Liebskolumne Ist er ihr Ritter, oder muss sie selbst kämpfen?

Eine Kolumne von
Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 49/2017

Die Frage: Caroline ist Lehrerin, sie und Thomas sind schon länger ein Paar. Thomas hat einen engen Freund, der immer wieder abschätzige Bemerkungen über Lehrer im Allgemeinen, aber auch über Caroline ganz persönlich macht. Bisher hat sich Caroline bemüht, die Spannung rauszunehmen und freundlich zu bleiben. Aber sie will im Grunde mit diesem Mann nichts mehr zu tun haben und ärgert sich – wenn sie ihm schon nicht aus dem Weg gehen kann –, dass Thomas die Angriffe auf sie geflissentlich überhört und so tut, als ginge ihn das alles nichts an. Caroline will ihrem Mann die Beziehung zu seinem Kumpel nicht verderben, aber Thomas sollte doch endlich klarstellen, dass er unhöfliches Benehmen gegenüber seiner Frau nicht duldet.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Es ist noch nicht lange her, da musste ein Mann sich bei Regenwetter so positionieren, dass er die Duschen aus den Pfützen durch vorbeifahrende Autos abbekam. Noch etwas länger vergangen ist die Zeit, in der das unverschämte Verhalten gegen die Gattin mit der Forderung zum Duell bestraft wurde. In der Neuzeit müssen Ritter fürchten, als lächerliche Figuren abzuschneiden – siehe Don Quichote. Vielleicht hat Caroline es auch mit einem pubertären Männerbund zu tun: Einer hetzt gegen die strenge Lehrerin, der andere tut so, als ginge es ihn nichts an. Auf jeden Fall sollte sie Thomas sagen, was sie kränkt. Männer haben Probleme mit dem Schwinden ihrer Dominanz. Sie brauchen Humor, um herauszufinden, ob die Dame, die sie gegen den Drachen verteidigen wollen, ihnen nicht in die Parade fährt und sagt, sie könne sich selber wehren.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Zuletzt erschien sein Buch "Die Seele des Psychologen. Ein autobiografisches Fragment" (Orell Füssli)

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