Ich habe einen Traum Dhani Harrison

"Als Kind eines Beatles muss man fleißiger als alle anderen sein, um ernst genommen zu werden"
Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 51/2017

Vor zwei Tagen träumte ich, dass ich in einem Turm sitze und von Hunderten klitzekleinen grünen Singvögeln bedeckt bin. Sie machen merkwürdige Geräusche, alles vibriert, also stehe ich auf und öffne ein Fenster, um die Vögel rauszulassen. Während sie nach draußen fliegen und ich ihnen nachblicke, höre ich von hinten die Stimme meines Vaters, er ruft meinen Namen. Als ich mich zu ihm umdrehen wollte, bin ich aufgewacht.

Ich wollte unbedingt meinen Vater sehen und versuchte, wieder einzuschlafen. Als mir das endlich gelungen war, hämmerte mir jemand im Traum einen Nagel durch die Stirn in den Kopf hinein. Ich war sofort wach und konnte dann nicht mehr schlafen.

Diesen Traum kann ich nicht weiterempfehlen. Er passt zu den furchterregenden Zombieträumen, die ich als Kind häufig hatte. Da war immer die ganze Welt von Zombies infiziert, und am Ende musste ich sogar meine Freunde und meine Familie töten, um nicht auch befallen zu werden. Aber ich lernte in diesen Träumen, meine Ängste zu besiegen. Und im Zombiestöten bin ich ziemlich gut geworden.

Als ich klein war, träumte ich oft von der Beerdigung meines Vaters. Das sind die ersten Träume, an die ich mich erinnern kann, sie begleiteten mich eine lange Zeit. Ich sah ihn da als Toten und musste mich im Traum damit abfinden, ein Leben ohne ihn zu führen. Nach dem Aufwachen tröstete mich mein Vater immer und sagte mir, das sei kein schlimmer Traum, schließlich müssten wir alle sterben. Er war da sehr entspannt. Als er dann tatsächlich starb, war ich 23 Jahre alt – danach kehrte der Traum nie wieder.

Ich habe mich immer bemüht, mein eigenes Leben zu leben. Als Kind eines Beatles muss man fleißiger als alle anderen sein, um ernst genommen zu werden, fragen Sie nur mal Stella McCartney. Früher habe ich zwar immer in Schulbands gespielt, bin dann aber längere Zeit der Musik aus dem Weg gegangen. Mein Vater war nie ein guter Sportler, ich schon. Als Ruderer war ich erfolgreich mit Teams, in die man nicht aufgenommen wird, bloß weil man der Sohn von George Harrison ist. Ich bin diszipliniert, ich arbeite hart. Ich war sogar auf einer Art Militärschule, was mein Vater, ein Pazifist, furchtbar fand. Aber ich fand es toll dort. Vielleicht war das meine Rebellion. Manche Lehrer an dieser Schule lehnten mich ab. Sie wussten, dass sie mich zwar im Unterricht auf Trab halten konnten, ich dann aber nach einer Doppelstunde Geografie oder Mathe in ein Haus zurückkehrte, wo gelegentlich Bob Dylan oder Roy Orbison in der Küche herumsaßen.

Übernommen habe ich von meinem Vater dessen Begeisterung für die Formel 1. Ich studierte Industriedesign, weil ich Rennwagen entwerfen wollte. Eine Weile habe ich dann tatsächlich für McLaren gearbeitet. Aber als mein Vater gestorben war, habe ich mitgeholfen, sein letztes Soloalbum fertigzustellen. Und danach blieb ich bei der Musik. Wenn ich heute im Studio bin, spüre ich immer wieder seine Gegenwart. Und manchmal höre ich auch in meinen Träumen noch seine Stimme.

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