Totale Mondfinsternis JULI

Stefan Schmitt wartet auf die totale Mondfinsternis. Von Stefan Schmitt
ZEITmagazin Nr. 50/2017

Ich freue mich darauf, am 27. Juli mit meinen Kindern die totale Mondfinsternis anzuschauen, ein Himmelsereignis, bei dem sich Kosmos und Komfort treffen. Komfortabel ist das Timing: Freitagabend verschwindet der Mond im Kernschatten der Erde, so etwa zwischen halb zehn und viertel nach elf. Normalerweise schauen wir freitagabends den Pumuckl, diesmal dürfen sie länger aufbleiben, und wir werden Physik schauen. "Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel ..." – immer wieder habe ich den Kindern von unserem Sonnensystem erzählt. Abstrakt wissen sie, in welcher kosmischen Heimat wir leben. Aber so selbstverständlich schulbuchgewohnt das dahingesagt ist, so unfassbar bleibt es doch. Nur in Ausnahmesituationen wie einer Mondfinsternis kann man es auch spüren: dass wir auf einem rasenden Steinbrocken hocken, um den ein kleiner Klumpen tanzt, während beide um ein fernes Höllenfeuer aus Wasserstoff kreisen. Wann sonst spürt man die Eigenbewegung der Erde, wenn nicht jetzt, da ihr Schatten in Zeitlupe die Mondkugel frisst? Kosmisch.

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