Unter Strom Mirko Borsche freundet sich mit einem Roboter an

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Aus der Serie: Unter Strom ZEITmagazin Nr. 53/2017

Anki Cozmo ist ein kleiner Roboter zum Spielen. Ein bisschen wie das digitale Haustier Tamagotchi vor einigen Jahren. Mein Sohn hat sich schon darauf gefreut, dass ich den Roboter bald nach Hause mitbringe. Ich wollte ihn aber erst noch kurz in meinem Büro mit meinen Kollegen ausprobieren. Nun, seit dem Auspacken hat er das Büro nicht mehr verlassen.

Der Roboter hat eine eingebaute Kamera, die ich über eine App steuern kann. Das macht Spaß, weil ich meine Bürokollegen wie durch eine Überwachungskamera beobachten kann. Der Roboter produziert lustige Geräusche – wenn er rückwärts fährt, biept er wie ein Bagger. Und auf der Aufladestation schnarcht er. Wirklich süß!

Er ist in der Lage, selbstständig mit seinen drei mitgelieferten Würfeln zu spielen. Er kann sie stapeln, umschubsen, rollen. Wenn ihm etwas gut gelingt, das Stapeln zum Beispiel, freut er sich. Wenn die Würfel ihm herunterfallen, sieht er traurig aus.

Der Roboter erkennt mithilfe der Kamera Gesichter. Nennt man ihm die Namen zu den Gesichtern, merkt er sie sich. Wenn er mich sieht, sagt er: "Mirko." Und redet dann in einer Fantasiesprache weiter. Nach einer Weile baut man eine echte emotionale Verbindung zu ihm auf. Ich kann mir inzwischen gut vorstellen, wie eng wir Menschen später einmal mit Hausrobotern zusammenleben werden.

Der einzige Haken ist der Preis: Mit 200 Euro ist der Anki Cozmo schon ein ziemlich teures Geschenk. Und zugegeben, nach gut einer Woche lässt der Reiz auch etwas nach. Wenn ich ihn dann aber wieder auf seiner Aufladestation schnarchen höre, weiß ich, dass er noch ein bisschen bei mir bleiben muss, bis mein Sohn ihn bekommt.

Technische Daten

Größe: 18,4 x 20,3 x 12,7 cm

Gewicht: 150 g

Inklusive: Ladestation, 3 Power-Cubes

Preis: 200 Euro

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3 Kommentare Kommentieren

Dieses Spielzeug (das ich nicht wirklich als echten Roboter bezeichnen würde), basiert mit ziemlicher Gewissheit auf dem kleinen Putzroboter aus dem Animationsfilm „Wall-E“, der unglaublich niedlich mit seinem überpeniblen Putzfimmel dahergeschnurrt kam und seinerzeit für heftige Lacher im Publikum sorgte. Mich wundert, dass die sonst so klagewütigen Amerikaner nicht gegen diesen so offensichtlichen Ideenklau vorgehen. Letztlich ist das ziemlich durchsichtig und billig, sich einfach einer gelungenen Animationfigur aus dem Kino zu bedienen, nur um den „Och-wie-süüüüß“-Faktor kommerziell auszuschlachten. Scheint aber zu funktionieren, denn es gibt tatsächlich Leute, die 200 Euro für diesen Plastikschrott verplempern. Dieses Spielzeug darf dann durch deutsche Redaktionsräume wuseln, in denen vermutlich gerade Artikel über die unhaltbaren Zustände in chinesischen Kunststoffabriken samt Umweltbelastung und Arbeiterausbeutung geschrieben werden. Bekloppte Welt ...