüttelt den Kopf): "Oh nein, Brian, das ist nichts für mich. Ich bin Sportler, kein Medienstar."

Friseur: "Ja, haben recht, Lewy, aber wenn darf sagen, du bissi brav wirken, immer nur Training, kein Alkohol, immer Tore, zuverlässig wie polnische Handwerker. Ich verstehe nix von soccer, aber habe Eindruck, Rummenigge dich für selbstverständlich nehmen."

Lewandowski (blickt interessiert von seinem Fitness-Magazin auf)

Friseur: "Hab gelesen, Rummenigge wollen kaufen Sandro Wagner. Ist ganz andere type als du, suppalaute type, sehr auffällige Bart, und Rummenigge wollen habe. Aber will dich nicht beeinflussen. Ist deine Entscheidung, Lewy."

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Farbenträger – wenn ihr nicht werdet wie aus dem Kinderlied,
so werdet ihr nicht den Promi-Status erlangen! Na denn …

Grau, grau, grau sind alle meine Haare,
Grau zeigt, wie lebensvoll ich bin.
Darum lieb ich, was auf meinem Kopf ist,
weil Erfahrung schärft den Sinn.

Blau, blau, blau sind nur meine Augen,
blau und schlau so stets schau ich.
Darum sollt‘ ich was auch immer taugen,
bin ich trau-schau-blau erbaulich.

Rot, rot, rot sind viele meine Kleider,
rot bedeutet: Leute, schaut mich an.
Darum zieh ich an, was rot ist,
denn das Outfit zieht die Blicke an.

Grün, grün, grün sind alle meine Neider;
Grün ist auch der grimme Hulk.
Darum wähl ich manches, was so grün ist,
mir ist vieles bloß ein Ulk.

Schwarz, schwarz, schwarz ist doch nicht die Seele,
schwarz unsichtbar sind nur Dessous.
Darum lieb ich alles, was so schwarz ist,
wenn’s nur heimlicher Gruß.

Weiß, weiß, weiß ist was für Freud‘ und Trauer,
weiß ist das blanke Blatt Papier.
Darum lieb ich weiß, ist nicht von Dauer,
weil auf das Blatt tipp ich hier.

Bunt, bunt, bunt sind alle meine Träume,
bunt sind Farben kreuz und quer.
Darum lieb ich Träume als Schäume,
denn das Bunte macht viel mehr daher.